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Kinotipp

Wenn das schwule Vorzeige-Paar an seine Grenzen kommt

Guter Job, hübsche Wohnung, fehlt nur ein Kind: Ben und Raz haben fast alles, was das Herz begehrt. Doch plötzlich macht Ben sich für den Tod eines Geflüchteten verantwortlich – und alles gerät aus den Fugen. Der israelische Film "Concerned Citizen" ist eine kluge Satire.


Raz und Ben leben in einem schicken Apartment in einem migrantisch geprägten Stadtteil von Tel Aviv (Bild: Salzgeber)

Multikulturell, divers, pluralistisch: Ben und Raz finden viele Worte, um ihr Viertel zu beschreiben. Das Paar, beide in ihren Dreißigern, lebt in einem migrantisch geprägten Teil Tel Avivs. Die liberalen Männer fühlen sich wohl hier, das gehört ja auch zur eigenen Ideologie. Ganz bewusst in so einem Stadtteil zu wohnen, ist ein Statement.

Um die Aussicht der stilvoll, aber nicht nach Katalog eingerichteten Wohnung zu verschönern, pflanzt Ben einen kleinen Baum auf der anderen Straßenseite. Eines Abends beobachtet er, wie zwei junge Männer um das Bäumchen stehen, der eine lehnt sich an den dünnen Stamm. Was dann passiert, ist weder leicht zu beschreiben noch zu beurteilen: Ist es eine Verkettung unglücklicher Zufälle? Ist es die Konsequenz des Spießertums, das eigentlich in Ben steckt? Auf jeden Fall ist am Ende einer der jungen Männer, ein Geflüchteter aus Eritrea, tot. Zwei Polizisten töten ihn. Brutale, rassistische Polizeigewalt, die Ben mitansieht.

Eine Leihmutter ist schon gefunden


Poster zum Film: "Concerned Citizen" läuft im Januar 2023 in der Queerfilmnacht. Regulärer Kinostart ist am 2. Februar

Der Baum steht noch, doch die Tat schockt Ben (Shlomi Bertonov) zutiefst. Er ist nervös, verängstigt, gibt sich die Schuld, will das Viertel verlassen. Mit seinem Partner Raz (Ariel Wolf) kann er nicht darüber sprechen. Dem Vorzeige-Paar fehlt zum perfekten Glück ohnehin einzig ein Kind, meinen sie, und blättern deshalb Onlinekataloge mit Eizellenspenderinnen durch. Die passende Leihmutter in Manila hat eine Agentur bereits gefunden. Eine kleine Agentur, betonen sie, keine von den ganz großen.

Der Filmtitel "Concerned Citizen" wäre ins Deutsche übersetzt missverständlich gewesen, denn sich selbst "besorgte Bürger" nennende Deutsche sind meist weniger besorgt als rassistisch. Und doch passt dieser Euphemismus auch zu Ben: Die Tötung vor seinen Augen offenbart tiefsitzende Vorurteile und wenig Bewusstsein für die eigene Blase.

Schwule Sozialkritik, die den richtigen Ton trifft

Idan Haguel, der das Drehbuch schrieb und Regie führte, schafft es, Ben und seine Beziehung zu Raz hervorragend zu charakterisieren: Seinen Perfektionismus, wenn er die Gießkanne im richtigen Winkel hinstellt, ihre abgehobene, verlogene Spießigkeit, wenn der Staubsaugerroboter täglich seine Runden dreht, während ein Obdachloser ihnen ins Treppenhaus kackt. Ben wäre gern glücklich hier, weil es zu seinem Selbstbild passen würde, doch er ist es nicht.

"Concerned Citizen" geht satirisch mit all dem um und findet so einen selten gesehenen Zugang zu seinen Themen. Denn das oft tragikomische Drama macht sich nicht über seine zwei Hauptfiguren lustig, sondern erkundet ihre Lebensweise mit neugierig-kritischem Blick. Dabei kommt es durchaus zu mancher Überraschung.

Und auch auf bildlicher Ebene überzeugt die Satire: Immer wieder wirken Szenen dokumentarisch, andere sind mit viel Bedacht und Sinn für Stimmungen gedreht. Die vielen harten Schnitte verwirren manchmal, sorgen aber für einen guten Rhythmus. Das alles macht "Concerned Citizen" zu einem wirklich besonderen, klugen Film. Eine schwule Sozialkritik, die den richtigen Ton trifft.

Infos zum Film

Concerned Citizen. Drama. Israel 2022. Regie: Idan Haguel. Cast: Shlomi Bertonov, Ariel Wolf. Laufzeit: 82 Minuten. Sprache: hebräische Originalfassung mit deutschen Untertiteln. FSK 12. Verleih: Salzgeber. Kinostart: 2. Februar 2023. Im Januar 2023 bereits in der Queerfilmnacht
-w-

#1 VitelliaAnonym
  • 03.01.2023, 11:58h
  • Ich sehe wenig fern und habe leider noch keinen Film über Schwule gesehen.
    Meine Meinung ist Je mehr Filme und Berichte über Schwule, Lesben, alle qeeren Menschen es gibt, desto besser.
    Die spießbürgerliche Gesellschaft und besonders die rechtspopulistischen Hetzer müssen endlich mal begreifen:
    MENSCH IST MENSCH - es gibt keine Menschen zweiter Klasse!
    Jeder, der andern Menschen nicht schadet, kann leben wie er oder sie will und kann lieben, wen er oder sie will.
    Das geht andere Leute NICHTS an, sollen sich um ihr eigenes Leben kümmern.
    Liebe ist immer gut!
    Homophobie, Diskriminierung und Ausgrenzung sind immer schlecht.
    Das gilt besonders für die primitive, menschenfeindliche AfD - die schlechteste Partei im Bundestag, keinen Deut besser als die braune NPD.
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#2 toolfan21
#3 Julian SAnonym
  • 05.01.2023, 14:47h
  • Antwort auf #1 von Vitellia
  • Schade, dass Du noch nie einen schwulen Film gesehen hast. Es gibt so viele sehr gute Filme mit schwuler Thematik. Auch einige schlechte und mittelmäßige, aber auch viele gute.

    Ansonsten stimme ich Dir absolut zu:
    je mehr schwule / lesbische Filme im Kino und Fernsehen zu sehen sind bzw. auch auf DVD/Bluray oder als Internetstream verfügbar sind, desto alltäglicher und selbstverständlicher wird das Thema.

    Das bringt Sichtbarkeit und Akzeptanz generell vorwärts.
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