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Vierte Attacke
Schon wieder Schändung des Grabs von Ella Nik Bayan
Ella Nik Bayan starb im September vergangenen Jahres, nachdem sie sich auf dem Berliner Alexanderplatz selbst entzündete. Nun wurde ihr Grab zum vierten Mal binnen eines Jahres verunstaltet.
- 28. Dezember 2022, 16:36h 3 Min.
Drei Mal war das Grab der transgeschlechtlichen Ella Nik Bayan bereits geschändet worden. Immer wieder hatten es Unbekannte auf die aus dem Iran stammende Frau abgesehen, die sich im September 2021 auf dem Berliner Alexanderplatz selbst entzündet hatte und später ihren Verletzungen im Krankenhaus erlag (queer.de berichtete).
Nun, kurz vor Weihnachten, folgte eine vierte Attacke auf das Grab in Berlin-Lichtenberg. Dabei wurde ein in eine Plastikfolie eingeschweißtes Gedicht hinterlassen, aus dem eine christlich-fundamentalistische Motivation hervorgeht. Demonstrant*innen protestierten mit einer Kundgebung gegen die anhaltenden Grabschändungen.
Anspielung an Sodom und Gomorra
Auf die Schändung machte der LSVD Sachsen-Anhalt aufmerksam. Bayan, die den meisten einfach als Ella bekannt ist, hatte vor ihrem Umzug nach Berlin im sachsen-anhaltischen Magdeburg gelebt und war dort unter anderem in einem Projekt für queere Geflüchte aktiv.
Im hinterlassenen, eigens verfassten Gedicht wird behauptet, Gott habe die Menschen "als Mann und Frau" geschaffen. Nur ein "Ketzer" könne dies bestreiten. Der Text, der sich teilweise direkt an Ella wendet, enthält zudem als Hohn auffassbare Formulierungen sowie Anspielungen daran, dass das Leben von LGBTI "Unfug" sei und dazu führe, dass Gott ganze Städte vernichte.
Gemeint sind augenscheinlich die Städte Sodom und Gomorra, die in der Bibel aufgrund des "sündigen" Verhaltens ihrer Bewohner*innen vernichtet werden. Auf der Rückseite des Ausdrucks befindet sich ein Standbild aus einem Video, das Unbekannte von der Selbstverbrennung angefertigt und im Internet verbreitet hatten.
Aus Protest gegen die anhaltenden Attacken auf das Grab fand am Nachmittag des 23. Dezember eine Kundgebung vor dem Eingang des Friedhofes statt. Dabei legten Demonstrant*innen unter anderem Blumen und Kerzen nieder.
/ LSVD_LSAVielen Dank an alle Menschen, die sich gestern solidarisch mit Ella und allgemein mit trans Menschen solidarisch gezeigt haben ihr seid super! Gemeinsam gegen ihren Hass! #Ellaunvergessen pic.twitter.com/WmCP2PClWJ
LSVD Sachsen-Anhalt e.V. (@LSVD_LSA) December 24, 2022
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Bereits Anfang des Jahres, am 1. sowie am 4. Januar, hatten Unbekannte Ellas letzte Ruhestätte verunstaltet (queer.de berichtete). Ein weiterer Angriff erfolgte Ende Juli, kurz vor dem großen Berliner CSD (queer.de berichtete). Auch bei den anderen Schändungen waren teilweise Gegenstände in höhnischer Absicht niedergelegt worden.
Dass die Täter*innen ihre Tat in einen christlich-fundamentalistischen Kontext setzten, ist allerdings neu. Hinter den Schändungen könnten jedoch auch unterschiedliche Personen stecken.
Ein Fachkommissariat des Polizeilichen Staatsschutzes hatte in der Serie bereits die weiteren Ermittlungen übernommen, "da der Verdacht einer transfeindlichen Motivation für die Straftat, Störung der Totenruhe und Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener im Raum steht".
Polizei entschuldigte sich, Feuerwehr und Krankenhaus mauern
Im April entschuldigte sich ein Pressesprecher der Berliner Polizei für die Öffentlichkeitsarbeit seines Hauses im Fall Ella. Er räumte ein, dass die Fehler in der Kommunikation das Vertrauen in die Behörde erschütterten. queer.de hatte über Monate auf die Widersprüche und problematischen Botschaften in der öffentlichen Darstellung von Ellas Suizid am Berliner Alexanderplatz hingewiesen (queer.de berichtete).
Im Fall der verbreiteten Fotoaufnahmen schoben sich zuletzt das Unfallkrankenhaus Berlin und die Berliner Feuerwehr, die die Rettungswache am Unfallkrankenhaus betreibt, gegenseitig die Verantwortung zu (queer.de berichtete). (jk)
Sprich mit anderen darüber. Freund*innen oder Verwandte könnten gute Ansprechpartner*innen sein.
Die Telefonseelsorge ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr erreichbar. Die Telefonnummern lauten: 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222.
Für trans Personen gibt es in Deutschland ein großes Netzwerk aus Treff-, Unterstützungs- und Beratungsangeboten. So bietet etwa die Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität mehrere Beratungsstellen. Weitere lokale Angebote lassen sich oft über Suchmaschinen finden.















