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Kooperation mit dem Schwulen Museum

Audiospaziergang erzählt Geschichte der Sexarbeit in Berlin

Unter dem Motto "Wir waren schon immer überall" führen Sexarbeiter*innen mit der kostenlosen "Berlin History App" seit 1. Dezember in zwölf Stationen durch den Bülowkiez der Hauptstadt.


Sex Worker Action Group, Demonstration zum internationalen Hurentag 2022 (Bild: Daniel Paiko)

Als Brennpunkt und Ausgehviertel ist die Gegend über Berlin hinaus bekannt: Eine neue Audioführung erzählt die Geschichte der Sexarbeit rund um die Kurfürstenstraße in der Hauptstadt. "Der Rundgang ist für alle, die an Berlins Geschichte interessiert sind", sagte Caspar Tate, Sexarbeiter und einer der Kuratoren des Projekts des Vereins berlinHistory. Die Führung ist in der kostenlosen "Berlin History App" enthalten und geht durch zwölf Stationen im Bülowkiez.

Die Tour startet mit dem Bau des U-Bahnhofs Bülowstraße in 1885, führt durch die Roaring Twenties, den Nationalsozialismus und die Deportation von Sexarbeiter*innen in Konzentrationslagern, die Aids-Krise und endet mit den Erfahrungen von Sexarbeiter*innen während der Covid-19-Sperren und der Gründung einer Sektion für Sexarbeiter*innen in der Gewerkschaft Freie Arbeiter*innen Union Berlin. Im chronologischen Spaziergang lernt man auch das "Eldorado" kennen, das in den 1920er Jahren ein bekanntes queeres Lokal war.

Ein wichtiger Teil von Berlin

Der Audiowalk – eine Kooperation zwischen Mitglierdern der Sektion für Sexarbeiter*innen der Freien Arbeiter*innen Union Berlin, dem Schwulen Museum und der Berlin History App – stellt Sexarbeit in ihrer gesamten Vielfalt vor und enthält die unterschiedlichen Erfahrungen von Anschaffenden im Laufe der Zeit. In Interviews berichten sie über ihre unterschiedlichen Erfahrungen und Hintergründe, informieren über die Stationen des Audiowalks und entwerfen eine Vision für die Zukunft ihrer Community. Unter dem Hashtag #SxWorkTour können Teilnehmer*innen Fotos von ihrem Rundgang mit der App auf Social Media teileN:


Illustration aus der Broschüre "Job Beruf Arbeit" der Deutsche Hurenbewegung von 1996

"Wir waren schon immer überall", sagen Sexarbeitende und verdeutlichen damit, dass Sexarbeit von Anfang an ein wichtiger Teil von Berlin war und weiterhin ist. Doch trotz der konstanten Allgegenwärtigkeit von Sexarbeiter*innen auf Berlins Straßen und in den Etablissements bleibt ihr Beitrag zur Geschichte der Stadt weitgehend unsichtbar. Der Rundgang "Wir waren schon immer überall. Sexarbeit im Bülowbogen. Ein Audiowalk zur Geschichte Schönebergs" erzählt Schönebergs Geschichte neu als eine Geschichte der Sexarbeit.

Berührungspunkt für die Nachbarn schaffen

"Wir wollten einen Berührungspunkt für die Nachbarn schaffen, die uns sonst nicht hier haben wollen. Auch, weil es in letzter Zeit viel Gewalt gegen uns gab", sagt Emma Pankhurst, die selbst in einem Bordell in der Nachbarschaft arbeitet. Sie heißt nicht wirklich so, sondern nennt sich wie die Frauenrechtlerin aus dem 19. Jahrhundert. Bei der Premiere führt sie kostümiert wie 1880 durch die Stadt.

Der Rundgang zeigt die Gegend, die wegen des Straßenstrichs als hartes Pflaster bekannt ist, von einer anderen Seite und öffnet neue Perspektiven zu einem mit vielen Klischees behafteten Thema. Genaue Zahlen, wie viele Menschen ihr Geld mit Sexarbeit in Berlin oder im Bülowkiez verdienen, gibt es nicht. "Es gibt Schätzungen der Polizei für den Kiez von ungefähr 400 Menschen, die hier auf der Straße arbeiten", erzählt Tate. Laut der Senatsverwaltung für Gesundheit und Gleichstellung sind in Berlin knapp 1.600 Sexarbeiter und Sexarbeiter*innen angemeldet. (cw/dpa)