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Weiterer Erfolg in der Karibik
Barbados schafft Homo-Verbot ab
Ein weiterer Karibikstaat trennt sich von einem homophoben Überbleibsel aus der Kolonialzeit.

Der Mount-Gay-Rum, der älteste Rum der Welt, gehört zu den größten Exportschlagern aus Barbados – jetzt wird das Land auch freundlicher zu menschlichen Gays (Bild: Mount Gay Distilleries Ltd.)
- 14. Dezember 2022, 09:10h - 2 Min.
Der oberste Gerichtshof von Barbados hat am Montag das Verbot von gleichgeschlechtlichem Sex als verfassungswidrig abgeschafft. Der High Court teilte sein Urteil mündlich mit, eine ausführliche schriftliche Erklärung ist für Januar angekündigt worden.
Bislang konnte laut dem Gesetz auf gleichgeschlechtliches Verhalten bis zu lebenslange Haft verhängt werden. Das auf die britischen Kolonialherren zurückgehende Gesetz wurde zuletzt zwar nur noch selten angewandt. Laut Menschenrechtsaktivist*innen stempelte das Verbot aber Homosexuelle und auch trans Personen pauschal zu Bürger*innen zweiter Klasse ab. Es sei als Vorwand genutzt worden, queere Menschen im Arbeitsleben oder beim Zugang zu Dienstleistungen zu diskriminieren. Außerdem werde Gewalt gegen Homosexuelle und trans Menschen gerechtfertigt.
"Die Entscheidung macht der gesamten Bevölkerung klar, dass Privatbeziehungen von Menschen den Gesetzgeber nichts angehen", erklärte Téa Braun von der LGBTI-Organisation Human Dignity Trust gegenüber der Nachrichtenagentur AP.
Einspruch der Regierung möglich
Die Regierung von Barbados kann noch gegen das Urteil Einspruch erheben. Die sozialdemokratische Premierministerin Mia Mottley gilt aber als relativ LGBTI-freundlich und hatte sich in der Vergangenheit für die Legalisierung gleichgeschlechtlicher Beziehungen ausgesprochen. Bei ihrer Wahl 2018 hatten Gegner*innen Homo-Gerüchte gegen die Politikerin gestreut, um sie zu diskreditieren.
Im christlich geprägten Barbados wurde über die Legalisierung von Homosexualität oft mit Verweis auf den Glauben gesprochen. Für die Aufhebung des Gesetzes haben sich sowohl die anglikanische als auch die katholische Kirche eingesetzt. Sie stellten aber gleichzeitig klar, dass sie die Gleichbehandlung von Schwulen und Lesben im Ehe-Recht ablehnten. Mehrere evangelische Gruppen wollten das Gesetz jedoch beibehalten. In Barbados gehören rund ein Fünftel der Bevölkerung der queerfeindlichen Pfingstbewegung an.
Mit der Entscheidung des High Court setzt sich ein positiver Trend in den Karibikstaaten fort: Dieses Jahr haben bereits St. Kitts und Nevis sowie Antigua und Barbuda ihre Verbote von Homosexualität abgeschafft. Mehrere andere Staaten, etwa Jamaika, halten aber bislang an den homophoben Gesetzen fest.
Barbados liegt nordöstlich von Venezuela und ist ungefähr so groß wie die Stadt Köln. Im Land leben knapp 300.000 Menschen. 1966 erlangte Barbados seine Unabhängigkeit von Großbritannien und führte das von den Kolonialherren eingeführte "Buggery"-Gesetz fort. Das Vereinigte Königreich schaffte sein Homo-Verbot zwischen 1967 (England/Wales) und 1982 (Nordirland) ab. (dk)













