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Jetzt im Kino

Schwuler Sex gegen Waldbrände

Märchen, Musical, Liebesfilm oder Porno? "Irrlicht", der neue Film des portugiesischen Kultregisseurs João Pedro Rodrigues über einen Prinzen, der Feuerwehrmann wird, ist alles zugleich. Und ein wahres queeres Kino-Highlight!


Feuerwehr-Azubi Alfredo und sein Ausbilder Afonso verbindet eine leidenschaftliche Liebe (Bild: Salzgeber)

Wir schreiben das Jahr 2069. Ein erstes Kichern vielleicht, aber ein tragischer Anlass. Denn König Alfredo wird nicht mehr lange leben. Ein Kind spielt an seinem Totenbett mit einem Feuerwehrauto, und das erinnert ihn an seine Jugend.

Damals, nicht König, sondern Prinz, wollte er Feuerwehrmann werden, wie so viele Jungs. Seine Mutter fand das "republikanisch", doch Alfredo (jetzt Mauro Costa) setzte sich durch. Seine Motivation: die brennenden Wälder seiner portugiesischen Heimat. "You have stolen my dreams", zitiert er Greta Thunberg – und klagt seine Eltern an.

Sex im abgebrannten Wald


Poster zum Film: "Irrlicht" startet am 8. Dezember 2022 im Kino

Doch bei der Feuerwehr werden nicht nur Brände gelöscht. Sein Ausbilder Afonso (André Cabral) entfacht auf Anhieb ein heißes Begehren im Prinzen. Und er kann es auch sogleich stillen. Die eher nackten als halbnackten Feuerwehrmänner stellen Kunstwerke nach, um daraus einen Kalender zu machen. Doch der gebildete Prinz erkennt weder Caravaggios "Blowjob des Feuerwehrmanns" noch "Mr. Fireman, Send me a Dream" von Francis Bacon.

Die wichtigste Lektion in der Ausbildung verwandelt sich in einen Balztanz: Die Wiederbelebung inklusive Mund-zu-Mund-Beatmung bringt die beiden so richtig näher, und schneller als gedacht landen sie nackt in einem abgebrannten Wald: 69 gegen den Klimawandel.

Seinen neuen Film nennt João Pedro Rodrigues eine "musikalische Fantasie": Die Feuerwehrleute führen eine ausgeklügelte Inszenierung auf, singen und tanzen. Doch der portugiesische Filmemacher bedient sich geschickt an vielen weiteren Genres, macht "Irrlicht" zu einem Märchen, verleiht ihm etwas Fantastisches – und garniert das alles mit sehr, sehr viel nackter Haut und steifen Penissen. Kein klassisches Erzählkino, sondern Film gewordene Queerness.

Alberne Fassade, ernste Themen

Dafür gönnt er sich eine relativ lange Exposition – wo "Irrlicht" ohnehin nur knapp über eine Stunde lang ist, hätte die durchaus straffer sein dürfen. Um dem wilden, aufregenden Treiben noch mehr Platz einzuräumen, und damit auch den Themen, die der Film fast beiläufig hinter seiner albernen Fassade verhandelt: Klimaschutz und Kolonialismus – der Ausbilder Afonso ist schwarz, seine Familie gehörte zu den Kolonialisierten.

"Irrlicht" wird so zu einem ganz leichten, durch und durch queeren und ironischen Stück Filmkunst. In seiner Unverwechselbarkeit hat João Pedro Rodrigues ein echtes Highlight des Kinojahres geschaffen.

Infos zum Film

Irrlicht. Drama. Portugal, Frankreich 2022. Regie; João Pedro Rodrigues. Cast: Mauro Costa, André Cabral, Margarida Vila-Nova. Miguel Loureiro, Joel Branco, Oceano Cruz. Laufzeit: 67 Minuten. Sprache: portugiesische Originalfassung mit deutschen Untertiteln. FSK 16. Verleih: Salzgeber. Kinostart: 8. Dezember 2022
Galerie:
Irrlicht
10 Bilder