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Pornhub-Statistik
"Trans"-Pornos wurden 2022 noch beliebter
In der jährlichen Pornhub-Statistik machen Pornos unter der Kategorie "trans" weitere Plätze gut. Explizit nach transmännlichen Darstellern suchten insbesondere weibliche Nutzer*innen.

Trans? Cis? Beides? Ausschnitt aus Jan Böhmermanns Pornofilm "FF MM Straight Queer Doggy BJ Oral Orgasm Squirting Royale gebührenfinanziert" (Bild: Screenshot ZDF)
- 22. Dezember 2022, 14:44h 4 Min.
Jedes Jahr veröffentlicht die Pornowebsite Pornhub eine ausführliche Statistik über die Art und Weise, wie die User*innen die Seite genutzt haben. Nun war es zum neunten Mal so weit. Und wie immer erfreut sich auch die soziologische Kaffeesatzleserei in den Daten größter Beliebtheit. Denn was bedeutet es eigentlich, wenn ethnische, sexuelle und geschlechtliche Gruppen einen speziellen Platz im Porno-Universum einnehmen?
Zu den Daten zählen nicht nur die beliebtesten Suchbegriffe je nach Region. Auch Informationen über das mutmaßliche Geschlecht der Nutzer*innen greift Pornhub ab, ermöglicht durch eine Google-Technik, die die Endgeräte über Websites hinweg verfolgt und Profile erstellt.
"Trans"-Schlagwortsuchen stiegen weiter
Im Jahr 2022, das wie keines zuvor von transfeindlicher Hetze und Politik in weiten Teilen der Welt geprägt war, stieg die Beliebtheit von Pornos unter der "trans"-Kategorie gegenüber dem Vorjahr um ganze 75 Prozent an. Damit landet die Kategorie auf dem siebten Platz weltweit. In den USA ist "trans" sogar auf dem dritten, in Brasilien gar auf dem ersten Platz. Unter den veröffentlichten, fünf ersten Kategorien für Deutschland findet sich der Begriff allerdings nicht.
Doch während transgeschlechtliche Frauen schon lange einen gewissen Platz im Porno-Universum einnehmen, verschiebt sich jetzt, wo die Trans-Kategorie insgesamt beliebter wird, auch etwas am Geschlechterverhältnis. So wurde das Schlagwort "FTM", das für transmännliche Personen steht, acht mal so häufig gesucht als das entgegengesetzte Schlagwort "MTF", das aber vermutlich relativ deckungsgleich mit problematischen Begrifflichkeiten wie "Shemale" oder "Tranny" sein dürfte.
Die Beliebtheit der transmännlichen Kategorie geht insbesondere auf weibliche Nutzer*innen zurück. Sie schauten hier 115 Prozent mal häufiger beim Sex zu als männliche Nutzer*innen. Und auch bei PornhubGay stiegen Suchen nach "FTM" um 202 Prozent an. Damit ist es hier auf Platz 20 der meistgesuchten Begriffe erstmals im offiziellen Pornhub-Ranking.
Pornhub unterteilt sich in einen "straight"-Hauptbereich, der aber auch lesbische Filme enthält, und einen vor allem schwulen "Gay"-Bereich, geht also von heterosexuellen männlichen Usern als wesentlicher Zielgruppe aus. Außerdem registriert die Website einerseits angeklickte Videos und die zugehörige Kategorie, andererseits aber auch manuell eingetippte Suchbegriffe und die Zeit, die Nutzer*innen mit Clips aus den jeweiligen Kategorien verbrachten.
Die statistischen Verhältnisse sind also am Ende deutlich komplizierter. Vor allem, wenn man dann noch weiß, dass am Endgerät von etwa der Hälfte der gestreamten, schwulen Filme eine Frau sitzt.
Am beliebtesten bei Trans-Hasser*innen?
Dass der seit Jahren kontinuierliche Anstieg der Beliebtheit von Pornos mit Trans-Inhalten etwas mit steigender Transfeindlichkeit oder eben der steigenden Sichtbarkeit transgeschlechtlicher Menschen zu tun hat, liegt nahe. So sorgte der Republikaner Tom Whatley aus Alabama im Frühjahr vergangenen Jahres für Aufsehen.
Der Grund: Er hatte einen expliziten Tweet von Bambi Blonde mit einem Like versehen. Bambi Blonde ist Pornodarsteller*in und beschreibt sich selbst als nichtbinär und als transgeschlechtliche Frau. Doch Whatley hatte erst wenige Tage vorher im Senat des Bundesstaates für ein Gesetz gestimmt, das die geschlechtsaffirmierende medizinische Unterstützung transgeschlechtlicher Jugendlicher kriminalisiert.
Dazu passt, dass Analyst*innen des US-Portals Lawsuit.org im Juni diesen Jahres die Beliebtheit von Suchen nach Trans-Pornographie in den Bundesstaaten mit den Wahlergebnissen von 2020 und Zahlen aus Studien über Queerfeindlichkeit verglichen.
Heraus kam ein deutlicher Zusammenhang: War die Stimmung in einem Bundesstaat besonders transfeindlich, sahen sich mehr Bürger*innen Pornos mit Trans-Inhalten an. Auf Platz 1 der dabei entstandenen Rangliste war der Staat Texas, der im Wettkampf um die gemeinsten Gesetze gegen transgeschlechtliche Menschen ganz vorne mitmischt (queer.de berichtete).
Dieser Zusammenhang lässt sich anhand einer weiteren Verschiebung im diesjährigen Pornhub-Report veranschaulichen. So thematisieren Trans-Feind*innen bekanntlich immer wieder, welche Gefahr transgeschlechtliche Frauen für Cis-Frauen darstellen würden und dass Frauentoiletten durch sie unsicher würden.
Doch vielleicht haben solche Vorstellungen mehr etwas mit kaum öffentlich eingestandenen Phantasien zu tun. So stiegen Suchen nach dem recht eindeutigen Term "trans fucks girl" im Berichtsjahr in den USA um ganze 710 Prozent an.
Oder geht der Anstieg in der Beliebtheit von Trans-Pornos am Ende doch eher auf die steigende Zahl von Menschen zurück, die transgeschlechtliche Menschen kennen oder selber trans sind, sowie auf eine wachsende Akzeptanz innerhalb prinzipiell querfreundlicher Milieus? Das jedenfalls geht aus den Daten nicht hervor. (jk)














