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Bundesstaat mit Verfolgungseifer
Texanische Transgender-Jagd
Trans Jugendlichen das Leben schwer machen, Jugendämter auf Familien hetzen und nun Versuche, Listen mit Namen zu erstellen: Texas legt sich im queerfeindlichen Kampf mächtig ins Zeug – nicht nur gegen Trans.

Texas' Justizminister Ken Paxton bei einem Auftritt im Justizministerium der Trump-Bundesregierung (Bild: The United States Department of Justice / wikipedia)
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21. Dezember 2022, 08:27h 4 Min.
Unter den republikanisch verwalteten US-Bundesstaaten, die derzeit mit der Unterdrückung transgeschlechtlicher und homosexueller Menschen die Herzen der Wähler*innen gewinnen wollen, sticht immer wieder Texas als Hotspot heraus.
Der Staat hatte nicht nur ein Schulsportgesetz erlassen und die medizinische Transition von Jugendlichen verboten, sondern auch versucht, Eltern mit dem Jugendamt einzuschüchtern, sollten sie die transgeschlechtliche Identität ihrer Kinder akzeptieren (queer.de berichtete). Die Bundesstaats-Republikaner nahmen in ihr Parteiprogramm die Formulierung auf, wonach es sich bei Homosexualität um eine "abnormale Lebensweise" handele, die "frei gewählt werden" könne (queer.de berichtete).
Der texanische Generalstaatsanwalt und Justizminister in einer Person, Ken Paxton, hat im Juni für den Fall, dass der Supreme Court die bundesweit geschützten Rechte von Homosexuellen kippen sollte, bereits angekündigt, er würde neue Verfolgungsgesetze im Bundesstaat befolgen (queer.de berichtete).
Liste mit trans Personen angefordert
Nun zeigen Berichte über Paxtons Arbeit, wie ernst der Republikaner es mit solchen Ankündigungen meinen könnte. Demnach soll der Generalstaatsanwalt die Behörde, die die Führer*innenscheine verwaltet, ebenfalls im Juni angewiesen haben, ihm einen Datensatz anzufertigen. Darin: Die Namen von Bürger*innen, die in den vergangenen zwei Jahren das im Führer*innenschein eingetragene Geschlecht haben ändern lassen.
Herausgefunden hat das die Washington Post über eine Behördenauskunft. Doch offenbar verhinderten IT-Probleme in der Behörde, dass Paxton seine Liste mit transgeschlechtlichen Texaner*innen bekam. Nachdem ein erster Datenzugriff ganze 16.000 Namen ausgespuckt hatte, befanden Mitarbeiter*innen, dass eine manuelle Suche nach entsprechenden Änderungen vonnöten wäre.
Schlussendlich setzte die Behörde den Generalstaatsanwalt darüber in Kenntnis, dass die gefragten Daten entweder nicht in den Computersystemen existierten und auch nicht entsprechend produziert werden könnten.
Republikaner*innen können auf transphobe Polizist*innen setzen
Doch transgeschlechtliche Bürger*innen befürchten nun, dass Paxton andere Wege finden könnte, Daten über sie zu sammeln oder ein polizeiliches System zu schaffen, bei dem Beamte bei Verkehrskontrollen über die Transgeschlechtlichkeit der Kontrollierten informiert werden.
Dass Begegnungen mit der texanischen Polizei für transgeschlechtliche Personen besonders gefährlich werden können, zeigt auch ein neues Negativbeispiel. Im Oktober wurde die inter- und transgeschlechtliche Texanerin Joan Simoncelli ihrer Darstellung nach vor ihrem Haus von ihrem transphoben Neffen attackiert. Dabei soll er das Fenster des Autos eingeschlagen haben, in dem die Frau saß.
Als beide beteiligten Parteien die Polizei riefen und diese zum Ort des Geschehens kam, eskalierte die Situation. Der Grund: Der Neffe outete Simoncelli gegenüber der Polizei als trans. Die Beamten sollen die Frau dann mit der Begründung festgenommen haben, dass sie einen falschen Notruf abgegeben habe – und weil sie "ein Mann in einem Kleid" sei.
Danach habe man die Frau zu Männern in eine Zelle gesteckt, wo sie weiteren Übergriffen ausgesetzt gewesen sein will. Auch vonseiten der Beamten soll sie zudem transfeindlichen Beschimpfungen und körperlicher Gewalt ausgesetzt gewesen sein.
Kampf gegen Drag Queens
Für nächstes Jahr stehen bereits weitere Gesetzesvorhaben im Kampf gegen queere Texaner*innen an. So wollen texanische Abgeordnete ein Gesetz erlassen, das die Teilnahme von Minderjährigen an Drag Shows untersagt. Zuletzt hatte es auch in Texas Aufzüge von Homohasser*innen vor Veranstaltungen von Drag Queens gegeben.
Im August bewachten dann schwer bewaffnete, vermummte Antifa-Aktivist*innen ein Drag-Event in der texanischen 10.000-Einwohner*innen-Stadt Roanoke, um Übergriffe von Rechten zu verhindern (queer.de berichtete). Doch auch der Staat war vor Ort, und zwar in Form des Ordnungsamtes. Das kontrollierte, dass keine "sexuellen Inhalte" bei dem Drag-Event in einem örtlichen Restaurant gezeigt wurden.
Die Untersuchungen durch Jugendämter gegen die Eltern texanischer trans Kinder sind übrigens noch immer durch eine Entscheidung des obersten Gerichts des Bundesstaates ausgesetzt (queer.de berichtete).
In Gang gesetzt hatte die Verfolgungen ein Brief mit Argumenten für eine Rechtsauffassung, wonach es sich um "Kindesmisshandlung" handele, wenn trans Kinder medizinische Unterstützung erhielten (queer.de berichtete).
Doch auch, wenn die Jugendämter nun nicht mehr gegen Familien vorgehen, flohen bereits mehrere trans Kinder mit ihren Eltern und Geschwistern aus dem Bundesstaat, allen voran das bekannte texanische trans Mädchen Kai Shappley (queer.de berichtete).














