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Jahresrückblick, Teil IX

In Memoriam 2022

Auch dieses Jahr mussten wir uns von vielen lieb gewonnenen Menschen verabschieden. Wir erinnern an die Persönlichkeiten, die einen beträchtlichen Einfluss auf die LGBTI-Community gehabt haben.


Wir gedenken der Verstorbenen des zu Ende gehenden Jahres (Bild: JackPeasePhotography / flickr)

Von diesen 17 queeren Persönlichkeiten und "Straight Allies" mussten wir uns 2022 verabschieden (in alphabetischer Reihenfolge):

Gerda Ballon (1950-2022)


Bild: Screenshot / hr

Gerhard Stein alias Gerda Ballon war als Gründer von "Gerdas kleiner Weltbühne" eine Institution in Mühlheim am Main. In den Siebziger- und Achtzigerjahren musste sich der Drag-Künstler gegen die damalige Homophobie durchsetzen, bis seine Heimatstadt ihn schätzen lernte.

James Bidgood (1933-2022)


Bild: Archiv

Mit "Pink Narcissus" kreierte der Amerikaner James Bidgood vor einem halben Jahrhundert ein Meisterwerk des schwulen Kitsches. Er beeinflusste mit seinem Werk Künstler wie Pierre et Gilles oder auch den Rapper Lil Nas X.

Sebastian Böhm (1986-2022)

Der Magdeburger Sebastian Böhm betrieb den legendären Friseursalons "Hairricane". Er frisierte Promis wie Tokio-Hotel-Frontmann Bill Kaulitz oder Schlagersängerin Andrea Berg. Auch internationale Stars wie Shakira gehörten zu seinen Kund*innen.

Malte C. (1997-2022)


Bild: privat

Der Tod von Malte C. erschütterte im Spätsommer die deutsche Community. Der trans Mann war auf dem CSD Münster von einem offenbar queerfeindlichen 20-Jährigen angegriffen worden und starb eine Woche später im Krankenhaus.

Aaron Carter (1987-2022)


Bild: Instagram / aaroncarter

Der jüngere Bruder von Nick Carter ("Backstreet Boys") war einst ein Kinderstar. Später litt er am ausbleibenden Erfolg und berichtete über psychische Probleme und Drogeneskapaden. 2017 outete sich der Amerikaner als bisexuell.

Kevin Conroy (1955-2022)

Der US-Schauspieler war der erste offen schwule Batman-Darsteller. Er war auch als Originalstimme des Fledermausmannes in Zeichentrickserien und -filmen bekannt.

William Hurt (1950-2022)


Bild: Island Archive

William Hurt spielte die Hauptrolle als schwuler Häftling im Kultfilm "Der Kuss der Spinnenfrau". Dafür erhielt er 1986 den Oscar als bester Hauptdarsteller.

Jim Kolbe (1942-2022)


Bild: privat

Jim Kolbe war der zweite Republikaner, der sich im US-Kongress als schwul geoutet hat. Zu dieser Zeit – 1996 – war dies noch kontrovers. Trotzdem konnte der Konservative mehrfach seinen Wahlkreis verteidigen und schied erst 2007 aus dem Kongress aus. Vor seinem Coming-out stimmte er gern gegen LGBTI-Rechte, danach änderte er seine Meinung.

Luc Montagnier (1932-2022)

Luc Montagnier entdeckte Anfang der Achtzigerjahre den Aidserreger HIV. 2008 erhielt er für seine Arbeit den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin.

Manfred Thierry Mugler (1945-2022)


Bild: Promo

Der schwule Designer gehörte zu den Superstars der Modewelt. Er war wegen seiner unverwechselbaren Ästhetik bekannt und kleidete Stars wie Lady Gaga ein.

Hans Neuenfels (1941-2022)

Der Theater- und Opernregisseur drehte 1983 den homoerotischen TV-Film "Reise in ein verborgenes Leben". Damals weigerte sich jedoch der SFB, das Werk auszustrahlen – wegen "Pornografieverdachts".

Wolfgang Petersen (1941-2022)

Der deutsche Star-Regisseur ("Das Boot", Outbreak", "Air Force One") wurde 1977 mit seinem Fernsehfilm "Die Konsequenz", der von schwuler Liebe handelte, zum Tabubrecher. Der damals extrem homophobe Bayerische Rundfunk blendete sich bei der ARD-Erstausstrahlung aus.

Randy (1989-2022)


Bild: Sean Cody

Randy war der meistbeschäftigte Darsteller des US-Labels "Sam Cody" – und ein Idol vieler Schwuler. Er sprach vor seinem Tod offen über seine Drogenprobleme.

Margot von Renesse (1940-2022)


Bild: Deutscher Bundestag / Foto- und Filmstelle

Die engagierte SPD-Politikerin setzte sich intensiv für queere Rechte ein. "Ohne sie hätte ich das Lebenspartnerschaftsgesetz gegen die damalige Justizministerin [Herta Däubler-Gmelin] so nicht durchsetzen können, erinnerte sich der Grünenpolitiker Volker Beck später. Von Renesse war von 1990 bis 2002 Mitglied des Deutschen Bundestages.

Dominic Smith (1988-2022)


Bild: TVNOW

Dominic Smith war 2019 die wohl schillerndste Figur in der preisgekrönten ersten Staffel von "Prince Charming".

Uschi Unsinn (1968-2022)

Uwe Scherzer engagierte sich als Nürnberger Kommunalpolitiker und Dragqueen für die queere Community – und wurde dafür weit über alle Parteigrenzen hinaus geschätzt.

Betty White (1922-2021)


Bild: TV Land

Bereits am Silvestertag 2021 ging das "Golden Girl" von uns: Betty White war nicht nur wegen ihrer Rollen eine Ikone der Community, sondern engagierte sich auch für queere Rechte.

Weitere Jahresrückblicke:
Die wichtigsten queeren Filme 2022
Die wichtigsten queeren Serien 2022
Die besten asiatischen Gay-Romance-Serien 2022
Die queeren Shooting Stars 2022 im Film
Die wichtigsten queeren Bücher 2022
Höhepunkte des Jahres 2022
Tiefpunkte des Jahres 2022
Die 15 bedeutendsten Coming-outs des Jahres 2022

06.04.25 | Queer Cinema Classics, Teil 51
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25.03.25 | Bild des Tages
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16.11.22 | Bild des Tages
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-w-

#1 FelixAnonym
  • 30.12.2022, 06:39h
  • Eben den Nachruf für Vivian Westwood gesehen die gestern von uns ging.
    Ebenfalls eine großartige Person die für empowerment stand.
    Die catwalks ihrer Models waren so schön anzusehen. So viel gute Laune, wunderschöne Menschen die lachen und einfach Spaß haben auf dem Laufsteg.
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#2 LothiAnonym
  • 30.12.2022, 07:08h
  • Antwort auf #1 von Felix
  • Ich wage zu behaupten sie war eine der unangepassten, aufregenden Modedesignerin. Engagierte sich politisch und trat ein für unsere Community. Sie hat ein sehr bewegtes Leben geführt. Es macht gute Laune ihre Biografie zu lesen.
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#3 23601Anonym
  • 30.12.2022, 07:22h
  • Leider vermisse ich in der Liste Dame Angela Lansbury, die sich in den 1980ern und 1990ern sehr stark für die Bekämpfung von Aids gemacht hat! Daneben war sie immer in ihrer 80 Jahre umfassende Karriere mit der LGBT Community verbunden. Lansbury starb im Oktober nur wenige Tage vor ihrem 97 Geburtstag.
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