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Bundesstaat mit Verfolgungseifer

Texanische Transgender-Jagd

Trans Jugendlichen das Leben schwer machen, Jugendämter auf Familien hetzen und nun Versuche, Listen mit Namen zu erstellen: Texas legt sich im queerfeindlichen Kampf mächtig ins Zeug – nicht nur gegen Trans.


Texas' Justizminister Ken Paxton bei einem Auftritt im Justizministerium der Trump-Bundesregierung (Bild: The United States Department of Justice / wikipedia)

Unter den republikanisch verwalteten US-Bundesstaaten, die derzeit mit der Unterdrückung transgeschlechtlicher und homosexueller Menschen die Herzen der Wähler*innen gewinnen wollen, sticht immer wieder Texas als Hotspot heraus.

Der Staat hatte nicht nur ein Schulsportgesetz erlassen und die medizinische Transition von Jugendlichen verboten, sondern auch versucht, Eltern mit dem Jugendamt einzuschüchtern, sollten sie die transgeschlechtliche Identität ihrer Kinder akzeptieren (queer.de berichtete). Die Bundesstaats-Republikaner nahmen in ihr Parteiprogramm die Formulierung auf, wonach es sich bei Homosexualität um eine "abnormale Lebensweise" handele, die "frei gewählt werden" könne (queer.de berichtete).

Der texanische Generalstaatsanwalt und Justizminister in einer Person, Ken Paxton, hat im Juni für den Fall, dass der Supreme Court die bundesweit geschützten Rechte von Homosexuellen kippen sollte, bereits angekündigt, er würde neue Verfolgungsgesetze im Bundesstaat befolgen (queer.de berichtete).

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Liste mit trans Personen angefordert

Nun zeigen Berichte über Paxtons Arbeit, wie ernst der Republikaner es mit solchen Ankündigungen meinen könnte. Demnach soll der Generalstaatsanwalt die Behörde, die die Führer*innenscheine verwaltet, ebenfalls im Juni angewiesen haben, ihm einen Datensatz anzufertigen. Darin: Die Namen von Bürger*innen, die in den vergangenen zwei Jahren das im Führer*innenschein eingetragene Geschlecht haben ändern lassen.

Herausgefunden hat das die Washington Post über eine Behördenauskunft. Doch offenbar verhinderten IT-Probleme in der Behörde, dass Paxton seine Liste mit transgeschlechtlichen Texaner*innen bekam. Nachdem ein erster Datenzugriff ganze 16.000 Namen ausgespuckt hatte, befanden Mitarbeiter*innen, dass eine manuelle Suche nach entsprechenden Änderungen vonnöten wäre.

Schlussendlich setzte die Behörde den Generalstaatsanwalt darüber in Kenntnis, dass die gefragten Daten entweder nicht in den Computersystemen existierten und auch nicht entsprechend produziert werden könnten.

Republikaner*innen können auf transphobe Polizist*innen setzen

Doch transgeschlechtliche Bürger*innen befürchten nun, dass Paxton andere Wege finden könnte, Daten über sie zu sammeln oder ein polizeiliches System zu schaffen, bei dem Beamte bei Verkehrskontrollen über die Transgeschlechtlichkeit der Kontrollierten informiert werden.

Dass Begegnungen mit der texanischen Polizei für transgeschlechtliche Personen besonders gefährlich werden können, zeigt auch ein neues Negativbeispiel. Im Oktober wurde die inter- und transgeschlechtliche Texanerin Joan Simoncelli ihrer Darstellung nach vor ihrem Haus von ihrem transphoben Neffen attackiert. Dabei soll er das Fenster des Autos eingeschlagen haben, in dem die Frau saß.

Als beide beteiligten Parteien die Polizei riefen und diese zum Ort des Geschehens kam, eskalierte die Situation. Der Grund: Der Neffe outete Simoncelli gegenüber der Polizei als trans. Die Beamten sollen die Frau dann mit der Begründung festgenommen haben, dass sie einen falschen Notruf abgegeben habe – und weil sie "ein Mann in einem Kleid" sei.

Danach habe man die Frau zu Männern in eine Zelle gesteckt, wo sie weiteren Übergriffen ausgesetzt gewesen sein will. Auch vonseiten der Beamten soll sie zudem transfeindlichen Beschimpfungen und körperlicher Gewalt ausgesetzt gewesen sein.

Kampf gegen Drag Queens

Für nächstes Jahr stehen bereits weitere Gesetzesvorhaben im Kampf gegen queere Texaner*innen an. So wollen texanische Abgeordnete ein Gesetz erlassen, das die Teilnahme von Minderjährigen an Drag Shows untersagt. Zuletzt hatte es auch in Texas Aufzüge von Homohasser*innen vor Veranstaltungen von Drag Queens gegeben.

Im August bewachten dann schwer bewaffnete, vermummte Antifa-Aktivist*innen ein Drag-Event in der texanischen 10.000-Einwohner*innen-Stadt Roanoke, um Übergriffe von Rechten zu verhindern (queer.de berichtete). Doch auch der Staat war vor Ort, und zwar in Form des Ordnungsamtes. Das kontrollierte, dass keine "sexuellen Inhalte" bei dem Drag-Event in einem örtlichen Restaurant gezeigt wurden.

Die Untersuchungen durch Jugendämter gegen die Eltern texanischer trans Kinder sind übrigens noch immer durch eine Entscheidung des obersten Gerichts des Bundesstaates ausgesetzt (queer.de berichtete).

In Gang gesetzt hatte die Verfolgungen ein Brief mit Argumenten für eine Rechtsauffassung, wonach es sich um "Kindesmisshandlung" handele, wenn trans Kinder medizinische Unterstützung erhielten (queer.de berichtete).

Doch auch, wenn die Jugendämter nun nicht mehr gegen Familien vorgehen, flohen bereits mehrere trans Kinder mit ihren Eltern und Geschwistern aus dem Bundesstaat, allen voran das bekannte texanische trans Mädchen Kai Shappley (queer.de berichtete).

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#1 SebiAnonym
  • 21.12.2022, 09:37h
  • Das passiert, wenn man angeblich "Konservative" wählt.
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#2 Gnurfel42Anonym
  • 21.12.2022, 09:54h
  • Was soll das werden, wenn das fertig ist? Ist das etwa eine Todesliste und sind die KZs schon in Aufbau? Siehe auch:
    en.wikipedia.org/wiki/Ten_stages_of_genocide

    Extrem verstörend, was in Texas gerade passiert. Wer kann, der flieht. Das ist nicht feige, sondern schlau.

    Die UN sollte einen humanitären Notstand ausrufen. Das ist kein Witz.
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#3 PolitikverdrossenAnonym
  • 21.12.2022, 10:53h
  • Antwort auf #2 von Gnurfel42
  • Exakt erfasst ja.
    Ich habe 2 Personen im Freundeskreis welche aus Texas stammen - beide sind aus dem Bundestaat geflohen, beide sagen ganz klar dass die Regierung und ihre Institutionen queer´s (vor allem trans w) förmlich jagen.
    Du wirst verhaftet wegen deiner Identität und bist dort vogelfrei.
    Als geoutetes Teen oder Kind, geht es dort ganz schnell, dass du erstmal in ein Bootcamp kommst, du wirst den Eltern weg genommen. Alsbald schicken dich deine neuen Erziehungsberechtigten eben da hin, alternativ gibt es in Texas dermaßen abstruße Möglichkeiten alles und jeden zu inhaftieren, dass sich immer etwas findet.
    Der Großteil der Bevölkerung dort würde eine Auslöschung (Queergenozid) von trans bzw. queer´s befürworten.
    Ganz hoch im Kurs sind dort auch Politiker wie Orban, Putin usw.
    Texas ist ein failed state übrigens gelten diese Gesetze dort nicht nur für Texaner - von einem Urlaub würde ich dringend abraten.
    Schließlich würden die meisten hier ja auch nicht nach Saudi Arabien, Katar, Russland usw. reisen.

    Florida uva. entwickeln sich übrigens in das gleiche extrem.

    Btw. wer gehen kann geht - viele können sich dies leider nicht leisten.
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