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Kinostart

Wenn schwule Rugbyspieler fremdgehen

Verletzte Gefühle in Überlänge: Im britischen Drama "Seitenspiel" haben zwei Mitglieder eines queeren Rugbyteams eine heimliche Affäre, obwohl beide in festen Beziehungen stecken.


Mark (Alexander Lincoln) und (Warren Alexander King) landen nach einer alkoholreichen Nacht zusammen im Bett (Bild: Cinemien Deutschland)

"Man of the match, nicht schlecht! Ich bin Warren." Sich in Zeitlupe im Matsch ringende Sportler, der Fokus auf den Spielball, eine in der Luft liegende kollektive Aggression dem Gegner gegenüber. Das erste Match der Saison liegt zurück, bei dem das schwule Rugby-Team als Verlierer vom Platz geht. Der für seinen Einsatz gelobte Mark lernt im Club den A-Team-Spieler Warren kennen, mit dem er in "Seitenspiel" die Grenzen der strengen Monogamie gehörig strapaziert.

Sie stecken beide in einer Beziehung, ein Fremdgehen käme einem sozialen Platzverweis gleich: Unter dieser Prämisse gehen Mark (Alexander Lincoln) und Warren (Alexander King) ihre Affäre ein. Das Problem ist nur: Diese im britischen Original als "In from the Side" betitelte Untreue als zentrales narratives Element möchte nie aufgehen. Der Film scheitert an seiner Grundidee und suhlt sich dabei selbst in einer enormen Lauflänge von 134 Minuten im drögen Matsch der verletzten Gefühle.

Halbgare Dialoge und lustgetränkte Momente


Poster zum Film: "Seitenspiel" läuft am 19. Dezember 2022 in der Cineplex Pride Night und startet 5. Januar 2023 regulär im Kino

Die Beziehungen, in denen sich die Figuren befinden, scheinen ihnen nicht am Herzen zu liegen. Halbgare Dialoge entlarven die habitualisierte Trägheit ihrer Alltagskommunikation, die Dynamik zwischen den ehemals Verliebten hat sich in Luft aufgelöst. Das – mit einer belustigenden Ernsthaftigkeit thematisierte – Risiko, das sie im gemeinsamen Daten eingehen, ist daher nicht plausibel.

Ihre Anbandelung gleicht einer Abfolge von (teils stark übergriffigen) lustgetränkten Momenten, in denen sie kein glaubhaftes Interesse für das Gegenüber aufzubringen vermögen. Wer ist Warren? Wer ist dieser Mensch hinter dem dichten braunen Bart und der machohaften A-Team-Spieler-Selbstinszenierung? Da Mark ihn in den zaghaften Versuchen persönlicher Ausführungen unterbricht, bleibt der Charakter bis zuletzt eine blasse Hülle seiner selbst.

Der durch Crowdfunding finanzierte Film verliert sich zunehmend im Strudel der Trink- und Selbstsucht. Mark mag zwar niedliche Blicke in die Kamera werfen, verletzt jedoch mit seiner Pick-me-Mentalität blindherzig alle Mitmenschen um sich herum. Sein Vater – als Teil des ausschließlich weißen Figurenensembles, in dem exakt eine (!) Frau auftritt – möchte für seinen Sohnemann ergo dieses Schuldverhältnis entlastend umdrehen: "Du denkst die ganze Zeit darüber nach, Menschen zu verletzen, und verpasst dabei einige der schönsten Sachen, die das Leben anzubieten hat." Muss wohl in der Familie liegen, dieses fehlende Verantwortungsbewusstsein gegenüber den Engsten.

Der Regisseur ist auch Rugby-Coach

"Seitenspiel" frönt dem hedonistischen Alkoholkonsum, lässt den daran zugrunde gehenden Henry (William Hearle) jedoch im Stich. "Ehrlich, was, Mark? Du bist seit Monaten ein schlechter Freund. Du willst nichts außer dem Training mit mir machen." Dieser Vorwurf illustriert die hölzernen Dialoge eines schwächelnden Drehbuchs – und formuliert noch dazu die viel wichtigere Tatsache, dass für Mark in seinem Egozentrik-Trip Henrys Trinkproblem wohl keines zweiten Blickes wert zu sein scheint.


Schöne Bilder schmutziger Männer: Szene aus "Seitenspiel" (Bild: Cinemien Deutschland)

Letzten Endes kommt in dem Spagat zwischen aufregender Untreue und kompetitivem Rugby dem queeren Team ein enorm hoher Stellenwert zu. In schmutzigen Zeitlupe-Aufnahmen wird der Sport mit einer lockeren Selbstverständlichkeit zu einem ästhetischen Schauwert stilisiert – klar, wenn Regisseur Matt Carter schon selbst als Rugby-Coach tätig ist.

Diese Bilder bringen angenehme Abwechslung zu all den hässlichen Vereinshäusern und leblosen Clubs, in denen sich "Seitenspiel" sonst verliert. Die Gruppendynamik wird nur angerissen, es bleibt nicht viel Raum für Zusammenhalt in dieser groben, patriarchalen Mannschaft, die sich selbst mit (Spott-)Preisen als "Man of the match" bzw. "Dick of the day" bewerfen. Nach diesem Film in Überlänge möchte man letztere Bezeichnung Mark müde ins Gesicht tackern. Wieso müssen Sportler immer so anstrengend sein?

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Infos zum Film

Seitenspiel. Drama. Großbritannien 2022. Regie: Matt Carter. Cast: Alexander King, Alexander Lincoln, Chris Garner, Christopher Sherwood, Ivan Comisso, Kane Surry, Mary Lincoln, Pearse Egan, Peter McPherson. Laufzeit: 134 Minuten. Sprache: englische Originalfassung mit deutschen Untertiteln. FSK 12. Verleih: Cinemien Deutschland. Am 19. Dezember 2022 in der Cineplex Pride Night. Regulärer Kinostart: 5. Januar 2023
-w-

#1 ZaunkönigAnonym
  • 18.12.2022, 14:38h
  • Ich finde es schade, wenn Kritiker jegliches Interesse an einem Film bei potentiellen Zuschauern einfach auslöschen, weil er ihren persönlichen Befindlichkeiten nicht zusagt und sie ihn daher komplett verreißen. Ich sah den Film im englischen Original auf DVD und habe mich gut unterhalten - ohne schlechtes Gewissen, dass es nur eine Frauenrolle gibt. Dies ist ein Film über das Verhalten von Männern gegenüber Männern. Ich las kürzlich eine Kritik zum Räuber Hotzenplotz, in der ebenfalls das Fehlen von Frauenrollen beklagt wurde. Geht die Forderung nach Political Correctness nicht zu weit, wenn Autoren von Fiktion für die Frauenquote in ihren Büchern oder Drehbüchern gemaßregelt werden? Ist die künstlerische Freiheit nicht mehr zu achten? Die Behauptung, dass in dem Film nur weiße Männer mitspielen, trifft nicht zu. Mindestens in einem Fall ist das sehr offensichtlich.
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#2 TinoAnonym
  • 18.12.2022, 17:26h
  • Was für eine verbitterte, negative "Kritik". Meine Güte, man kann aber überall ein Haar in der Suppe finden, wenn man nur lange genug sucht und absolut übertreiben. Alle anderen können auch einfach mal Spaß am Leben haben. queer.de macht zumindest keinen Spaß.

    Sowohl bei den Kommentaren als auch vielen Berichten bei queer.de fällt die Verbitterung und die enorme Engstirnigkeit auf.

    Oder in kurz: wenn queer.de einen Film so dermaßen zerreißt wie hier geschehen, ja, dann kann er eigentlich nur gut sein.
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#3 FastrigoseAnonym
  • 19.12.2022, 07:36h
  • "Jojos (they) Leidenschaften: Popgirls, Eurovision, Coming-of-Age-Herzschmerz und Spekulatius." - wohl nicht die idealsten Voraussetzungen für Filmkritik(en)...
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