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Über 2.600 Fälle bis August 2022

Hass und Hetze im Netz: Erneut Hunderte Verfahren in Berlin

Auch queere Menschen werden regelmäßig Opfer von Hass und Hetze – vor allem im Internet. Die Berliner Staatsanwaltschaft sieht aber Fortschritte im Kampf gegen die Taten.


Wie kann Onlinehetze gestoppt werden? (Bild: IMAGO / Future Image)
  • 29. Dezember 2022, 08:15h 6 3 Min.

Die Berliner Staatsanwaltschaft hat auch in diesem Jahr Hunderte Fälle von Hasskriminalität verfolgt. Bis Ende August registrierte die Zentralstelle Hasskriminalität insgesamt 2.606 Fälle, in denen Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung, geschlechtlichen Identität, Religion oder politischen Arbeit angegriffen wurden. In 961 Fällen davon ging es um Straftaten im Internet, wie Leiterin Ines Karl der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage sagte. 659 Verdächtige sind namentlich bekannt.

Im von der Corona-Pandemie geprägten Gesamtjahr 2021 registrierte die Zentralstelle insgesamt 3.735 Verfahren, davon 1.637 im Internet. 1.085 Verdächtige konnten damals namentlich ermittelt werden.

Im Jahr vor der Corona-Pandemie nahm die Staatsanwaltschaft insgesamt 2.068 Fälle von Hasskriminalität auf, 2017 waren es noch 1.133. Damals wurden solche Taten von der Staatsanwaltschaft generell erfasst.

Oberstaatsanwältin beklagt "Verrohung im Netz"

"Es hat eine Verrohung im Netz stattgefunden. Aus meiner Sicht auch, weil lange Zeit wenig getan wurde und kaum Grenzen aufgezeigt wurden", meinte Oberstaatsanwältin Karl.

Seit September 2020 gibt es die Zentralstelle Hasskriminalität. Die Behörde war nach den Anschlägen in Halle und Hanau entstanden und will Rassismus, Antisemitismus und anderen Formen gruppenbezogener Anfeindungen besser begegnen können. Die Mitarbeitenden suchen den Kontakt zu Beratungsstellen, Interessenvertretungen oder sind auf Veranstaltungen vertreten. "Wir wollen so das Vertrauen in Polizei und Justiz stärken", sagte Karl.

Anzeigebereitschaft queerer Menschen steigt

Bevor die Juristin die Leitung der Zentralstelle übernahm, war sie seit 2012 bei der Staatsanwaltschaft eine der Ansprechpartnerinnen im Bereich LSBTI (Lesben, Schwule, Bi-, Trans- und Intersexuelle). Karl sieht seitdem Fortschritte, etwa bei der Anzeigebereitschaft in der Community: "In den acht Jahren haben sich die Anzeigen vervierfacht", sagte sie. 2012 habe es in dem Bereich noch rund 100 Anzeigen gegeben.

Letztlich sei es schwer zu beurteilen, ob es sich bei den steigenden Zahlen darum handele, dass Taten aus Dunkelfeld herausgeholt würden oder ob es generell eine Zunahme der Taten gebe. "Eine Liberalisierung der Gesellschaft bringt auch mit sich, dass es viel mehr Berührungspunkte und Konflikte gibt, als wenn alle Menschen im stillen Kämmerlein sitzen und sich nicht outen."

Wichtig sei in jedem Fall, den Betroffenen zu vermitteln, dass die Anfeindungen ernst genommen werden. "Anders als früher nehmen wir immer ein öffentliches Interesse an, wenn Einzelne als Repräsentant oder Repräsentantin einer Gruppe angegriffen werden", erklärte Karl. "Es muss im Interesse des Staates sein, diese Gruppen zu unterstützen."

Die Hürden für eine Anklage sind hoch

Dass es in einem Großteil der Verfahren nicht zur Anklage komme, mache viele Menschen betroffen, schilderte die Juristin. "Die Hürden sind jedoch hoch. Manche Äußerungen, die von Betroffenen als Hasskriminalität empfunden werden, sind nach der Rechtsprechung noch von der Meinungsfreiheit gedeckt", erklärte sie.

Im Jahr 2021 seien in 64 Fällen Geldstrafen per Strafbefehl ausgesprochen worden, also ohne mündliche Verhandlung. In 169 Fällen seien die Vorwürfe mit bereits laufenden Verfahren von Beschuldigten zusammengeführt worden. 538 Verfahren seien an die Staatsanwaltschaft abgegeben worden, wo die Verdächtigen ihren Wohnsitz hatten. (cw/dpa)

-w-

#1 SebiAnonym
  • 29.12.2022, 09:58h
  • Oberstaatsanwältin beklagt "Verrohung im Netz"

    Volle Zustimmung!

    Und jedem ist klar, dass der Hauptgrund dafür die (a)sozialen Netzwerke sind.

    Die Hetze gibt es ja nicht auf seriösen Webseiten von Medien, Organisationen, Vereinen, Unternehmen, etc. Sondern das gibt es auf Twitter, Facebook, Instagram, TikTok, YouTube, etc. Weil diese 1. mit ihren Algorithmen bewusst Filterblasen schaffen, um die Leute möglichst lange im eigenen Angebot zu halten und damit Profite zu maximieren. Und weil sie 2. kaum kontrollieren und selbst auf Beschwerden kaum reagieren, solange der Fall nicht in den Medien publik wird.

    Genau da muss man ansetzen: durch transparente Algorithmen, ein Verbot von Dark Pattern, die Pflicht eine Beschwerde innerhalb von 24 Stunden zu prüfen und die Ablehnung zu begründen, so dass man notfalls dagegen klagen kann, etc.

    Solange das Problem nicht an der Wurzel bekämpft wird, sind alle weiteren Versuche nur ein Herumdoktern an den Symptomen und letztlich ein aussichtsloser Kampf gegen Windmühlen.
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#2 TimonAnonym
  • 29.12.2022, 13:16h
  • Antwort auf #1 von Sebi
  • Man hat es leider versäumt, von Beginn an zu regeln, dass Internetangebote, wo Nutzer etwas veröffentlichen können, jeder Kommentar vor der Veröffentlichung geprüft werden muss und der Anbieter für rechtswidrige Kommentare rechtlich belangt werden kann.

    So, wie es bei Printmedien immer schon Standard war und ist.

    Dann wäre dieser ganze Moloch Twitter, Facebook, Instagram & Co uns erspart geblieben. Und die Welt wäre friedlicher und die Gesellschaft weniger gespalten. Es geht ja nicht nur um Hetze, sondern auch um das Vermitteln falscher Körperbilder, gefährliche Mutproben und "Pranks", Schleichwerbung, demokratiegefährdende Wählerbeeinflussung durch Micro-Targetting, Einsatz Sucht-fördernder psychologischer Tricks wie man sie aus dem Glücksspiel kennt, etc etc etc.

    Und das alles nur, damit große, unkontrollierbare Tech-Konzerne, die den Hals niemals voll bekommen werden, noch mehr Profite machen und noch mächtiger werden.

    Jetzt ist es für strengere Regeln natürlich zu spät, da die dann ihre Troll-Armee süchtiger User losschicken. Das hätte man am Anfang machen müssen, bevor sie zu groß und zu mächtig wurden.
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#3 EchseAnonym
  • 29.12.2022, 15:39h
  • Antwort auf #1 von Sebi
  • Doch, gerade transfeindliche Hetze kommt auch von Medien und Organisationen, die landläufig als "seriös" gelten. Ich erinnere hier daran, wie Marie Luise Vollbrecht, Alex Korte und andere Transhasser in der WELT auf unterstem Nazi-Niveau gegen uns hetzen durften - Frau Vollbrecher hat danach in einem ihrer üblichen Trotzanfälle ihren Job bei dem Blatt hingeworfen, weil die Chefredaktion es gewagt hat, ihre Hasstirade entschuldigend als "kontroverse Meinung" zu bezeichnen, die man aus Gründen der Meinungsvielfalt abdrucke, aber nicht unbedingt teile. Das war ihr dann nicht genug Rückendeckung und sie wurde bockig (so viel zur angeblichen "cancel culture"). Im gleichen Blatt durfte Kai Burkhart ebenfalls in diesem Jahr Werbung für "What is a woman?" machen, den transphoben Propagandafilm des rechtsextremen Fundamentalisten und Kinderehen-Befürworters Matt Walsh, den Herr B. "wirklich witzig" fand. Das war übrigens kurz nach dem Attentat in Colorado Springs, als bereits klar war, wohin genau diese Art Hetze in den USA inzwischen führt. Herr Burkhart will genau das vielleicht auch in Deutschland, wer weiß.

    Nun kann man sagen "Springer-Presse halt, ich meinte SERIÖSE Medien". Es war aber leider (bis ziemlich genau zum Mord an Malte C. in Münster) auch in sich selbst als linksliberal inszenierenden Medien völlig normal, wohl zur Generierung klickzahlfördernder Kontroversen, Transphobie zu plattformen. Im SPIEGEL durfte Kulturressortleiter Sebastian Hammelehle ungeniert Elliott Page deadnamen und sich echauffieren, bereits der Begriff Deadnaming erinnere ihn an 1984. In der ZEIT wurde - als Schmankerl für die Abonnenten hinter der Paywall - die britische Ober-Terf Kathleen Stock ebenso geplattformt wie der transphobe Uni-Vortrag von Marie Luise Vollbrech-Reiz. Und die taz hat sich mit Jan Feddersen jahrelang einen transhassenden Redakteur geleistet, der neben eigener Hetze auch gern Terfs zu seinen Queer Lectures eingeladen oder Truscums wie Till Amelung in der taz eine Bühne geboten hat. Wie gesagt, das war alles völlig normal, es lief ständig so, bis sie Malte totgeschlagen haben. Danach hat es wenigstens im "linken" Teil der Mainstream-Presse nachgelassen. Rechts wurde es dagegen eher noch schlimmer.

    Wenn man meint, das sei ein Problem ungehemmt in den sozialen Medien herumpostender Privatleute, dann verschließt man die Augen vor der institutionellen Rückendeckung, die Queerfeindlichkeit nicht immer noch, sondern IMMER MEHR erfährt. Diese Form von Kampagnenjournalismus ist in den USA und UK inzwischen fest etabliert und es gibt Kräfte, die das auch in Deutschland gern so hätten. Die Folgen werden wir alle spüren - wer heute gegen Selbstbestimmungsgesetze für trans Personen hetzt, wird morgen daran arbeiten, schwulen Sex zu rekriminalisieren. Beides wird von den gleichen Kreisen finanziert, seien sie nun katholisch, evangelikal, orthodox oder sunnitisch - im Normalfall steckt auch noch jede Menge Geld aus der Öl- oder Gas-Industrie dahinter, egal ob das Geld vom texanischen Ölbaron, dem russischen Oligarchen oder dem Scheich vom Golf kommt.

    Unser Problem ist nicht der vereinzelte kleine Idiot hinter seinem Rechner. Unser Problem sind Gruppen wie Citizen Go, die Heritage Foundation oder die saudischen und qatarischen Investoren bei der Twitter-Übernahme. Oder Parteien wie AfD, CDU/CSU, Vox, Tories und Republikaner. Denn die machen sowas erst massenkompatibel. Politik wird durch Organisation gemacht, nicht durch Individuen. Organisationen, für die wir der perfekte Sündenbock sind, um von globalen Problemen wie dem Klimawandel abzulenken. Wenn wir das nicht lernen, stehen uns dunkle Zeiten bevor.
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