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"Da ist die Tür"

Kassel: Trans Mutter mit Kind aus Kindergarten geworfen

Eine Lokalzeitung berichtet von einem unglaublichen Fall transphober Diskriminierung – zulasten eines vierjährigen Kindes.


Symbolbild: Im Kindergarten sollte eigentlich das Wohl des Kindes im Vordergrund stehen (Bild: pixabay / pexels)

  • 23. Dezember 2022, 10:48h 27 3 Min.

In Kassel wurde im September ein vierjähriges Kind während der Eingewöhnungsphase aus einem nicht benannten Kindergarten geworfen – offenbar weil sich Erwachsene an dem Trans-Sein der begleitenden Mutter störten. Das berichtete die Mutter in einem am Freitag erschienenen Interview gegenüber der "Hessischen/Niedersächsischen Allgemeinen" (HNA).

Die Mutter hatte ihren Sohn demnach während der Eingewöhnungsphase begleitet und dabei "versucht, mich so gut es ging im Hintergrund zu halten". Luca habe der Ort gefallen, die Eingewöhung und Integration des Kindes habe gut funktioniert. Nach etwas über zwei Wochen sei Leoni (beide Namen sind Pseunonyme) dann allerdings ein Kündigungsschreiben überreicht worden: "Was dazu führte, dass Luca mitten am Vormittag aus der Gruppe gerissen wurde. Wir mussten den Kindergarten sofort verlassen, ohne uns verabschieden zu können. Mit den Worten 'da ist die Tür' wurden wir aus dem Kindergarten komplementiert."

In der Kündigung habe es geheißen, dass "nicht behebbare Auffassungsunterschiede" bestehen würden. Ein Gespräch mit der pädagogischen Leitung zwei Tage zuvor habe der Mutter gezeigt, "dass die Person mit meiner trans* Weiblichkeit überfordert war". Seitens des gewählten Elternvorstandes, der die Kündigung aussprach, habe es keine Versuche gegeben, mit Leoni zu reden. Der unbegründete Rauswurf sei eine klare Diskriminierung.

Juristische Hilfe gesucht

Nach der Kündigung habe es ein Gespräch von Lucas Eltern mit der pädagogischen Leitung und Erzieherinnen gegeben, wobei letztere angemerkt hätten, "dass ich als Mama zu sichtbar in der Eingewöhnungsphase war". Das von den Pädagoginnen an den Vorstand verbreitete Angebot von Lucas Eltern, dass stattdessen Leonis Partnerin das Kind begleite, sei abgelehnt worden.

Auch die Einschaltung zweier Anwältinnen habe nichts verändert. Die fristlose Kündigung sei unter anderem nicht ausreichend begründet und unwirksam, so das Schreiben, die Kündigung verstoße zudem gegen das Benachteiligungsverbot und diskriminiere Leoni wegen des Geschlechts. Der Elternvorstand wies die Vorwürfe zurück. Ihr Ziel sei "in erster Linie eine weitere Betreuung und keineswegs eine juristische Konfrontation", so die Mutter: "Wir finden den Kindergarten als solchen eigentlich großartig und Luca hat sich dort wohlgefühlt."

Das Konzept des Kindergartens sei eine größere Elterneinbindung. Die Mutter berichtete auch, Kinderbücher mitgebracht zu haben, die die Vielfalt der Gesellschaft samt der Lebensrealität queerer Personen darstellten. Die Kinder hätten neugierig reagiert, so Leoni. Später sei ihrer Partnerin nahegelegt worden, dass solche Inhalte nicht ohne pädagogische Anleitung für Kinder zugänglich gemacht werden sollten. "Die Aussage, dass es für Bücher, in denen queere Lebensrealitäten dargestellt werden, eine pädagogische Anleitung brauche, ist für mich ebenfalls ein Ausdruck von Diskriminierung", sagte die Mutter der Zeitung. "Meiner Erfahrung nach haben meist Erwachsene ein Problem mit diesen Darstellungen. Kinder haben oft einen weitaus weniger vorurteilsbehafteten Blick auf die Geschichten."

Die Familie leidet

Der Rauswurf hat die Eltern schwer belastet. Leoni befindet sich laut dem Interview in Therapie, um ihn zu verarbeiten. Ihre Partnerin sei mit den Kinden auf eine dreiwöchige Kur gefahren. Am schwersten sei das alles für den Vierjährigen.

"Luca hatte sich schon komplett darauf eingestellt, jeden Tag in den Kindergarten zu gehen", so die Mutter gegenüber HNA. "Warum wir rausgeworfen wurden und die Art, wie dies erfolgte, konnte Luca nicht verstehen. Es war sehr schwer, Luca die Situation kindgerecht zu vermitteln." (cw)

-w-

#1 LothiAnonym
  • 23.12.2022, 12:04h
  • Unfassbar wenn ich soetwas lesen muß. Was geht bloß in den Köpfen solch verbohrten, intoleranten Eltern ab? Von Kindeswohl wird da gefaselt und die Erwachsene fühlen sich in ihrer Eitelkeit gekränkt. Hier hätte man doch ein deutlich positives Zeichen setzen können, aber nein Sturheit und Dickköpfigkeit habe gezeigt wo es lang geht in Deutschlands Bundesländer.
    Wie lange noch schaut eigentlich die Politik dabei tatenlos zu und unternimmt rein gar nichts. Mich lässt solch ein Verhalten eher wütend zurück.
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#2 Maybeme
  • 23.12.2022, 12:13hBochum
  • Da bleibt eigentlich nur zu hoffen, dass keines der Kinder aus diesem Elternbeirat sich jemals als trans herausstellt. Die Diskriminierung, die es dann erleben wird von seinen Eltern wäre nicht schön.
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#3 Ith_Anonym
  • 23.12.2022, 14:07h
  • Ich finde das nicht unglaublich und überraschen tut es mich auch nicht. Ich meine, mich haben sie in der Psychiatrie mit akuter Suizidalität rausgeworfen, weil ich mit Konversionstherapie als Behandlungsmethode für meine Depression nicht einverstanden war, bzw. haben mir den Rauswurf samt Therapiesperre angedroht (=> KK bezahlt dann für mehrere Monate keine andere psychotherapeutische Behandlung), wenn ich nicht freiwillig gehe. "Sowas", also eine geoutete trans-Person, wobei man mich ja selbst zum Outing gezwungen bzw. vor Besucher*innen auch zwangsgeoutet und misgendered hat, braucht man schließlich nicht tolerieren, weil, hier sind Leute, denen es schlecht geht, das kann man denen nicht zumuten.
    Wenn du nichtmal Gesundheitsversorgung bekommst, wieso sollte eine weniger dringlich notwendige Einrichtung dich nicht vor die Tür setzen dürfen.

    Was mich hier überrascht, ist höchstens, dass eine Zeitung drüber berichtet und sich anscheinend auf die Seite der trans Frau / von Leonie stellt. Normalerweise würde die Gesellschaft verlangen, sich bitte dem Wohlbefinden der Umgebung zu beugen, sich für die Aufenthalte im Kindergarten als Mann zu verkleiden und über queere Themen den Mund zu halten. So viel verlangt ist das schließlich nicht, und man kann ja einfach mal darauf verzichten, sich anzustellen und Theater zu machen.

    Der einzige taktische Fehler bestand hier vermutlich dann auch darin, keine Begründung zu schreiben. Das ist wie mit Arbeitgeber*innen, die dich loswerden wollen: Gehst du nicht freiwillig, wirst du eben schikaniert, _bis_ du gehst oder man dir irgendwelches Fehlverhalten anlasten kann, was unter genügend psychischem Druck früher oder später schon passieren wird. In der Psychiatrie hätte es halt geheißen: "Verweigert die Mitarbeit in der Behandlung", und dass die Behandlung eine einzige Aneinanderreihung von Diskriminierungen gewesen ist, danach fragt ja dann später niemand. Nachweisen hätte ich das auch nicht können, bei den meisten Vorfällen war von denen eine Überzahl im Raum und ich alleine. [Mir ist die Gefahr darin bewusst, das so direkt zu schreiben, könnte schließlich sein, dass ein paar Personaler auf die Idee noch nicht gekommen sind, aber wer nicht komplett uninformiert ist, geht gegenüber unerwünschten Minderheiten schon immer so vor.]
    Aber jut. Offenbar haben die sich hier so sicher gefühlt, dass sie glaubten, auf die Methode der Fake-Ausrede verzichten zu können. Ich hoffe, wenigstens in so einem Fall gibt das dann mal Konsequenzen.
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