https://queer.de/?44255
Sachsen
Katholischer Pater: Jesus geht gegen queere "Dissonanz" vor
Die queerfeindliche Weihnachtspredigt eines katholischen Paters aus Sachsen sorgt für Aufregung: Joachim Wernersbach spricht mit Blick auf queere Menschen von "schädlichen modernen Strömungen".

Ausgerechnet am Heiligabend verbreitet Pater Joachim Wernersbach seine Hassbotschaft gegen sexuelle und geschlechtliche Minderheiten (Bild: Youtube)
- 3. Januar 2023, 11:57h 3 Min.
Eine an Heiligabend live auf Youtube übetragene queerfeindliche Weihnachtspredigt des Paters Joachim Wernersbach aus Wittichenau (Landkreis Bautzen) hat zu scharfen Reaktionen in sozialen Medien geführt. In der vor der Gemeinde St. Mariä Himmelfahrt gehaltenen Rede, die bis heute online ist, sprach Wernersbach davon, dass Jesus Christus auf die Welt gekommen sei, um die durch die Existenz queerer Menschen auftretende "Dissonanz" aufzulösen.
Wernersbach merkte in seiner Predigt konkret die "Heiligkeit" der Familie an, schloss dabei aber ausdrücklich Alleinerziehende und Regenbogenfamilien aus: "Familie besteht aus Mann, Frau und Kind", so der Vertreter der katholischen Kirche. Dieses Prinzip dürfe laut Gott nicht infrage gestellt werden. Mit Blick auf Weihnachten sagte er: "Ich wünsche besonders denen, die an die traditionelle Familie glauben, extragroße Freude, weil sie sich nicht beirren lassen und den schädlichen modernen Strömungen folgen oder gar huldigen."
Weiter erklärte der Pater: "Gott hat uns Lebensweisen empfohlen, die natürlich und schön sind." Dann holte er zum großen Schlag gegen queere Menschen aus:
Es gibt so viele seltsame moderne Strömungen, man hört von Gender und Transgender, von Transhumanismus und reproduktiver Gesundheit, von Wokeness und LGBTIQ, von Diversität und Identität, von multiplen Geschlechtern und Geschlechtsumwandlungen. Dazu noch von diesem verheerenden neuen Offenbarungsverständnis des Synodalen Weges.
Schon die Begriffe, meine Lieben, sind absolut befremdlich. Sie haben alle eines gemeinsam: Es fehlt ihnen an Schönheit, es fehlt ihnen an Stimmigkeit und es fehlt ihnen an Natürlichkeit. Es fehlt einfach der Wohlklang. Sie sind sperrig und bringen unsere Seele, unser Innerstes einfach nicht zum Schwingen. Sie sind nicht im Einklang, nicht in Harmonie mit der unvorstellbar schönen göttlichen Ordnung. Eine große Dissonanz ist über unser Land hereingebrochen. Doch es gibt Hilfe: Um diese Dissonanz aufzulösen, genau dafür ist Christus in die Welt gekommen.
/ aushoywojTransgender, LGBTIQ und Diversität sind befremdlich, unnatürlich und gegen die göttliche Ordnung.
hoywoj – hoywoj@dresden.network (@aushoywoj) January 1, 2023
DAS sind tatsächlich die widerlichen und menschenverachtenden Inhalte einer Predigt vom Heiligabend 2022! (1/4) pic.twitter.com/QLPqLjuXaM
|
In sozialen Medien führte die Predigt zu einem Aufschrei. Außerdem wurde auf change.org eine Petition "als Zeichen für Toleranz und Weltoffenheit in Wittichenau" gestartet, die von über 500 Menschen unterschrieben wurde – inzwischen ist sie geschlossen. Sie soll nun "an die Seelsorger und den Pfarreirat" gesendet werden. Die Initiatorinnen Theresia Kliemank und Antonia Lippitsch erklärten in ihrer Begründung unter anderem: "Die Bemühungen der LGBTQ-Szene* und derjenigen, die dies unterstützen, erklärt er für nichtig und 'Unsinn'. Für wen hält sich der Pater, dass er darüber urteilen kann, welche Liebe und welches Geschlecht erlaubt und 'normal' sei? Von Demut keine Spur."
Pater und Bistum tauchen unter
Pater Wernersbach will sich auf Anfrage von t-online nicht zu seiner Predigt äußern – angeblich, um die Debatte nicht weiter anzuheizen. Das Bistum Görlitz meldet sich auf eine Anfrage erst gar nicht zurück.
Die Region um Wittichenau gilt als besonders intolerant gegenüber Minderheiten. Der Bautzener Landrat Udo Witschas sorgte etwa erst kurz vor Weihnachten mit einer als rassistisch kritisierten Rede für bundeweite Aufregung. In einer Weihnachtsbotschaft warf er Geflüchteten pauschal eine "Gefährdung des sozialen Friedens" in seinem Landkreis vor. Das führte sogar zu Kritik innerhalb der CDU. Im Kreistag paktierte seine Partei in Ausländerfragen allerdings inzwischen offen mit der AfD. (dk)















