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Kommentar

Uns selbst als Lesben zu bezeichnen, ist ein Akt des Widerstands

Auch in der Community hören wir, dass wir in erster Linie Menschen seien und auf Labels verzichten sollten. Élisabeth Chevillet findet diese Forderung kontraproduktiv. Die Vermeidung von Labels kann ein Privileg sein.


Stolz im "Dyke"-Shirt: Élisabeth Chevillet ist eine französische lesbische Aktivistin

Neulich sagte meine Freundin Nadine, sie sei begeistert, dass ich wie sie eine Liebhaberin von Labels sei. Sie meinte es als Kompliment, aber ich fühlte mich wie eine Hochstaplerin. Eine Liebhaberin von Labels? So habe ich mich nie gesehen.

Zuerst hatte ich gemischte Gefühle, weil ich es nicht mag, Menschen in Schubladen zu stecken, die sie erdrücken. Aber dann habe ich es verstanden. Meine Freundin meinte die Art, wie ich mich selbst bezeichne. Sie meinte, dass ich von den Dächern schreie, dass ich lesbisch bin.

Labels sind überall

Für mich geht es bei Labels darum, eine Waffe in ein Werkzeug zu verwandeln. Es geht darum, einer Beleidigung entgegenzutreten, indem ich mir meine Geschichte zu eigen mache. Es geht um Ermächtigung. Du willst mich eine Lesbe nennen? Nur zu!

Wenn du es liebst, lesbisch zu sein, macht dich das nicht automatisch zu einer Label-Liebhaberin. Für mich geht es nicht um Liebe, es geht um Pragmatismus. Labels sind überall, ob es mir gefällt oder nicht, also lebe ich besser mit ihnen.

Die Leute haben die Nase voll von Labels

In letzter Zeit haben die Menschen um mich herum keine Lust mehr auf Labels. Sie glauben, dass wir in erster Linie Menschen sind. Sie glauben, wir sind ganzheitliche Wesen mit einer universellen gemeinsamen Basis. Sie glauben, dass wir komplex sind und uns ständig verändern und dass Labels gefährlich einschränkend sind. Sie sind der Meinung, dass wir einander lieben sollten, anstatt uns zu labeln. Und ich denke, sie haben recht.

Natürlich haben sie recht. Wir sollten unsere Unterschiede annehmen. Wir sollten die Vielfalt in unserer Gesellschaft als Stärke und nicht als Schwäche betrachten. Wir sollten alle gleich behandeln, um menschlichen Frieden zu erreichen. Natürlich sollten wir das alles tun – aber wir sind noch nicht am Ziel.

Labels zu vermeiden ist ein Privileg

Während einige von uns damit beschäftigt sind, sich die perfekte Welt ohne Schubladen vorzustellen, sterben Menschen. George Floyd ist tot. Marielle Franco ist tot. Dinah Gonthier ist tot. Malte ist tot. Wenn wir uns eine andere Welt vorstellen, müssen wir uns auch mit der Realität auseinandersetzen.

Im Moment ist es so, dass die Vermeidung von Labels ein Privileg ist. Als weißer Mensch kann ich mich dafür entscheiden, über die Tatsache nachzudenken, dass andere Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe anders behandelt werden. Und ich kann mich entscheiden, wegzuschauen – das ist ein großes Privileg. Für mich ist Antirassismus eine Wahl. Für Schwarze, Indigene und People of Color (BIPOC) ist es eine Notwendigkeit.

Das Gleiche gilt für Lesben und jede andere Randgruppe. Ich denke, dass die Konzeptualisierung des Lesbischseins und damit die Bezeichnung als Lesben notwendig sind, um Lesbenfeindlichkeit zu bekämpfen. Deshalb sind unsere individuellen Existenzen hochpolitisch.

Uns selbst als Lesben zu bezeichnen, ist ein Akt des Widerstands.

Unsere Identitäten zurückgewinnen

Leider führt die Vermeidung von Labels nicht dazu, dass die Schubladen in unseren Köpfen verschwinden. Wenn du einer marginalisierten Gemeinschaft angehörst, spielt es keine Rolle, ob du dir selbst ein Label zuschreibst oder nicht, denn wenn nicht, wird es jemand für dich tun. Die Mainstream-Gesellschaft wird dich daran erinnern, wo du hingehörst.

Andere werden dich daran erinnern, dass du eine Frau bist, dass du eine Lesbe bist, dass du eine BIPOC-Person bist, dass du trans bist, dass du fett bist, dass du arm bist, dass du eine Person mit Behinderung bist, dass du alt bist und dass du krank bist.

Diese Erinnerungen zielen darauf ab, dich zum Schweigen zu bringen, weil du anders bist. Wäre es also nicht besser, dich auf deine Identität zu besinnen und dir Gehör zu verschaffen? Vielleicht merkst du dann, dass es sich einfach toll anfühlt, dein eigenes Narrativ zu bestimmen.

Dich deiner Privilegien bewusst werden

Labels sind Waffen und Werkzeuge: Sie können höllisch wehtun, aber sie sind auch äußerst nützlich. Neben dem Faktor der Selbstermächtigung können sie uns helfen, sich über unsere Privilegien bewusst zu werden und das damit verbundene Unbehagen zu spüren, uns einzufühlen und bessere Verbündete zu sein.

Ich bin cis, ich bin weiß, ich bin schlank, ich habe einen nicht beeinträchtigten Körper und komme aus der Mittelschicht. Mit anderen Worten, ich bin sehr privilegiert – während Menschen, die nicht zu diesen Kategorien gehören, oft diskriminiert werden. Und um Diskriminierung zu bekämpfen, sind Identitätsbezeichnungen notwendig.

Sieh dir Frankreich an. Wir geben vor, farbenblind zu sein. Wir geben vor, dass weiße Menschen und BIPOC-Personen gleichbehandelt werden. Als französische Bürger*innen sollen wir unter einer einzigen nationalen Identität vereint sein, unabhängig von unserem Herkunftsland und unseren Vorfahren. Infolgedessen werden Hintergrundinformationen über Personen aus den Datenbanken ausgeschlossen. Die französische Farbenblindheit ist offensichtlich eine Lüge. Sie beseitigt den Rassismus nicht und macht es auch unmöglich, ihn zu verfolgen. Frankreich braucht eigentlich Identitätsinformationen – und damit auch Labels -, um den systemischen Rassismus zu bekämpfen.

Eine Lesbe zu sein ist ein Segen

Bin ich also eine Label-Liebhaberin? Ich denke, das spielt keine Rolle. Aber ich liebe es, mich als Lesbe zu bezeichnen. Und zwar aus folgendem Grund: Vor langer Zeit war mein Lesbischsein unter Scham begraben. Ich hatte Todesangst davor, nicht als normal angesehen zu werden. Ich wurde bedroht, verprügelt zu werden, weil ich ein anderes Mädchen liebte. Ich habe Abscheu in den Gesichtern der Menschen gesehen.

Diese Zeit ist vorbei. Was früher ein Schimpfwort war, ist heute mein größter Stolz. Für mich ist "Lesbe" die Bezeichnung, die unsere Gemeinschaft zusammenbringt. Es ist das sichere Wort, das mich mit meinen lesbischen Schwestern und Geliebten verbindet.

Für mich ist es ein Segen, eine Lesbe zu sein. Danke Gott, dass du mich lesbisch gemacht hast.

29 Kommentare

#1 VestigeAnonym
  • 10.12.2022, 05:59h
  • Daß das Vermeiden von labels ein Privileg ist, stimmt. Als - ironischerweise - lesbische trans Frau mit ziemlich haarsträubender Lebensgeschichte weiß ich das nur allzu genau.

    Nur daß die Existenz von verTERFten Lesbenszenen eine der existenzbedrohenden und lebensgefährlichen Faktoren meines extrem prekarisierten Lebens ist. Selbst wenn ich nicht direkt angegriffen und verfolgt werde, was ich nur vermeiden kann, indem ich als 'lesbisch' etikettierte Räume und Veranstaltungen meide, bin ich von wichtigen Lebensressourcen abgeschnitten, habe keine Anlaufstellen, und eigentlich wichtige Aspekte meines Lebens wie nicht zuletzt das Lesbisch-Sein liegen tot auf Eis.

    Es stimmt zwar, daß auch prvilegierte weiße cis Lesben zB in Deutschland nach wie vor eine Minderheit sind, die auch staatlicher Diskriminierung ausgesetzt ist. Aber was ist mit der jahrzehntelangen Mittäterschaft am von der cis Lesbe Janice Raymond 1979 ausgerufenen Genozid an trans Frauen (to ...mandate this phenomenon out of existence)?

    Nichts ist damit, das wird sich nie ändern. Das Opfer-Narrativ des White Feminism, dasjenige der TERFs, ist ja auch all die vielen Jahre das Hauptnarrativ der Lesbenszenen gewesen und wird es auch immer sein. Es ist zu attraktiv, zu schön einfach, zu tief eingeschrieben, und sein leicht erkennbarer Rechtsdrall trifft ja nur diejenigen, für die Rassismus, Antisemitismus und trans Haß als Gewalt manifestieren.

    Ja, richtig, Malte ist tot, und Ella Nik Bayan wird noch auf dem Friedhof attackiert. Wer hat den Haß geschürt, wer hat den stochastischen Terrorismus betrieben?

    Queer de hat herausragend über das Lesbische Frühlingstreffen (LFT) 2021 berichtet. Das ist nach wie vor lesenswert.
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#2 SchonProfil
  • 10.12.2022, 06:51hFürth
  • Ich bin Lesbe. Bin ich stolz drauf? Nö, ich bin es einfach, verstecke mich aber auch nicht. Weder online in Foren noch im echten Leben. Ich lebe seit über 30 Jahren offen und am Mittagstisch oder bei der Arbeit, wenn andere ihre Frau/Familie erwähnen, tue ich das auch und es ist nichts Besonderes. Ich trage auch Queer-Tshirts. Ich bin sichtbar und das ist gut so.
    Was das angesprochene Thema LFT und TERFS (TURFs gefällt mir besser) an geht, es gibt leider auch unter Lesben dumme und hasserfüllte Menschen. Die meide ich auch - man muss sich nicht alles antun.
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#3 TribadeProfil
  • 10.12.2022, 10:55hHannover
  • Antwort auf #1 von Vestige
  • Ich bin gerade einfach nur sprachlos wegen des trans-misogynen Hasses dir gegenüber und du hast meine volle Solidarität! Ich war zwei Jahre hier in Hannover im Orga-Team vom Dyke* March und vor allem auch gegen diesen Ausschluss und diese Feindseligkeit gegenüber trans Lesben und Frauen positioniert sich unser Team, aber auch alle anderen Städte im Dyke* March Germany-Netzwerk klar und deutlich. Yours in struggle!
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#4 PetterAnonym
  • 10.12.2022, 11:50h
  • Ich weiß zwar nicht, was das mit Widerstand zu tun haben soll, aber selbstverständlich können sich lesbische Frauen als "lesbisch" oder "Lesbe" bezeichnen.

    Ich bin ja auch schwul und nenne mich nicht queer oder so (und jetzt bitte nicht wieder dieselbe Diskussion, die wir vor ein paar Tagen schon mal hatten, sondern akzeptiert einfach, dass jeder selbst am besten weiß, wie er sich identifiziert).

    Das ist für mich auch keineswegs eine Schublade oder so, sondern schlichtweg Selbstbezeichnung dessen, was man nun mal ist. Wenn jemand diese Selbstbezeichnung nicht möchte, kann er sie auch gerne ablehnen oder eine andere Bezeichnung nehmen. Aber ich nenne mich nun mal schwul.

    Und natürlich sind auch Schwule, Lesben, etc. Menschen. Das eine schließt das andere nicht aus. Deswegen finde ich ähnlich wie Frau Chevillet Sätze wie "Ich bin nicht schwul/lesbisch, sondern ein Mensch." auch völlig falsch.
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#5 VestigeAnonym
  • 10.12.2022, 12:20h
  • Antwort auf #3 von Tribade
  • Dankeschön! Das tut wirklich gut, das zu lesen.

    Ich habe mich über die Berichte aus diesem Jahr gefreut, aus Köln, Berlin und Hamburg von den Dyke*Marches, wie sie TERF-Trupps verjagt und sich vor allem die Jüngeren schützend um die trans Frauen gruppiert haben!

    Aber das ist vöiig neu - zumindest für mich, und ich bin * hust* ein bißchen über 50. Noch im vergangenen Jahr in Berlin, nach dem LFT, der Intervention der Hirschfeld-Stiftung und all den Distanzierungen war die Strecke des Berliner Dyke*March gepflastert mit TERF-Stickern, die niemand abriß, Julia Beck, Moderatorin des LFT und vormals Gast-Star in der Tucker Carlson Show (Fox News) fungierte als Ballkönigin, und währenddessen warb ein sehr bekanntes Lesbenmagazin im Veranstaltungsteil für die nächste Haß-Veranstaltung des 'LAZ reloaded xx'.

    Du verstehst vielleicht, daß ich die derzeitige Situation für schwierig, für trans Frauen gefährlich und für mich persönlich undurchsichtig halte! Ich weiß sehr wohl, daß es cis Lesben gibt, die gegen die seit Jahrzehnten etablierte TERFerei in den Lesbenszenen sind - nur: wer ist das, wie viele seid ihr, wie sieht es aus mit Umsetzung und Durchsetzung? Ich kann mir das nicht selbst ansehen, weil die TERFs überall Zugang haben, vielfach Alteingesessene sind, genau wissen, daß sie tun & lassen können, was sie wollen, und buchstäblich jede cis Lesbe TERFs in ihrem persönlichen Umfeld haben kann, was jeden (!) Kontakt für mich gefährlich macht.

    Ich gebe gern zu, daß mir das tiefe Mißtrauen in den Knochen sitzt, was erfahrungsbedingt ist und mit umfaßt, daß TERFs auch in den Queerszenen ihr Wesen treiben und sich dort bewegen wie die Fische im Wasser, sodaß ich mehr als einmal den Eindruck hatte, daß gewaltaffine Transmisogynie das einzige verbindende Element all der Regenbogen-Szenen ist!

    Leider habe ich nicht noch ein paar Jahrzehnte Zeit, mir anzuschauen, wie es jetzt weitergeht, was ich seit diesem Jahr spannend finde - aber anschauen werde ich mir das wohl, so lange ich kann, über meinen kleinen Phone-Monitor, und lieber nicht aus unmittelbarer Nähe ...
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#6 PeerAnonym
  • 10.12.2022, 12:32h
  • Das ist gerade das schöne:
    jeder kann für sich selbst am besten entscheiden, als was man sich selbst identifiziert und wie man sich selbst bezeichnet.

    Genauso wie wir uns dagegen verwahren, dass Heteros uns das vorschreiben, sollten wir das auch unter uns akzeptieren.

    Und lesbisch und schwul sind ja wahrlich keine außergewöhnlichen Bezeichnungen.

    Ob man jetzt auf seine sexuelle Orientierung "stolz" ist, sei dahingestellt. Ich bin zwar froh, schwul zu sein, weil ich das toll finde, aber stolz ist das falsche Wort - zumindest für mich. Und wenn ein Hetero sagen würde, er sei stolz darauf, hetero zu sein, würden wir das vielleicht auch homophob finden. Aber wenn sie das so empfindet, finde ich auch das OK.
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#7 TransemitStilAnonym
  • 10.12.2022, 13:46h
  • Je mehr man ein "Label" mit Freude, Stolz und vielleicht auch Trotz benutzt und besetzt, desto mehr kann es sich auch in etwas Positives wandeln.
    "Gay" und "queer" waren mal Schimpfworte. Heute sind sie wesentlich positiver besetzt, weil Leute voller Überzeugung gesagt haben: "I'm gay, and I'm proud."
    Man muss nicht stolz darauf sein, denn man ist es ja nur zufällig, aber es gibt einem ein besseres Gefühl.
    Ich bezeichne mich selbst (ironisch-trotzig) als "Transe". Sicher. damit war mal was anderes gemeint, und es war ein Schimpfwort, aber ich habe es mir gekapert. Und mir gefällt es immer besser.
    Das Deutsche bietet für uns ja fast nur Wörter, die einmal negativ besetzt waren - oder es noch immer sind. Es liegt an uns, schwul, lesbisch, Tunten, Transen ... zu etwas Schönem zu machen.
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#8 Ith_Anonym
  • 10.12.2022, 14:10h
  • "Ich bin cis, ich bin weiß, ich bin schlank, ich habe einen nicht beeinträchtigten Körper und komme aus der Mittelschicht."

    Und jetzt kannst du zur Vermeidung der Wahrnehmung dieser Privilegien einfach "queer" an dein Profil schreiben und dich zu einem trans*-Thema äußern, und die Leute werden erstmal davon ausgehen, dass du das als betroffene Person tust, während du gleichzeitig aber überraschend verständlich argumentierst, denn das internalisierte Weltbild mit Folgen für die Perspektive bleibt ja schließlich.

    Danke für den Beitrag. Das System des Label-Verwischens durch den Oberbegriff "queer" vermisse ich allerdings. Letzten Endes ist das insbesondere innerhalb der LGBT*IQA auch nichts anderes als das "bitte keine Labels".
    Schreibe fünfzig Artikel, bei denen in der Überschrift von "queeren" Menschen die Rede ist, und Leser*innen werden viel Arbeit investieren müssen, um herauszufinden, wie oft es dabei um cis-Schwule, um cis-Lesben oder doch mal einen trans-Mann ging, statt in der Vorschau schon zu sehen, dass es mal wieder zu 100% um cis-Homosexuelle geht (und davon der Großteil oder alle male-privileged). Schreib "queere Person" an ein Interview und verzichte auf konkrete Fragen zu Privilegien, und Leser*innen dürfen selbst extern nachrecherchieren, ob sie den Fakt "mit 12 Jahren Catcalling erlebt, mit 13 für die erste Mens geshamed und auch sonst mit Sexismus aufgewachsen" mit der Person gemeinsam haben oder nicht.

    In der Hetero-Presse wird dann halt auch das "queer" noch weggelassen, da ist Person dann "Mensch", und du erfährst überhaupt gar nicht mehr, dass das Ziel eines Übergriffs schwul, lesbisch, trans oder inter war. Nichtmal durch Überbegriff als Hinweis auf das Motiv "Hass gegen Minderheit".
    Und am Ende vollzieht man die elegante Pirouette der Täter-Opfer-Umkehr und wirft mir vor, nachzufragen, denn schließlich schade ich ja aktiv der Emanzipation, wenn ich jetzt einfordere, dass der schwule Verprügelte nicht in erster Linie ein Mensch wie jeder andere sei.
    Ich habe nichtmal mehr Wut dafür, es ist zu normal. Aber darauf hingewiesen fühle ich gerade ein bisschen, wie viel in mir gestorben ist an Glaube, Hoffnung, Kraft, Energie, Selbstwertgefühl, Menschlichkeit auf dem Weg dahin, von daher ist das akut gerade irgendwie schon schmerzhaft, drüber nachzudenken. Was man mir alles wegnehmen und wie sehr man meine Seele verstümmeln musste.
    Aber sie tun es ja, und sie sind mehr, und alles, was sie tun werden, ist dich mit Worten einlullen, die dich zum Täter machen, wenn du protestierst. Schließlich sind sie alle Allies und auf deiner Seite und du bist einfach nur egozentrisch und verdorben und selbstüberhöht, wenn du hingehst und an ihren schönen Worten zweifelst, bloß weil diese Worte jetzt seit 10+ Jahren jedes einzeln Mal gelogen waren.

    Irgendwie wissen sie, dass Labels Waffen sind. Deswegen musst du gnadenlos zerstört werden, wenn du sie benutzt. Am Ende gehen noch Leute hin, die genausowenig wert sind wie du, und tun das ebenfalls, und das kann natürlich kein privilegierter Mensch, dem noch was an den eigenen Vorrechten liegt, wollen.
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#9 Two SpiritsAnonym
  • 10.12.2022, 20:05h
  • Da ich eine Transperson bin, die Post OP weiblich ist und sich im Leben Bisexuell bewegt. Ah! ja auch ein Label. Na! und. Bisher hatte keine Positiven Kontakte zu Frauen gehabt. Deshalb habe ich für mich entschieden auch solche Kontakte nicht anzustreben, weil solche Anstrengungen kaum von Erfolg gekrönt waren. Bei Männern ist das anders aber da habe ich immer ein Gefühl von Neuland zu sein. Das ist für mich im gewissen Sinne eine Abwertung meines Seins. Eine Beziehung strebe ich im Grunde nicht an nur eine lockere Freundschaft, denn mir wurde schon eine Beziehungsfähigkeit abgesprochen. Das habe ich halt aus meiner Pre-Op Vergangenheit mitgenommen. Ich bin also etwas Komplizierter.
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#10 PrideProfil
  • 10.12.2022, 20:37h...
  • Liest sich ziemlich altbacken. Mit "schwul" wurd' das so ja auch nichts. Jetzt ist "man" geburtsschwul. Ganz im Sinne von Heterosexist/innen. Die brauchen dann damit, wie schon fast immer, wirklich nichts mehr mit zu tun zu haben.
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