Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?44002

Staffelkritik

Warum Fabian Fuchs als "Prince Charming" völlig ungeeignet war

In der "Wiedersehen"-Folge der vierten Staffel der Gay-Dating-Show platzt endgültig das Luftschloss rund um den Mythos des Prinzen. Das Konzept der Sendung ging diesmal überhaupt nicht auf.


Als "Höhepunkt" der "Wiedersehen"-Folge wurde enthüllt, dass Basti und Fabian kein Paar mehr sind (Bild: RTL)

Für die Zuschauer*innen ging Ende November die ereignislose vierte Staffel von "Prince Charming" mit einem luftleeren Finale zu Ende – für die Kandidaten hingegen liegt bereits ein ereignisreicher Sommer zwischen Gegenwart und der Zeit in Rhodos. Auf RTL+ ist seit Donnerstag das Zusammentreffen von fünf Männern aus Fabians engerem Favoritenkreis zu sehen. Mit dieser zehnten Episode platzt endgültig das Luftschloss rund um den Mythos des Prinzen – und beweist, dass Fabian Fuchs für diese Rolle gänzlich ungeeignet ist.

Für all diejenigen, die sich die langatmige Farce der letzten Wochen ersparen wollen, bietet die Sendung zahlreiche Zusammenschnitte der "schwulen Klassenfahrt" nach Griechenland, wie Leon es in der zweiten Episode betitelt. Durch energetische – oder auch melancholische, wenn es um "echte Gefühle" geht – Musikwahl, eine flotte Schnittdynamik und die eingeblendeten amüsanten Reaktionen der Teilnehmenden wird die Illusion erzeugt, eine ereignisreiche Staffel liege zurück. Diese These habe ich in den zurückliegenden Besprechungen ausführlich widerlegt. Es ist bezeichnend, dass sich die Handlung der neun Episoden in 50 Minuten Lauflänge detailliert besprechen lässt.

Internalisierte Homophobie bis zum Schluss

Moderatorin Lola Weippert verwöhnt das RTL+-Publikum mit Pulitzer-preisverdächtigen Investigativfragen wie "Was war für dich das Besonderste in der Staffel?". Lieb gemeinte Geste, sind doch alle Blicke neugierig auf das mittig im Studio thronende Paar aus Prinz Fabian und Staffelgewinner Basti gerichtet, die weit voneinander entfernt sitzen und auffällig wenig miteinander interagieren. Sind sie ein Paar, erfüllen sie jetzt endlich die gierige Erwartungshaltung an eine monogame Beziehung, mit der sich auch ein Hetero-Publikum anfreunden könnte? Diese betonte Distanz ist nicht ohne Grund, wie sich später herausstellen soll.

Jede Person erhält kurz den Redeball und berichtet über Zuschauer*innen-Reaktionen auf ihre Präsenz in der Sendung. Philippes lauthalsiges meditatives Stöhnen vor einer rauchenden Ananas aus der achten Folge wird aufgegriffen: Ich dachte ja noch kurz, dass es der Folge gelingt, ihren Unterhaltungswert aus der ironischen Distanz zu der zurückliegenden Staffel zu gewinnen – bis die Moderatorin die Frage stellt, ob er sich mit seiner Atmung zum Orgasmus bringen könne, sie frage für einen Freund. Daraufhin stöhne ich lauthals auf, weil mir dieser Humor langsam auf den Keks geht.

"Das Schönste, was ich gehört habe, war, dass man mich vielleicht in seiner Kindheit jemanden wie mich als Vorbild gebraucht hätte", stilisiert Basti seine Reichweite zur queeren Ikone hoch. Dafür, dass er sich seinem Einfluss – als Person einer sehr nischigen RTL+-Öffentlichkeit – so bewusst ist, wünschte ich, er würde die Leere des Formats nicht mit dem Müll internalisierter Homophobie füllen. Er habe nur wenig Kontakt zu seinen streng konservativen Eltern, erzählt er, alle im Studio schauen bedröppelt zu Boden. Er nehme es ihnen aber auch nicht übel, "weil ich halt weiß, in welchen Verhältnissen meine Familie generell aufgewachsen ist". Es ist nicht das erste Mal, dass dieses vielfaltsbewerbende Sendungskonzept Homophobie nicht klar zu benennen weiß, wenn sie auf dem Tisch liegt.

Fabian beklagt sich über Negativreaktionen


Unser Prinz der Herzen: Dennis O. (Bild: RTL)

"Ich sage immer: Ich möchte den Menschen genauso viel Freude und Energie geben wie die Vengaboys mir geben." Mit diesem fantastischen Spruch kehrt Dennis O., meine letzte Hoffnung dieser Staffel, wieder auf die Bildschirme zurück. In elegantem schwarzem Kleid und knallroten Lederhandschuhen beweist er nicht nur sein ausgeprägtes Stilbewusstsein, sondern seine mitreißende Aura, die jede Sekunde dieser Sendung deutlich erträglicher gemacht hat: Die witzigen Momente im Rückblick kommen fast ausschließlich von ihm. Dass er ausschließlich positives Feedback erhalten habe, wie er erzählt, glaube ich ihm aufs Wort.

Dieses ist dem Prinzen nicht beschert: Er erzählt von überwiegenden Negativreaktionen, vom Gegenwind gegen sein ins klischeehafte Schönheitsmuster fallendes Aussehen und der Kritik an seinen fehlenden Macken. Er wird zu seiner emotionalen Verfassung zu dieser und jener beliebigen Szene befragt, er reproduziert erwartungsgemäß wortgenau die Aussagen aus den letzten Episoden. Es ist und bleibt die große Fabian-Fuchs-Show, in der einzig und allein seine Forderungen thematisiert werden – diese Hierarchie löst sich auch im entspannten Wiedersehen nicht auf.

Das Sendungskonzept geht nicht auf

Was diese Episode wiederholt zum Vorschein bringt: Das Sendungskonzept geht nicht auf. Und zwar nicht nur, weil diese Hierarchisierung grundsätzlich albern ist, sondern weil sich Fabian selbst nicht sicher ist, was er überhaupt will. Seine erotische Faszination für Basti und seinen "Ja, ich empfind mich selber als sehr gut aussehend"-Narzissmus endet in einem Kontaktabbruch übers Smartphone. Fabian sei es einfach nicht genug gewesen und, überhaupt, die Distanz zwischen beiden sei ja auch schwierig dauerhaft – das Luftschloss rund um den Prinzen ploppt in sich zusammen.


Fabian Fuchs: "Ja, ich empfind mich selber als sehr gut aussehend" (Bild: RTL)

"Der Jäger muss jagen": Anstatt seine Bindungsangst offen zu thematisieren, verletzt er weitere Personen in seinem Umfeld. Noch bevor er Basti das Ende der gemeinsamen Zeit kommuniziert hat, kontaktiert er den zweitplatzierten Tim. Sie daten zwei Monate – Fabian kann sich aber nicht festlegen, ihm passe eine Beziehung sowieso gerade nicht so. Er habe einen durchgeplanten Sommer, müsse erstmal runterkommen und schauen, was er selbst wolle. Hä?, möchte ich umgangssprachlich rufen. Geht nicht die ganze Staffel nur über dich und deine Gefühle? Wie viel Aufmerksamkeit für diese Egozentrik sollen Zuschauer*­innen noch aufbringen?

Das – deutlich spannendere, wenn auch für meinen Geschmack zu spät eintretende – Techtelmechtel unter den übrigen Teilnehmenden wird lieblos abgefrühstückt: Basti und Leon trafen sich für einige Dates. Anstatt diese Neuigkeiten zu thematisieren, schwelgt man in Thomas-Gottschalk-Manier dem langweiligen Vergangenen. Mit Lola Weipperts fremdartiger Lobhudelei, wie toll sie doch im Sommer an der griechischen Küste Beziehungen abseits von den gesellschaftlichen Erwartungen aufgebaut hätten, geht die alljährliche schwule Exploitations-Sendung zu Ende. Was in Rhodos passiert, bleibt in Rhodos – zurück bleibt buchstäblich nichts.

Kritik von Folge 1: Der Prinz, die Penis-Seife, peinliche Plattitüden und ein Pupser
Kritik von Folge 2: Seestern-Reiten auf der schwulen Klassenfahrt
Kritik von Folge 3: Vor der Pool-Party gibt's ein Penis-Eis für alle
Kritik von Folge 4: Haben Fabian und Sebastian etwa Sex?
Kritik von Folge 5: Sklaven, Tränen, internalisierte Homophobie
Kritik von Folge 6: Massage (fast) mit Happy Ending
Kritik von Folge 7: Flaschendrehen und ganz viel Wodka
Kritik von Folge 8: Die Kandidaten als Karikaturen ihrer selbst
Kritik von Folge 9: Für diesen Mann hat sich Fabian entschieden
Gespräch mit dem Gewinner: Basti und Fabian sind kein Paar mehr

Wann und wo läuft die Show?

Die vierte Staffel von "Prince Charming" kann seit Donnerstag, den 29. September 2022 auf RTL+ gestreamt werden. Jede Woche gibt es für die Abonnent*­innen (ab 4,99 € im Monat) eine neue Episode. Auf Youtube gibt es ein Sneak Peak, in dem die ersten 18 Minuten der Premierenfolge zu sehen sind. Insgesamt zeigt RTL+ neun Folgen plus eine später aufgenommene Wiedersehensfolge. Darin wird der Prince verraten, ob er immer noch mit dem von ihm ausgewählten Mann zusammen ist. Mehr in einem Interview mit Fabian Fuchs.
-w-

#1 Mucci
  • 04.12.2022, 10:02hMünchen
  • Also sorry, jetzt mal ehrlich: Das einzige Konzept solcher Formate ist doch gescripteten Trash unters Volk zu bringen. Je dämlicher, umso besser. Hauptsache es bringt Quote (oder in diesem Fall neue Abonnenten für RTL+). Obwohl ich mittlerweile arg zweifle, ob diese Formate (und Prince Charming im Speziellen) noch die großen Quotenbringer sind.
  • Direktlink »
#2 realityTvAnonym
  • 04.12.2022, 10:15h
  • Reality TV wenn es von innen kennt: Kandidaten werden bewusst maximalem Stress ausgesetzt. Sie werden manipuliert, provoziert, falsch und polarisierend dargestellt. Nichts bringt mehr Quote als ein Nervenzusammenbruch. Entsprechend, suchen die Produzenten meist Kandidaten die erpressbar, psychisch vulnerabel oder im Grunde unsicher sind. z.B. Colton Underwood.
    Oder DSDS: Schlechte Sänger bringen wahrscheinlich mehr Einschaltquote als gute. Das
    Publikum genießt es, jemanden zu sehen sich selbst Überschätzt und dann scheinbar "rechtschaffen" dafür fertig gemacht wird. So kann man sich selbst aufzuwerten und nach unten abzugrenzen. Das die Leute vorher angeheizt werden sich genau so zu verhalten bekommt das Publikum nicht zu sehen.
    Ein eitler Typ den die Leute hassen und fertigmachen können? Gefundenes Fressen, das bringt Quote.
    Diese Kandidaten sind aber alle MENSCHEN und nicht die Publikums-Erwartungen zu denen sie zusammengeschnitten werden.
    "Anstatt seine Bindungsangst offen zu thematisieren, verletzt er weitere Personen in seinem Umfeld."
    Das sind Ferndiagnose und Unterstellungen zu einer unauthentischen Sendung.
    Ja die Tunte ist dem Macho überlegen. Nur: Die Welt besteht aus all den Nuancen, die hier bewusst nicht gezeigt werden.
    Die Kandidaten müssen Verträge unterschreiben die ihnen den Mund verbieten.
  • Direktlink »
#3 PetterAnonym
  • 04.12.2022, 10:18h
  • Vielleicht hat sich das Format einfach totgelaufen...

    Ich finde schwule Sichtbarkeit ja gut, aber mal ganz ehrlich:
    die Leute, die dort mitmachen, sind doch weder repräsentativ noch authentisch. Irgendwelche Schönlinge, die sich nur über ihr Aussehen definieren und oft ziemlich oberflächlich daherkommen.

    Und wenn man dann noch bedenkt, dass solche Formate weitestgehend gescripted werden, dann hat sich halt irgendwann das Konzept selbst überlebt.
  • Direktlink »