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Jahresrückblick, Teil VIII
Die 15 bedeutendsten Coming-outs des Jahres 2022
Jedes einzelne Coming-out trägt dazu bei, die Sichtbarkeit von LGBTI zu erhöhen. Wir blicken zurück auf die 15 beeindruckendsten "Ach übrigens, ich bin..." von 2022.

Handball-Profi Jacob Bjørn Hessellund gehörte zu denjenigen, die sich dieses Jahr geoutet haben (Bild: Instagram / hessellundjacob)
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29. Dezember 2022, 04:15h 4 Min.
Diese 15 queeren Prominenten haben sich 2022 als schwul, lesbisch, bi, pansexuell, trans oder nichtbinär geoutet (in alphabetischer Reihenfolge):
Kit Connor (geb. 2004)

Bild: Netflix
Eigentlich sollten sich junge Menschen outen, wenn sie dazu bereit sind. Schauspieler Kit Connor wurde jedoch faktisch zum Coming-out gezwungen: Der gerade mal 18-Jährige wurde des "Queerbaitings" beschuldigt, weil er in der Netflix-Serie "Heartstopper" den bisexuellen Nick spielte. Am Ende sah er sich gezwungen, Gerüchte aus der Welt zu schaffen und sich ebenfalls als bisexuell zu outen.
Jake Daniels (geb. 2005)

Bild: Instagram
So langsam erreicht queere Offenheit auch den Profifußball der Männer: Den Anfang machte dieses Jahr der englische Nachwuchsspieler Jake Daniels. Mit gerade mal 17 Jahren outete sich der Spieler des FC Blackpool – und erhielt die Unterstützung seines Vereins und des Fußballverbandes.
Thomas Fleischmann (geb. 1981)

Bild: Screenshot Sky Sport News
Der katarische WM-Botschafter Khalid Salman hatte allen Schwulen einen "geistigen Schaden" attestiert. Besonders cool reagierte darauf der langjährige Sportmoderator Thomas Fleischmann im Sportkanal des Pay-TV-Senders Sky. Er moderierte seine Sendung mit den Worten an: "Laut Katars WM-Botschafter habe ich einen geistigen Schaden. Ich versuche trotzdem, irgendwie unfallfrei durch die nächsten Minuten zu kommen. Ich hoffe, Sie sind mit dabei. Willkommen hier bei Sky Sport News."
Davin Herbrüggen (geb. 1998)

Bild: TVNOW / Stefan Gregorowius
Vor drei Jahren gewann der Sänger Davin Herbrüggen die Castingshow "Deutschland sucht den Superstar". Damals hatte er höllische Angst davor, dass Menschen von seinem Schwulsein erfahren, denn er hatte im privaten Umfeld mit seinem Coming-out nicht immer gute Erfahrungen gemacht. Dieses Jahr griff er sich dennoch ein Herz – und sprach auch über seine Liebe zu seinem Verlobten.
Jacob Bjørn Hessellund (geb. 1992)
"Ich werde mit allergrößter Wahrscheinlichkeit nicht mit einem süßen Mädchen zusammen sein, sondern mit einem wundervollen Jungen." Mit diesen Worten outete sich der dänische Handball-Erstligist Jacob Bjørn Hessellund. Und das in einer Sportart, in der Coming-outs noch selten sind.
Ola Hoftun Lillelien (geb. 2000)

Bild: Drammen HK
Auch Ola Hoftun Lillelien aus der norwegischen ersten Liga spricht erstmals über seine Homosexualität. Er wolle damit auch zeigen, dass Sport für alle da sei.
Avi Jakobs (geb 1991)
Nachdem Netflix die erste Staffel von "Queer Eye Germany" gezeigt hat, gab die Hair- und Make-up-Artistin bekannt: "Ich bin ab jetzt die Avi." Das Pronomen "er" fühle sich für sie nicht mehr wirklich gut an.
Dan Jervis (geb. 1996)
Solche Vorbilder brauchen junge Christ*innen: Der walisische Spitzenschwimmer will mit seinem Coming-out beweisen, dass man schwul und gläubig sein kann.
Breezy Johnson (geb. 1996)
"Also, ich bin bisexuell. Vor dem Saisonstart wollte ich offen sagen, wer ich bin." Mit diesen einfachen Worten beendet eine der besten amerikanischen Skifahrerinnen ein langes Versteckspiel.
Darja Kassatkina (geb. 1997)

Bild: Twitter / Витя Кравченко
Ein Coming-out ist immer mutig, ganz besonders aber im Fall von Darja Kassatkina: Während der kriegerische Heimatstaat der Russin immer mehr gegen queere Menschen vorgeht, spricht sie erstmals über ihre Homosexualität. Und Putin und Co. müssen zugeben: Die beste russische Tennisspielerin ist eine lesbische Frau.

Bild: Screenshot Sky News
"Sein Outing zeugt im besten Sinne des Wortes von einem gesunden Selbstbewusstsein. Und ich hoffe sehr, dass solch ein Schritt in unserer Gesellschaft in absehbarer Zeit einfach als sehr normal angesehen wird, denn es geht immer um den Menschen", erklärte Andreas Michelmann, der Chef des Deutschen Handballbundes. Sein Wort in Gottes Ohr!
Janelle Monáe (geb. 1985)

Bild: Promo
Bereits 2018 hatte sich hat sich die Sängerin ("We Are Young") und Schauspielerin ("Hidden Figures") als pansexuell geoutet. Dieses Jahr sprach sie auch erstmals über ihre nichtbinäre Identität.
Michael Rauchenstein (geb. 1990)

Bild: SRF
Mit Michael Rauchenstein ist einer der bekanntesten Journalisten der Schweiz out: "Vielleicht hilft es dem einen oder anderen, dass ich als 'Tagesschau'-Moderator offen zu meiner Homosexualität stehe", sagte der 32-Jährige.
Mariana Varela und Fabiola Valentin

Bild: Instagram
Die 26-jährige Varela war einst Miss Argentinien, die 22-jährige Valentin wurde zur Miss Puerto Rico gewählt. Jetzt haben sie ihre Liebe öffentlich gemacht – Ende Oktober heiratete das Paar.
Rebel Wilson (geb. 1980)

Bild: Netflix
Eher unfreiwillig outete sich dieses Jahr die weltbekannte Komikerin Rebel Wilson ("Pitch Perfect") – eine australische Zeitung setzte sie unter Druck.
Weitere Jahresrückblicke:
➤ Die wichtigsten queeren Filme 2022
➤ Die wichtigsten queeren Serien 2022
➤ Die besten asiatischen Gay-Romance-Serien 2022
➤ Die queeren Shooting Stars 2022 im Film
➤ Die wichtigsten queeren Bücher 2022
➤ Höhepunkte des Jahres 2022
➤ Tiefpunkte des Jahres 2022



















Genau so ist es.
Denn jedes einzelne Coming-out zeigt nicht nur, wie viele wir sind und wie vielfältig wir sind, sondern es trägt auch dazu bei, das Thema alltäglicher und sichtbarer zu machen.
Genau deshalb haben die LGBTI-Hasser etwas gegen Coming-outs und reden immer davon, dass man doch diskret sein solle. Denn sie wollen uns unsichtbar machen, um leichter ihren Kampf gegen unsere volle Gleichstellung und volle Akzeptanz führen zu können.
Das dürfen wir nicht hinnehmen oder gar unterstützen.
Deswegen ist jedes einzelne Coming-Out wichtig und sinnvoll.
Damit wir uns nicht falsch verstehen:
Niemand muss sich outen, wenn man sich damit in Gefahr bringt. Oder wenn man z.B. noch bei homophoben Eltern wohnt und deshalb obdachlos werden könnte.
Aber wenn der Zeitpunkt gekommen ist, sollte man sich auch outen. Und wer einen dann nicht akzeptiert, hat einen niemals wirklich akzeptiert, sondern nur das Image, was man vorgespielt hat. Auf solche Leute kann man dann verzichten.