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Gesetz verabschiedet

Indonesien verbietet außerehelichen Sex – bis zu ein Jahr Haft

Bislang galten Sex außerhalb der heterosexuellen Ehe sowie homosexuelle Beziehungen im größten muslimischen Land der Welt nicht als Straftat – nun stimmte das Parlament für die Kriminalisierung.


Der islamistische Rollback in Indonesien ist seit Jahren im Gange: Demonstration gegen LGBT im November 2018 in Bogor, West Java (Bild: IMAGO / ZUMA Wire)

In Indonesien wird Sex außerhalb der heterosexuellen Ehe künftig per Gesetz verboten und mit bis zu einem Jahr Gefängnis bestraft. Trotz Protesten und Kritik segnete das Parlament in dem südostasiatischen Inselstaat am Dienstag einen entsprechenden Gesetzentwurf (PDF) ab. Menschenrechtler*innen hatten das Abgeordnetenhaus zuvor dringend aufgefordert, die neuen Regeln nicht zu verabschieden, weil sie die Bürgerrechte im größten islamisch geprägten Land der Erde verletzten. Die neue Gesetzgebung soll 2025 in Kraft treten.

"Indonesien will den Weg der rechtsverletzenden Katastrophe einschlagen, indem es außerehelichen Sex unter Strafe stellt", warnte Phil Robertson, stellvertretender Asien-Direktor der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, vor wenigen Tagen auf Twitter.

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Am Montag gingen in mehreren indonesischen Städten Hunderte Menschen auf die Straßen, um gegen das Vorhaben zu protestieren. Bereits 2019 hatte es einen Gesetzesentwurf zu einem neuen Verhaltenskodex inklusive Verbot von Homosexualität gegeben, der nach Massenprotesten aber zunächst von Präsident Joko Widodo gestoppt wurde (queer.de berichtete).

Ermittlungen nur bei Beschwerde von Familienmitglied

Nicht nur Sex unter Unverheirateten wird verboten: Auch dürfen Paare dem Gesetz zufolge nicht mehr vor der Ehe zusammenleben. Bei einem Verstoß drohen sechs Monate Haft. Allerdings nimmt die Polizei nur Ermittlungen auf, wenn ein Familienmitglied eine Beschwerde einreicht. Dieser Punkt gilt als Kompromiss zwischen Liberalen und Konservativen im Parlament.

Bislang galten außerehelicher Sex sowie homosexuelle Beziehungen in Indonesien nicht als Straftat, jedoch wird beides in dem konservativen Land als Tabu betrachtet. Nur in der Provinz Aceh an der Nordwestspitze der Insel Sumatra wird das islamische Rechtssystem der Scharia umgesetzt. Sex außerhalb der Ehe wird dort mit bis zu 100 Stockhieben bestraft. Mehrfach wurden auch bereits Lesben und Schwule öffentlich ausgepeitscht (queer.de berichtete).

Razzien und Festnahmen in der Hauptstadt Jakarta

Auch in anderen Landesteilen Indonesiens hat sich das Klima für sexuelle und geschlechtliche Minderheiten in den letzten Jahren dramatisch verschlechtert. So kam es 2017 in der Hauptstadt Jakarta zu Razzien in Schwulensaunen mit anschließenden Haftstrafen (queer.de berichtete). Im September 2020 wurden 56 Männer bei einer "Gay Party" in einem Hotel festgenommen (queer.de berichtete).

Verantwortlich für die immer ernster werdende Situation ist insbesondere die scharfe Rhetorik vieler Politiker*innen, die mit Homophobie um Unterstützung werben. Sie haben damit Erfolg, da die indonesische Bevölkerung äußerst homosexuellenfeindlich eingestellt ist – so sagen laut Umfragen vier von fünf Bürger*innen, dass sie Schwule und Lesben nicht als Nachbar*innen akzeptieren wollten. (cw/dpa)

Der Text wurde nach Verabschiedung des Gesetzes aktualisiert.

11 Kommentare

#1 MandalorianAnonym
  • 06.12.2022, 07:49h
  • Eine Katastrophe die da ihren Lauf nimmt. Die Verfolgen und Furcht sind auch unterm bisherigen legalen Status groß genug. Selbsternannte Sittenwächter verfolgen die Leute bis in die Schlafzimmer hinein. Die Polizei führt nach Razzien und Verhaftungen die betroffenen oft öffentlichen vor, Namen und Gesichter werden veröffentlicht. In den Kirchen und Moscheen wird Hass gegen Homosexuelle gepredigt. Leute werden erpresst und gejagt.
    Die HIV Rate liegt bei über 50% unter den Schwulen, da keine Aufklärung stattfindet.

    Ich denke dieses Gesetz wird sich nicht lange halten. Wie ein 175 wird es mehr dazu dienen Menschen zu erpressen und auszuplündern als seinem Zweck zu erfüllen. Dies ist ein 175er für die gesamte Gesellschaft. Damit haben sich die Heuchler selbst ins Abseits gebracht. Ich hoffe vom ganzen Herzen, dass sie sich gegenseitig fressen werden, dass ihre Heuchelei in Skandalen aufgedeckt wird und wenn diese gegenseitig Vergewaltigung ein Ende nimmt, sie daraus lernen werden. Dass sie künftig in ihrer Unzufriedenheit, ihrem Neid und ihrer Missgunst nicht irgendwelchen billigen Hetzern hintersteigen
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#2 PeerAnonym
#3 Sukram712Anonym
  • 06.12.2022, 15:59h
  • Und wenn man bedenkt, dass da über 270 Menschen leben, die alle darunter leiden werden ...
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#4 FinalmSposato
  • 06.12.2022, 16:04h
  • Das wird die Spannungen und Unabhängigkeitsbestrebungen auf der hinduistischen Ferieninsel Bali erheblich verschärfen. Vor allem sollen die Bestimmungen auch für Touristen gelten. Damit dürfte der für die Menschen auf Bali lebenswichtige Tourismus zusammen brechen.

    Eine Frage die sich am Rande stellt, gilt das aussereheliche Sexverbot auch für verheiratete schwule und lesbische Paare?

    Egal, unter diesen Umständen würde ich sowieso nie mehr dort hin, obwohl es zumindest vor 20 Jahren dort wunderschön war.
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#5 seb1983
  • 06.12.2022, 17:25h
  • Inzwischen ist es ja etwas ruhiger geworden über den "roll back" hierzulande zu schwadronieren...

    Nach wie vor geben Länder von der Türkei über Russland bis nun Indonesien allerdings mächtig Gas bei dem Thema. Und wo hierzulande oft geklagt wird dass beim Bürger nichts von dem ankommt was Politiker beschließen gibts dort was zum anfassen.

    2022 wird so etwas beschlossen... Fraglich ob es dafür 1922 eine Mehrheit in den meisten Staaten gegeben hätte.
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#6 KeinRollBackAnonym
  • 06.12.2022, 17:53h
  • Antwort auf #5 von seb1983
  • Ein Land in dem weibliche Genitalverstümmelungen gängig ist, Geständnisse unter Gewalteinwirkungen erzwungen werden um Leute zum Tode zu verurteilen, Menschenhandel und Kinderarbeit betrieben wird....

    kann keinen "Roll Back" erleben !

    Und abseits der Sextouristen ( 30%-40% der Prostituierten in Indonesien sind minderjährig ):
    Wer das Land bis jetzt nicht boykottiert hat wird aufgrund dessen bestimmt nicht jetzt damit anfangen
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#7 seb1983
#8 KeinRollBackAnonym
  • 06.12.2022, 18:20h
  • Antwort auf #7 von seb1983
  • Ne, wenn der Bottich erstmal voll ist macht eine Schaufel Scheisse mehr oder weniger auch keinen Unterschied mehr.

    Ist das Gesetz scheisse: Ja, klar, scheisse, unmenschlich und verachtenswert - aber im Vergleich zu gesellschaftlich akzeptierter Verstümmelung, Menschenhandel, Zwangsprostitution Minderjähriger und Todesstrafen ist 1 Jahr Haft ebengenau das: 1 Jahr Haft ! So schlimm das auch ist, es erblasst gegenüber so viel anderem scheiss der da abgeht und den hier weitegsgehend niemanden interessiert. Das macht den Braten nicht fett, dieses Gesetz ist jetzt nicht der Punkt wo irgendein "Roll Back" stattfindet, der ist entweder schon lange im Gange und das hier ein kleiner Part davon oder das Land war noch nicht an einem Punkt an dem ein echter Roll-Back überhaupt möglich gewesen wäre.
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#9 Ith_Anonym
  • 06.12.2022, 19:07h
  • Wundert mich nix dran, der abrahamitische Monotheismus des 21. Jahrhunderts tendiert ja generell ins Barbarische, und im Islam sind sie dem Christentum in der Hinsicht auch noch n gutes Stück voraus bzw. haben den Weg weg von der aberglaubensbegründeten Willkürherrschaft über das Privatleben teils ja nie so wirklich versucht.
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#10 stephan
  • 06.12.2022, 20:09h
  • Wo Religionen herrschen, ist der Rückschritt vorprogrammiert! Solch krasse Rückschritte aber setzen aber schon eine besondere Art religiöser Verblendung voraus!
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