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Fürstin in Rage

Gloria von Thurn und Taxis: Homosexualität als "tierischer Instinkt"

In der Sendung "Achtung, Reichelt" startet Gloria von Thurn und Taxis eine Schimpftirade gegen die One-Love-Binde und gegen offen lebende Schwule und Lesben.


Zwei Stühle, eine Meinung… (Bild: Screenshot Youtube / Achtung, Reichelt!)

  • 5. Dezember 2022, 13:54h 48 4 Min.

Fürstin Gloria von Thurn und Taxis hat in einem am Freitag veröffentlichten Interview im Youtube-Kanal von Ex-"Bild"-Chef Julian Reichelt die One-Love-Binde scharf kritisiert und Homosexualität als "Sünde" bezeichnet. Schwule und Lesben sollten sich nach dem Willen der Adligen verstecken. Außerdem verharmloste die sich in Rage redende 62-Jährige die Verfolgung von Homosexuellen im Nahen Osten.

Thurn und Taxis leitete das Thema mit den Worten ein, dass ihr von einer Moderatorin gesagt worden sei, dass die Menschen in Katar nicht lieben dürften, wenn sie lieben wollten. "Totaler Quatsch", so die Fürstin dazu. "Im Nahen Osten gibt es genau so viele Schwule wie bei uns. Nur, das sind halt anständige Leute, die aus religiösen Gründen ihr Schlafzimmer und ihre Sexualität etwas diskret behandeln. So wie anständige Leute bei uns auch." In Wirklichkeit steht auf Homosexualität in den meisten Ländern des Nahen Ostens eine langjährige Haftstrafe – in manchen Ländern, auch in Katar, ist sogar die Todesstrafe möglich.

"Aha, der will Sex"

Danach kam die Fürstin auf die One-Love-Binde zu sprechen: "Und wenn schon Armbinde, wenn es unbedingt sein muss, dann würde ich sagen soll derjenige die Armbinde tragen, der unbedingt seine tierischen Instinkte ausleben will, damit man sieht: 'Aha, der will Sex'. Es reicht also nicht Grindr und wie diese ganzen Apps heißen, sondern wenn einer offensiv Sex sucht, dann soll er die Armbinde [tragen]." Mit Blick auf die deutschen Nationalspieler fügte sie an: "Aber man kann doch nicht von unbescholtenen Muttersöhnchen verlangen, dass er einfach 'ne Armbinde [trägt]. Wie sieht denn das aus?"

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"Religiöse Völker behandeln Homosexualität diskret"

Ferner erklärte Thurn und Taxis, man wolle mit der Armbinde "aus einer Sünde eine Tugend machen". "Und das find ich falsch. Religiöse Völker behandeln die Sexualität, die Homosexualität, diskret. Es gibt sie überall, sie wird überall gemacht, aber – wie bei uns auch – das Fleisch ist willig, aber der Geist ist schwach. Aber warum muss das Schlafzimmer jetzt in die Politik getragen werden. Das ist doch nicht chic. Das macht man nicht", so die Fürstin, die ihre eigene heterosexuelle Hochzeit 1980 übrigens öffentlich vermarktete. "Es gibt heute doch die ganzen Apps. Ich versteh gar nicht, warum man die Sexualität auch noch im Fußballclub [auslebt]."

/ GeorgineKellerm
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Die One-Love-Kapitänsbinde war im September vom DFB und mehreren anderen europäischen Fußballverbänden als Kompromiss vorgestellt worden (queer.de berichtete). Der Mannschaftskapitän sollte nicht mehr wie bei der EM mit einer Regenbogenbinde auflaufen, sondern mit einer Binde, die andere Farben und die Aufschrift "One Love" trägt. Sie sollte auch ein Symbol gegen Rassismus und Antisemitismus sein. Zu Beginn der WM hat die FIFA allerdings das Symbol verboten (queer.de berichtete).

Moderator Reichelt lächelte während des Interviews mehrmals zustimmend bei Aussagen der Fürstin. Er hatte das Thema so eingeleitet, dass er die One-Love-Binde in die Nähe des Nationalsozialismus rückte ("Armbinden? Wir haben ja eigentlich gedacht, dass wir als Land das Thema Armbinden hinter uns gelassen hätten").

Thurn und Taxis macht bereits seit Jahren Stimmung gegen queere Menschen. 2008 zweifelte die gläubige Katholikin etwa an der Existenz von Homosexualität (queer.de berichtete). 2018 nannte sie die Ehe für alle ein Werk des Teufels (queer.de berichtete).

Fürstin verbreitet Verschwörungstheorien

Ende September war Fürstin Gloria auch beim queerfeindlichen "Weltkongress der Familien" in Mexiko anwesend. Dort verbreitete sie in einem Podiumsgespräch mit Brian S. Brown Verschwörungstheorien: "Die Familie ist unter Beschuss. Die Regierungen wollen nicht, dass man heiratet, die sind gegen Kinder. Man soll schwul sein, man soll divers sein." Die Regierungen, insbesondere in Europa, würden versuchen, so die Weltbevölkerung zu reduzieren.

Brown ist ein berüchtigter homophober Aktivist aus den USA. Er ist unter anderem Mitgründer und Chef der National Organization for Marriage, deren Ziel es ist, das Ehe-Verbot für Schwule und Lesben wiederherzustellen. (dk)


Gloria von Thurn und Taxis neben Brian Brown in Mexiko (Bild: Screenshot Youtube / International Organization for the Family)

-w-

#1 LindgerdeAnonym
  • 05.12.2022, 15:13h
  • Reichelt, war das nicht der, der die Bildzeitung verlassen musste, weil er seine Sexualität mit Mitarbeiterinnen in ausschweifendem Maße ausgelebt hat?
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#2 ShirKhanAnonym
  • 05.12.2022, 15:27h
  • niemand kann etwas dafür, wie man geboren wird, die einen sind queer, die anderen adlig. Wichtig ist, dass man nicht diskriminiert wird, für etwas, wofür man nichts kann. Das sollten Adlige ganz besoners gut wissen, denn denen wurde während der französischen Revolituion wegen ihrer Herkunft der Kopf abgeschlagen. Also Frau von und zu- seien sie einfach froh, als deutsche in 20-Jahundert geboren worden zu sein. Zudem soll sie das tun, was sie von anderen erwartet: wenn Schwule ihr privates Liebesleben nicht öffetlich zeigen sollen, dann soll sie auch ihre private Meinung für sich behalten.

    und vllt. mal richtig arbeiten, dann muss man nicht durch die Vermarktung der eigenen Person leben ;-)
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#3 AlanAnonym
  • 05.12.2022, 16:29h
  • Warum tut man der Dame eigentlich den Gefallen, sie als "Fürstin Gloria" zu bezeichnen. Ihr amtlicher Name ist Gloria Prinzessin von Thurn und Taxis. Adelstitel sind in Deutschland seit 1919 abgeschafft. Sie selbst möchte natürlich als Fürstin bezeichnet werden, aber dem muss man ja - zumindest bei einer solch homophoben Person - nicht Folge leisten, schon gar nicht in einem queeren Magazin.
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