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Interview
Wie liberal ist Argentinien, Señor Martin "Sublime" Miller?
Die Teenager-Lovestory "Sublime" dreht sich um die verliebten Jungs Manuel und Felipe. Mit einem von ihnen, dem 17-jährigen Martin Miller, der den Manuel spielt, unterhielten wir uns beim "Pink Apple"-Festival.

Martin Miller als Manuel in "Sublime" (Bild: Salzgeber)
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26. Dezember 2022, 07:15h - 3 Min.
Der argentinische Regisseur Mariano Biasin erzählt in seinem Spielfilm "Sublime" von einem Gefühlschaos, das wohl jede*r schon einmal erlebt hat: Was passiert mit einer Freundschaft, wenn plötzlich Liebe und Begehren ins Spiel kommen? Über diese Frage werden in Biasins zärtlichem und ehrlichem Coming-of-Age-Film, der seit November 2022 fürs Heimkino erhältlich ist, zwei Jungs erwachsen.
Mit dem 17-jährigen Martin Miller, der in "Sublime" den Manuel spielt, unterhielt sich unser freier Autor Dieter Oßwald beim "Pink Apple"-Festival in Zürich.
Señor Miller, Sie haben den Film "Sublime", in dem Sie ja eine Hauptrolle spielen, zum ersten Mal beim queeren Filmfestival "Pink Apple" in Zürich gesehen. Wie war die Erfahrung?
Das waren schon seltsame Gefühle. Zum einen war ich sehr nervös. Zum anderen war ich sehr gespannt darauf, mich selbst auf einer großen Leinwand im Kino zu sehen.
Welche Szene mögen Sie am liebsten?
Am besten gefällt mir die Sequenz mit der Geburtstagsparty von Felipe. Da sitzt mir die Kamera buchstäblich im Nacken, um mich auf meinem Weg zu begleiten.

Manu und Felipe mit Regenbogen am Strand (Bild: Salzgeber)
Ihr Regisseur klagte darüber, dass Sie sich mit Ihrem Schauspiel-Partner wie Wildkatzen verhielten, die einfach nur das tun, was sie wollen…
Das war nur manchmal so! (lacht) Es gab einige Szenen, bei denen wir wild improvisierten und die im Film nun ziemlich cool aussehen. Weil wir dabei Dinge von uns selbst eingebaut haben, wirkt das alles zudem recht glaubhaft.
Laut Regisseur sollen Sie der nachdenkliche Typ sein, während Ihr Schauspiel-Partner Teo Inama Chiabrando alias Felipe lieber spontan vorgeht. Stimmt das?
Ja, das passt auch ganz gut zu unseren Figuren. Felipe ist der spontane Typ, der sich nicht viele Gedanken macht. Manuel hingegen ist ein sehr nachdenklicher Mensch. Er sieht oft Probleme und weniger den Spaß im Leben. Beim Casting hatte ich mich noch für die Rolle von Felipe beworben, aber der Regisseur meinte, ich wäre besser als Manuel.

"Sublime" ist im November 2022 auf DVD und digital erschienen
Wie viel haben Sie mit Ihrer Figur Manuel gemeinsam?
Die Gemeinsamkeiten mit Manuel sind relativ. Ich bin ein viel geselligerer Typ als er und längst nicht so schüchtern. (lacht) Sehr groß sind unsere Schnittmengen bei der Liebe zur Musik und der Leidenschaft für Fußball.
Im Film spielt die sexuelle Identität der Figuren keine Rolle und ist völlig selbstverständlich. Wie liberal geht es in Argentinien zu?
Es geht offen in Argentinien zu, die sexuelle Identität spielt für die Menschen keine Rolle. Es mag in einigen Fällen auch Ausnahmen geben, aber generell ist das Land wirklich sehr offen.
Mit welchen Gefühlen haben Sie die intimen Szenen gespielt?
Am Anfang waren wir beim Drehen dieser Szenen schon etwas nervös. Aber das hat sich schnell gelegt. Wir fühlten uns alle drei gleichermaßen wohl bei diesen intimen Szenen. Ich finde, die sehen auch ziemlich schön aus.
Sie haben bereits zwei Kurzfilme gedreht. Planen Sie eine Karriere als Schauspieler oder war das mehr ein Schnupperkurs?
Ich bin mir noch nicht sicher. Aktuell würde ich sehr gern Schauspieler werden, zugleich weiß ich, wie schwierig dieser Beruf ist. Zunächst muss ich erst einmal noch meine Schule absolvieren, danach sehen wir weiter.
Auf den sozialen Medien werden Sie allerlei Reaktionen auf den Film bekommen. Sind Sie vorbereitet auf den Ruhm?
Im Augenblick bin ich da ganz entspannt. Für mich ist das alles vor allem ein großer Spaß.
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Sublime. Drama. Argentinien 2022. Regie: Mariano Biasin. Darsteller*innen: Martín Miller, Inama Chiabrando, Azul Mazzeo, Joaquín Arana, Facundo Trotonda, Javier Drolas. Laufzeit: 100 Minuten. Sprache: spanische Originalfassung. Untertitel: Deutsch (optional). FSK 12. Salzgeber.
Links zum Thema:
» Filmkritik von Dieter Oßwald: Ungeahnte Gefühle für den besten Freund (15.05.2022)
» Interview: Holt "Sublime" den Teddy Award, Señor Biasin? (13.02.2022)
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