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Jahresrückblick, Teil VII

Tiefpunkte des Jahres 2022

Das Jahr 2022 brachte auch viele Tiefschläge. Wir stellen zehn negative Entwicklungen des Jahres vor, über die wir auf queer.de berichtet haben.


Alice Schwarzer arbeitete jahrzehntelang für die Gleich­behandlung von Frauen – warum sie jetzt für Diskriminierung von trans Menschen wirbt, bleibt ihr Geheimnis (Bild: Screenshot / Das Erste)

Tödliche Attacken auf queere Einrichtungen

Queerfeindlichkeit hat in diesem Jahr brutale Form angenommen. Allein im zweiten Halbjahr gab es drei tödliche Attacken auf queere Bars bzw. Clubs: In Oslo starben im Juni zwei Menschen, in Bratislava im Oktober weitere zwei Menschen und in Colorado Springs im November fünf Menschen. Hinzu kam tödliche Attacke auf trans CSD-Besucher Malte C. im August in Münster. In allen Fällen war wohl Queerfeindlichkeit der Auslöser.

Auch ansonsten gehen queerfeindliche Kräfte immer offener etwa gegen queere Demonstrationen vor – mit ganz alten Klischees: So wird CSDs pauschal vorgeworfen, das Kindeswohl zu gefährden. Hier sind Politik und Gesellschaft gefragt, diesem Trend etwas entgegen zu setzen. Ansonsten könnten derartige Attacken 2023 zum Alltag werden.

Vermehrt Attacken auf trans Menschen

In der queeren Community sind derzeit trans Menschen besonders gefährdet – mit Attacken, die Schwule aus der Vergangenheit kennen. Früher galt etwa mit Blick auf Schwule: Haltet sie von den Kindern fern, weil sie die Kleinen zur Homosexualität verführen wollen. Heute heißt es oft mit Blick auf trans Menschen: Haltet sie von Kindern fern, weil sie die Kleinen zur Transsexualität verführen wollen. Anders ist dieses Mal, dass auch ein Teil der feministischen Bewegung auf den Hass-Zug aufgesprungen ist.

Besonders aggressiv verhielt sich Alice Schwarzer, die in Deutschland quasi als Anführerin der feministischen Bewegung gilt. Sie griff gemeinsam mit ihrem Magazin "Emma" auch persönlich trans Menschen – insbesondere trans Frauen – an, etwa die Grünen-Abgeordnete Tessa Ganserer. Rechtsextreme Kreise, etwa die AfD-Abgeordnete Beatrix von Storch, nehmen diese Kampagnen dankend an. International sorgt vor allem "Harry Potter"-Autorin J.K. Rowling dafür, dass Transfeindlichkeit gesellschaftsfähig wird.

Im kommenden Jahr dürfte sich der Ton noch verschärfen: Dann soll das Selbstbestimmungsgesetz das völlig veraltete Transsexuellengesetz ablösen.

Teile der deutschen Presse entdecken die Queerfeindlichkeit

Eine besorgniserregende Entwicklung in Deutschland ist, wie sich die sogenannte "Mainstream"-Presse langsam wieder mit Homo- und Transphobie anfreundet – wie etwa die "Welt" im Artikel "Wie ARD und ZDF unsere Kinder sexualisieren und umerziehen". Auch die ebenfalls im Springer-Verlag erscheinende "Bild"-Zeitung macht mit Halbwahrheiten Stimmung insbesondere gegen Trans-Rechte oder reaktiviert den längst überwunden geglaubten Begriff des "Schwulen-Milieus.


Hass zur Auflagensteigerung?

Russland verschärft homophobe Kampagne

Das russische Regime setzt nach dem Einmarsch in die Ukraine verstärkt auf Homophobie: Erst Anfang Dezember unterzeichnete Präsident Wladimir Putin ein verschärftes "Homo-Propaganda"-Gesetz. Schon einen Monat vorher hatte er einen Erlass gegen "Homo-Propaganda" erlassen. Queere Organisationen mussten das Land bereits im Laufe des Jahres verlassen. Die Maßnahmen wurden in der Öffentlichkeit als Mittel zur Verteidigung russischer Werte gegen die westlichen Länder dargestellt.

Seine Queerfeindlichkeit versucht das Putin-Regime auch auf die besetzten Gebiete in der Ukraine auszuweiten: Die USA warnten etwa bereits im Vorfeld des Einmarschs vor gezielten Tötungen und Entführungen von ungeliebten Minderheiten.

Queerfeindliche CDU-Kampagne

Attacken aus der AfD sind wir in den letzten Jahren gewohnt. Dass die Union in der Opposition ebenfalls queerfeindliche Kampagnen startet, ist besorgniserregend. Insbesondere Ex-Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner machte sich damit einen Namen, etwa mit Ablehnung von trans Selbstbestimmung oder Kritik am Queerwein. Sie fungierte dabei auch als Stichwortgeberin für die AfD.

Union und AfD gemeinsam gegen queere Rechte

Unter demokratischen Fraktionen war die in großen Teilen rechtsextreme AfD bislang isoliert. CDU-Bundeschef Friedrich Merz versprach etwa eine "Brandmauer" gegen die AfD. Die CDU beginnt jetzt aber trotzdem, den demokratischen Konsens zu verlassen. Bei einer Abstimmung über geschlechtergerechte Sprache im Thüringer Landtag verließen sich die Christdemokrat*innen auf die Unterstützung der AfD-Fraktion des Rechtsextremisten Björn Höcke. Von Merz gab es dazu kein Wort. Sollte dieser Flirt der CDU mit Nazis Schule machen, müssen viele Minderheiten, auch queere Menschen, zittern.

WM im Verfolgerstaat Katar

In Katar steht auf Homosexualität sieben Jahre Haft, queere Muslim*innen können sogar zum Tode verurteilt werden. Trotzdem fand in dem Land mit der Fußball-WM das meistbeachtete Sportevent des Jahres statt. Und selbst kleine Gesten wie die "One-Love"-Binde wurden von der FIFA verboten, während der katarische WM-Botschafter ohne großen Widerspruch Homosexualität als "geistigen Schaden" bezeichnete und die katarischen Offiziellen Fans mit Regenbogenutensilien schikanierten.


Immerhin eine Regenbogenfahne schaffte es prominent ins Stadion (Bild: Screenshot itv)

Damit hat die FIFA mehr als klargemacht, dass sie Fußball als exklusiven Sport für Heterosexuelle betrachtet, in dem queere Menschen nach Gutdünken diskriminiert werden dürfen. Und FIFA-Chef Gianni Infantino verhöhnte Minderheiten während der WM sogar offen.

Vertane Chancen in der katholischen Kirche

Zu Jahresbeginn gab es mit dem Massen-Coming-out #OutinChurch in Deutschland Hoffnung auf eine offenere Kirche – doch noch immer betrachtet der Vatikan und die Mehrheit der katholischen Obrigkeit queere Menschen als nicht gleichwertig – und macht das auch sehr deutlich: So segnen Priester weltweit sogar Tiere und Autos, während der Vatikan stur am Segnungsverbot für homosexuelle Paare festhält. Trotz warmer Worte manch eines deutsches Bischofs: #OutinChurch spricht inzwischen von "Pinkwashing" der deutschen Kirche.

Praktisch unwidersprochen hetzen europäische Bischöfe unterdessen weiter: Erzbischof Wolfgang Haas warnt etwa fast wortgleich mit dem russischen Diktator Wladimir Putin vor "LGBT-Propaganda", Kardinal Wim Eijk bezeichnet Homosexualität pauschal als "moralisch böse" und Kurienkardinal Kurt Koch vergleicht den Synodalen Weg mit dem Nationalsozialismus. Alle drei sind übrigens trotz ihrer Ausbrüche noch immer im Amt, als wäre nichts geschehen – und werden wohl 2023 so weitermachen wie bisher.

Besonders unverhohlen hetzt die katholische Kirche Polens: Sie mutmaßte in einem Gerichtsverfahren sogar darüber, ob es schwulen Kindern Spaß macht, sexuell missbraucht zu werden. Auch die sich dieses Jahr weltoffen gebende deutsche Kirche lässt sich übrigens viele Hintertürchen für weitere Diskriminierungen offen, etwa im neuen kirchlichen Arbeitsrecht. Queere Menschen, die jetzt noch Kirchensteuern zahlen, müssen masochistisch veranlagt sein.

Olaf Latzel freigesprochen

Dass Hass auf queere Menschen in Deutschland noch immer als Kavaliersdelikt gilt, zeigt der Fall Olaf Latzel aus Bremen: Der evangelische Pastor hatte Homosexualität u.a. als "Degenerationsform von Gesellschaft" und als "todeswürdig" bezeichnet. CSD-Besucher*innen seien "Verbrecher", so der Christ weiter. Nach einer erstinstanzlichen Verurteilung erklärte das Landgericht Bremen aber, dass der Pastor eine weiße Weste hat. Queerfeindliche Kräfte dürfen damit in Deutschland nach Gutdünken gegen Minderheiten hetzen – vorausgesetzt, sie berufen sich auf die Bibel.

Linke Homophobie

Eigentlich vermutet man Queerfeindlichkeit eher im rechten und religiösen Spektrum, aber auch linksaußen sind Spott und Diskriminierung populär. Wie die Linkspartei mit diesem Hass 2022 umging, ist einfach nur erbärmlich. Nachdem Sahra Wagenknecht unter anderem queere Menschen als "skurrile Minderheit" bezeichnete, gab ihr die Linkspartei in einem Parteiausschlussverfahren praktisch einen Freibrief. Der Hintergrund ist wohl, dass Wagenknecht der einzige Politstar der gebeutelten Partei ist – und ein bisschen Hass wird wohl akzeptiert, damit man nicht in der Versenkung verschwindet.

Wagenknecht spielt unterdessen das typische Spiel der Hass-Fraktion: Sie behauptet, missverstanden worden zu sein, wiederholt aber die Attacken verklausuliert. Die "Progressive Linke" warnt davor, dass mit ihrem "sozialkonservativen Nationalpopulismus" die vermeintliche Mehrheit der deutschen Bevölkerung "in Stellung gebracht wird gegen Geflüchtete, queere Menschen, Klimabewegte und andere 'skurrile Minderheiten'".

-w-

#1 JajJaAnonym
  • 28.12.2022, 15:03h
  • "... warum sie jetzt für Diskriminierung von trans Menschen wirbt, bleibt ihr Geheimnis...-"
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    Alice Schwarzer ist alt geworden, sie hat nicht begriffen, daß sie für die Interessen der Rechtsextremen benutzt wurde und wird. Die Neo-Nazis haben eine klare Agenda gegen alle Queeren, und nun besonders gegen Transmenschen.
    Sie wussten ganz genau,. wenn sie die Thematik der Emanzen aufgreifen und diese geschickt miteinander verknüpfen, ruft es die TERFS auf den Plan. Das geht immer ganz einfach bei denen. TERFS sind nicht gerade seh intelligente Menschen, so kann man sie sehr einfach zu eigenen Zwecken einspannen, ohne das die das merken. Das ist bei allen verblendeten Dogmatikern so.

    Alice Schwarzer ist alt geworden, sie durchblickt manches nicht mehr richtig.
    Das ist keineswegs eine Entschuldigung für sie, aber eine Erklärung.
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#2 EchseAnonym
  • 28.12.2022, 15:36h
  • Antwort auf #1 von JajJa
  • Alice Schwarzer hatte schon immer einen mörderischen Hass auf trans Menschen. Das ist seit den 1980ern bekannt, damals war ihr selbst das verfassungswidrige Transsexuellengesetz noch zu liberal, weil ihr die Möglichkeit, überhaupt irgendwie den Geschlechtseintrag und Namen wechseln zu können, schon zu weit ging, selbst mit den dort festgeschriebenen unmenschlichen Auflagen.

    Das Ziel von Terfs war von Anfang an unsere völlige Auslöschung durch ein Verbot jeglicher Transitionsmaßnahmen und das verfolgen sie bis heute. Das geben sie eben außerhalb ihrer eigenen Kreise nur (noch) nicht offen zu.
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