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Heimkino

So langweilig kann eine lesbische Dreierbeziehung sein

Die kolumbianische Filmemacherin Ruth Cadeli erzählt in ihrem autofiktionalen Liebesdrama "Petit Mal" von einer Ménage-à-trois zwischen drei Frauen und greift dafür auf ihre eigene Beziehung zurück.


In "Petit Mal" wird die Beziehung dreier sich liebender Frauen auf eine harte Probe gestellt (Bild: Pro-Fun Media)

Die Ménage-à-trois ist im Kino immer noch eine Seltenheit. Noch rarer gesät sind Filme, die polyamouröse Beziehungen angemessen ergründen, ihre Protagonist*innen ernst nehmen. Blickt man auf die Erscheinungen aus den letzten Jahren, gehört "Professor Marston & The Wonder Women" über den Schöpfer der Superheldin "Wonder Woman" und seine beiden Partnerinnen zu den wenigen gelungenen Ausnahmen.

Entsprechend groß sind die Hoffnungen, die sich auf einen jeden Neustart richten, der sich eine Dreierbeziehung zum Thema nimmt. Im Fall von "Petit Mal" sind sie umso größer, da im Zentrum eine filmisch nahezu unbeleuchtete Konstellation steht: Der Film der kolumbianischen Regisseurin und Drehbuchautorin Ruth Cadeli dreht sich um eine Partnerschaft zwischen drei Frauen.

Allein aufgrund dieser Sonderstellung macht der Film neugierig. Wie organisieren sie wohl ihr alltägliches Zusammenleben? Welche Dynamiken gibt es zwischen den Dreien? Welche Rolle spielt womöglich Eifersucht? Und wie gehen sie mit Sex um? Unmittelbar aufkommende Fragen wie diese wecken von Anfang an ein gewisses Interesse, das sich Filme mit konventionelleren Themen mitunter erst mühsam aufbauen müssen.

Ungelenke Eröffnungsszene


Poster zum Film: "Petit Mal" ist am 9. Dezember 2022 als Video on demand erschienen

Es ist nicht leicht, eine solche Neugier binnen der ersten zehn Spielminuten gänzlich abzutöten und sich damit jeden Vorteil, der sich aus besagtem Seltenheitsstatus ergibt, zunichtezumachen. "Petit Mal" (Amazon-Affiliate-Link ) schafft es trotzdem, und lässt das Ganze auch noch leicht aussehen. Schon die Eröffnungsszene wirkt ausladend ungelenk: Die drei Frauen sind beim Kochen zu sehen, und alles, was sich dabei zwischen ihnen abspielt, scheint seltsam unbeholfen.

Laia (gespielt von Filmemacherin Caudeli) stellt sich schnell als die Tonangebende heraus, kommentiert das Geschehen hauptsächlich, während Martina (Silvia Varón) und Anto (Ana María Otálora) den Großteil der Arbeit übernehmen. Zwischenzeitlich wird sich verstohlen in die Wange gekniffen, es werden "Küsschen" ausgetauscht, wobei es lautstarke "Schmatzer" besser beschreiben. Die drei Frauen erwecken – wider die Tatsache, dass sie bereits zusammenwohnen – den Eindruck, sich erst kürzlich kennengelernt zu haben.

Dass kurz darauf eine Schlafzimmer-Szene folgt, die ganz entschieden keinen Sex zeigen zu wollen scheint, ist durchaus nachvollziehbar. Schließlich werden Dreierbeziehungen in der allgemeinen Wahrnehmung einzig auf diesen reduziert und exotisiert. Aber mussten es wirklich Onesie-Teddybär-Schlafanzüge sein – in dreifacher Ausführung?

Blähungen im geteilten Bett

Muss Laia dabei gezeigt werden, wie sie ihre Blähungen im geteilten Bett loslässt? Und müssen Martina und Anto darüber zunächst wie zwei Halbwüchsige kichern, nur um anschließend in Melancholie zu verfallen, weil sie selbst die Flatulenzen ihrer Geliebten vermissen werden, wenn sie bald für einen Arbeitsauftrag an einem Filmset einige Monate fort sein wird?

Dass "Petit Mal" seine Protagonistinnen unnötig infantilisiert, kann man dem Liebesdrama nur bedingt zum Vorwurf machen. Schließlich eröffnet es mit dem Hinweis, dass es sich um "reale Fiktion" handelt. Dass Caudeli, Varón und Otálora auch im wahren Leben ein Paar sind, ist angesichts der kaum spürbaren Chemie zwar schwer nachvollziehbar, der Umgang der drei Frauen miteinander aber offenbar einigermaßen authentisch inszeniert, nicht kindlich dramatisiert.

Autofiktionales ohne Unterhaltungswert

Was man dem Film aber durchaus anlasten kann, ist die Tatsache, dass er auf Autofiktionales zurückgreift, das keinen Unterhaltungswert bietet. Der Großteil der Handlung dreht sich darum, wie Martina und Anto mit der Abwesenheit Laias umgehen. Und auch das gestaltet sich erstaunlich kindlich-unbeholfen. Während Martina sich zunächst noch in ihr eigenes Doku-Projekt stürzt, verfällt Anto quasi unmittelbar in Weinerlichkeit.

Wenig später werden beide Frauen ihre Zeit hauptsächlich damit verbringen, ihrer Partnerin hinterher zu telefonieren, Pakete für sie zu schnüren und in Erinnerungen zu schwelgen. Ganz so, als besäßen sie ohne Laia keinen eigenen Lebensinhalt, als wären sie ohne sie schlicht aufgeschmissen. Diese Dynamik filmisch abzubilden, hat selbstredend durchaus seine Berechtigung – würde es nur nicht so monoton erzählt, wäre das ständige Lamento (bis auf eine gewisse emanzipierende Entwicklung) nicht das Einzige, das "Petit Mal" abbildet.

Dass sich die Protagonist*innen noch dazu hauptsächlich in einem riesigen Haus samt weitläufigem Anwesen bewegen, lässt das Gezeter wie ein auf ärgerliche Weise bourgeoises Luxusproblem einer gelangweilten Bohème erscheinen. Auch des Eindrucks, dass es sich bei "Petit Mal" zumindest ein stückweit um ein Ego-Projekt Caudelis handelt, kann sich der Film nicht erwehren: Sobald sie abreist, wechselt das Bild schließlich in Schwarz-Weiß, was man schwer anders denn als Kommentar darauf deuten kann, dass das Leben ihrer Partnerinnen ohne sie "farblos" ist. Warum man sich dieser Ménage-à-Trostlos beinahe 90 Minuten widmen sollte? Man sollte es nicht.

Infos zum Film

Petit Mal. Drama. Kolumbien 2022. Regie: Ruth Cadeli. Cast: Ruth Cadeli, Silvia Varón, Ana María Otálora. Laufzeit: 89 Minuten. Sprache: spanische Originalfassung. Untertitel: Deutsch (optional). FSK 12. Pro-Fun Media. Seit 9. Dezember 2022 als Video on demand.

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-w-

#1 QueerfanAnonym
  • 18.12.2022, 11:39h
  • SEHR GUTER BEITRAG. BIN MAL WIEDER BEGEISTERT. MACHT WEITER SO
  • Direktlink »