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Heimkino
Wenn die gelebte Liebe nicht den Erwartungen entspricht
In der romantischen Komödie "Almost Love" von Mike Doyle spielen Scott Evans und Augustus Prew ein schwules Paar in New York, in dessen Beziehung es nach fünf Jahren zu kriseln beginnt.

Adam und Marklin sind seit fünf Jahren ein Paar, aber nicht wirklich glücklich miteinander (Bild: Pro-Fun Media)
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30. Dezember 2022, 13:29h 4 Min.
Die unstillbare Sehnsucht nach Liebe und dauerhaft glücklichen Beziehungen bietet schier grenzenlosen Stoff für Geschichten, die mit ihren Dynamiken und Wendungen unsere Tränendrüsen, unsere Denkerfalten, unsere Lachmuskeln oder alle zusammen in heftige Bewegung bringen können.
Besonders pikant kann es werden, wenn sich die liebessehnsüchtigen Empfindungen und Taten gleich mehrerer miteinander verwobener Menschen und Schicksale queren. Daraus schöpfen nicht nur die klassischen Komödienstoffe eines William Shakespeare ihren unverbrauchten Charme – auch Jahrhunderte später lässt sich auf Mittel wie leicht skurile Eigenwilligkeiten der Figuren, irrige Annahmen, enttäuschte Hoffnungen, verschlimmbessernde Problemlösungsversuche und sich bei alledem munter kreuzende Beziehungsverflechtungen eine lach-lust-spannungsreiche Story bauen.
Der Ghostpainter und der Männermoden-Blogger

"Almost Love" ist am 16. Dezember 2022 bei Pro-Fun auf DVD erschienen
Genau dies ist auch das Ansinnen von "Almost Love" (Amazon-Affiliate-Link ), einer 2019 unter der Regie und nach dem Drehbuch von Mike Doyle in den USA produzierten Komödie. "Almost Love" führt uns in die Beziehungsverirrungen einer Clique von Freund*innen im New York der Gegenwart. Im Zentrum des Geschehens stehen der sich für eine berühmte, aber gänzlich unkreative Malerin als Ghostpainter verdingende Adam und sein als Männermoden-Blogger bestens verdienender Freund Marklin.
Die ins fünfte Jahr gegangene Beziehung des schwulen Paares hält nicht, was sie nach den immer wieder verlautbarten Bekundungen von Adam und Marklin zu versprechen scheint. Besonders Adam ist frustriert, weil Marklin selbst in den von Adam liebevoll herbeigeführten romantischen Momenten ans ewig klingelnde Handy geht oder meint, die Szene für seinen Blog fotografieren und ausschlachten zu müssen.
Auch die Freund*innen haben Beziehungsprobleme
Demgegenüber weicht Henry, der neue und etwas schlaksige Liebhaber der durchaus barock geformten Cammy, mit der Adam und Marklin befreundet sind, nicht von ihrer Seite. Dies allerdings, wie sich plötzlich und zum Entsetzen der immer an ganz spezielle, sie unglücklich zurücklassende Typen geratenden Cammy herausstellt, weil Henry sein Quartier sonst auf der Straße oder im Obdachlosenheim hat.
Der Freund der ebenfalls zur Clique gehörenden College-Vorbereitungslehrerin Haley hat demgegenüber zwar einen festen Wohnsitz; es handelt sich jedoch um einen ihrer – noch dazu minderjährigen – Schüler, dem die vom Alleinsein gemarterte Haley in einer Mischung aus notdürftig unterdrückter Leidenschaft und überschießender Bemutterung hoffnungslos verfallen ist. Bleibt noch die seit Langem verheiratete Elizabeth, die plötzlich zu entdecken meint, dass Liebe und Treue ihres Mannes doch nicht so unverbrüchlich sind, wie sie bisher immer glaubte.
Das "Almost Love"-Symptom
Das Verbindende der ansonsten ja sehr verschiedenartigen "Beziehungskisten" aller Beteiligten ist, wie der Filmtitel uns schon verrät, das "Almost Love"-Symptom – der kaum übersehbare Umstand, dass die ersehnte Liebe in keinem Fall das ist, was sie nach Vorstellung der Protagonist*innen sein sollte, und alle Versuche, sie doch (wieder) auf die richtige Bahn zu bringen, nicht glücken wollen. Jedenfalls erst einmal nicht, denn am Ende gibt es denn doch jede Menge Happy End. Alle Fäden finden sich zu guter Letzt zurechtgezurrt.

Michelle Buteau als Cammy in "Almost Love" (Bild: Pro-Fun Media)
Das Filmende stellt sich nach etwa 90 Minuten ein – 90 Minuten, die mir bei "Almost Love" sehr, sehr lang vorkommen. Gute Komödien zu produzieren, ist bekanntlich noch anspruchsvoller als gute Dramen in Szene zu setzen. Aus dem Grund-Beziehungsgeflecht der Story von "Almost Love" hätte durchaus etwas Interessantes werden können. Leider lässt mich der Film als Zuschauer aber vollständig draußen: Ich vergesse in keiner Minute, dass ich hier Schauspielende sehe, die sich nach bestimmten, gut durchschaubaren Regieanweisungen Mühe geben, mir etwas vorzuspielen, das untermalt von entsprechenden Musikeinsprengseln originell, witzig und gelegentlich auch mal etwas traurig sein soll.
Gute Schauspieler*innen, fades Drehbuch
Der Film strahlt fast durchweg Studioatmosphäre aus, was für sich genommen noch gar nicht schlimm wäre, wenn zum Beispiel die Dialoge intelligent oder spritzig daherkämen, was sie aber nicht sind. Weder das eine noch das andere, und zwar nicht nur auf den zum Teil sprachlich verunglückten deutschen Untertiteln nicht, sondern auch nicht im amerikanischen Original. Die Entwicklung der Story wie auch die einzelnen Szenen wirken vor allem bemüht und bleiben insgesamt ziemlich fade und künstlich.
Die schauspielerischen Leistungen, vor allem bei den Nebenfiguren, sind dabei zum Teil gar nicht übel: Anders als der als Marklin ordentlich plump agierende Augustus Prew machen Michelle Buteau als Cammy, Zoë Chao als Haley oder Kate Walsh als Elizabeth ihre Sache gut. Nur: Die Dialoge, das Drehbuch und die Dramaturgie erzeugen dabei nicht allzu viel Drive, sondern ziehen sich und ziehen sich…
Summa summarum: Geschmäcker sind bekanntlich verschieden, insbesondere auch, was das komische Metier angeht, sodass auch "Almost Love" den Komödien-Nerv mancher Zuschauer*innen vermutlich treffen wird. Meinen allerdings hat dieser Film eher gequält.
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Almost Love. Komödie. USA 2019. Regie: Mike Doyle. Cast: Scott Evans, Augustus Prew, Michelle Buteau, Colin Donnell, Zoe Chao, Kate Walsh. Laufzeit: 92 Minuten. Sprache: englische Originalfassung. Untertitel: Deutsch (optional). FSK 12. Pro-Fun Media
Links zum Thema:
» "Almost Love" auf DVD bei amazon.de
Mehr queere Kultur:
» auf sissymag.de
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War sicher nicht der beste Film aller Zeiten und nicht mal zu den Top 100 oder so. Aber das kann und muss ja auch nicht jeder Film. Es gibt auch nette Filme für zwischendurch, die man mal gerne guckt und wo man sich für eine gewisse Zeit gut unterhalten fühlt, auch ohne dass sie weltbewegend sind.
Und vor diesem Hintergrund kann man sich diesen Film gut angucken. Er hat auch einige sehr witzige Momente.