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In eigener Sache

Polizeiliche Ermittlungen gegen queer.de

Wegen des Artikels "Mit Ratzinger starb einer der größten queerfeindlichen Hetzer" ermittelt die Polizei Berlin gegen unsere Redaktion. Es bestehe der Verdacht der "Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener".


Joseph Ratzinger am 27. Februar 2013 bei der letzten Generalaudienz seines Pontifikats (Bild: IMAGO / epd)

Auch nach über 30 Jahren im queeren Journalismus erlebe ich noch echte Überraschungen: Am Freitag informierte uns die Polizei Berlin, dass sie gegen queer.de wegen des Verdachts der "Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener" ermittelt. Grund ist unser am Silvestertag veröffentlichter Nachruf auf den emeritierten Papst Benedikt XVI. "Mit Ratzinger starb einer der größten queerfeindlichen Hetzer". Im Falle eine Verurteilung droht eine Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren.

Wir wissen bislang nicht, wer Anzeige erstattet hat. Da die "Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener" jedoch ein Antragsdelikt ist und nur Angehörige Ratzingers antragsberechtigt sind, erwäge ich aus großer Neugier nun doch, eine Anwaltskanzlei einzuschalten und Akteneinsicht zu beantragen.

dju fordert Einstellung der Ermittlungen

Nachdem ich die Ermittlungen gegen queer.de am Freitagabend auf meinem Twitter-Account öffentlich machte, erreichte uns eine Welle der Solidarität, für die wir uns sehr bedanken. Mehrere Medien, darunter der "Tagesspiegel" und die "taz", berichteten am Wochenende über den Fall. Der Geschäftsführer der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di Berlin-Brandenburg, Jörg Reichel, forderte die Berliner Polizei auf Twitter dazu auf, die Ermittlungen einzustellen. "Langatmige Ermittlungen oder eine Anklage durch die Staatsanwaltschaft wären ein Angriff auf die Pressefreiheit."

Twitter / ver_jorg
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Diese Ansicht teilen wir. Aus diesem Grund werde ich der Polizei auch keine freiwilligen Auskünfte erteilen. Bereits die Vorermittlungen und die Annahme eines Anfangsverdachts gehen deutlich zu weit. Mein Vertrauen in den Rechtsstaat und die Pressefreiheit in Deutschland ist aber groß genug, dass ich mir im nächsten Schritt eine Durchsuchung der Redaktionsräume, einen Strafbefehl, eine Anklage oder gar eine Verurteilung nicht vorstellen kann.

Besessen von einem regelrechten Anti-Homo-Wahn

Etwas Gutes haben die skurrilen Ermittlungen immerhin: Sie geben uns Gelegenheit, Joseph Ratzingers oft verharmloste Queerfeindlichkeit noch einmal in das öffentliche Bewusstsein zu rücken. Denn ohne Zweifel war Benedikt XVI. "einer der größten queerfeindlichen Hetzer".

Schon als Kardinal war er von einem regelrechten Anti-Homo-Wahn besessen. Homosexualität sei "eine objektive Unordnung" und gebe "in moralischer Hinsicht Anlass zur Sorge", schrieb er bereits 1992 als Chef der Glaubenskongregation. Ein Schwerpunkt seines Pontifikats war der Kampf gegen die rechtliche Gleichstellung von lesbischen und schwulen Paaren – für Ratzinger eine "Manipulation der Natur", die zum Verlust der "Würde des Menschen" führe. Mit dem Satz "Nicht der Mensch entscheidet, nur Gott entscheidet, wer Mann und wer Frau ist" warnte er transgeschlechtliche Menschen vor einer Transition.

In seiner menschenverachtenden Rhetorik überbot sich Benedikt XVI. immer wieder selbst, sogar noch nach seinem Rücktritt als Papst. In einem 2020 erschienenen Buch bezeichnete Ratzinger die Ehe für alle als "Deformierung des Gewissens", die "im Widerspruch zu allen bisher aufeinander folgenden Kulturen der Menschheit" stehe. Dahinter witterte er allen Ernstes die "geistige Macht des Antichrists".

Joseph Ratzinger hat mit seiner Hetze viele gläubige queere Menschen in schwere religiöse Konflikte bis hin zum Suizid getrieben. Dafür hat er sich nie verantworten müssen.

82 Kommentare

#1 _Patrick_Profil
  • 09.01.2023, 11:24hRLP
  • Das Beste aber wohl auch finanziell und nervlich Schlechteste für queer.de wäre meiner Meinung nach, dass die Angelegenheit vor Gericht kommt und dadurch die ganze Republik mit Ratzingers Aussagen und Taten konfrontiert wird. Jedenfalls kann die Wahrheit wohl kaum eine Verunglimpfung sein seiner Person sein. Ich wünsche euch das Beste.
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#2 Julian SAnonym
  • 09.01.2023, 11:48h
  • Wenn selbst die dju nichts verwerfliches an dem Artikel findet und bestätigt, dass er voll dem Pressekodex entspricht, sollte die Sache klar sein.

    Es ist natürlich verständlich, dass die Behörden entsprechenden Anzeigen nachgehen müssen, aber ich rechne mit einer Einstellung.

    Auch ich fände es übrigens sehr interessant, wer diese Anzeige erstattet hat. Das ist meiner Meinung sogar von öffentlichem Interesse, da es hier um das Grundrecht der Pressefreiheit geht.
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#3 Iceland-LoverAnonym
  • 09.01.2023, 11:51h
  • Ihr habt doch gewiss öffentlich gemachte Aussagen dieses 'ach so frommen Herrn', die Euren Artikel bestätigen, wieso um alles in der Welt meint die Polizei nun, dass sie ermitteln soll? Wegen der Aussage eines vermutlich bigotten Fans? Oh mei, oh mei, der KANN doch nur aus Bayern stammen. Ich gehöre zwar nicht zur Queer-Gruppe, aber mir ist es vollkommen wurscht, wer mit wem warum - solange weder Tiere noch Kinder eine Rolle spielen. Und DAS tun sie bei Euch ja nun weis Gott nicht. Also Leute, durchalten!
    Liebe Grüße
    Dagmar
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#4 ReinifeiniAnonym
  • 09.01.2023, 11:59h
  • Schon die Tatsache, dass die Polizei! ermittelt ist widerlich.
    Es erinnert an die dunkle Adenauerzeit der Nachkriegszeit.
    Schlimm, dass Steuergelder dafür verschwendet werden.
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#5 LothiAnonym
  • 09.01.2023, 12:05h
  • Wenn dieser Fall vor Gericht kommen sollte, was ich im übrigen nicht annehme, wird all der Schmutz und Hass wieder hochgestülpt werden, den Ratzinger zu Lebzeiten verbreitet hat. Und es wird sich in aller Öffentlichkeit herausstellen welch unverschämt, verleumderische u. heuchlerische Person hinter den Verstorbenen in Wahrheit gesteckt hatte.
    Aber ich gehe mal davon aus, die queer.de Redaktion ist gut vorbereitet und hat auch einen sehr guten Anwalt zu Rate gezogen, der weiß was er tut.
    Ich drücke beide Daumen für Euch. Solch ein Schuss kann und darf nur nach hinten losgehen.
    Bin mal gespannt wie der Alte Mann in Rom darauf reagiert.
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#6 Julian SAnonym
  • 09.01.2023, 12:06h
  • Antwort auf #4 von Reinifeini
  • Nein, so ist das eben in einem Rechtsstaat. Wenn jemand Anzeige erstattet, muss man dem auch nachgehen und dann kann nicht einfach der annehmende Beamte eigenmächtig entscheiden "Nein, das nehme ich nicht an."

    Insofern ist die Prüfung der Anzeige nicht widerlich, sondern einfach Pflicht in einem Rechtsstaat. Und oft genug ja auch gut so.

    Widerlich wäre es erst, wenn die Anzeige Erfolg hätte. Aber wenn da selbst die dju keinen Verstoß gegen den Pressekodex sieht, ist diese Gefahr wohl kaum gegeben.
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#7 Ein MünchnerAnonym
  • 09.01.2023, 12:15h
  • Verantworten für seine schändlichen Handlungen muss er sich dann doch. Ich bin mir ganz sicher, dass das jüngste Gericht ihn nicht so einfach davonkommen lässt.
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#8 Ith_Anonym
  • 09.01.2023, 12:16h
  • Habe ich auf anderen Medien schon gesehen. Gut zu wissen, dass es von der dju Unterstützung gibt, ich hoffe, das hilft was.

    Ich finde, Verstorbene sollten gewissen moralischen Mindestanforderungen genügen müssen, wenn man solche Paragraphen schon auf sie anwendet. Die katholische Kirche agiert bis heute in vielen Belangen nicht bloß moralisch fragwürdig, sondern spätestens beim Missbrauch von Schutzbefohlenen auch kriminell, von regelmäßigen Fällen von Volksverhetzung ganz abgesehen. Wer so einem Verein vorsteht, das hatten wir bei der englischen Queen und dem englischen Kolonialismus schon, darf kein Recht darauf haben, dass darüber geschwiegen werden muss.

    Ich drücke dann mal die Daumen, dass es darauf hinausläuft, dass man Dinge berichten und kommentieren darf, wenn und weil sie nunmal so gewesen sind. Es ist ja leider nicht so, dass dieser Mensch seinen schädlichen Einfluss auf sein privates Umfeld beschränkt hätte.
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#9 Julian SAnonym
  • 09.01.2023, 12:17h
  • Ich finde übrigens den § 189 StGB generell sehr abstrus und sonderbar.

    Entweder ist eine Aussage über eine Person schon zu Lebzeiten korrekt und wird dann nicht durch ihren Tod falsch. Oder es wäre schon zu Lebzeiten falsch und eine Verleumdung, dann sollte das natürlich auch über den Tod hinaus geahndet werden.

    Ich wäre dafür, den §189 StGB zu streichen und stattdessen die Regelungen zu Verleumdung und übler Nachrede anzupassen, dass sie auch über den Tod hinaus gelten. Oder man müsste alternativ dazu §189 StGB dahingehend anpassen, dass da ausdrücklich drin steht, dass das Hinweisen auf wahre Tatsachen keine Verunglimpfung des Andenkens ist. Denn wenn jemand nun mal zu Lebzeiten bestimmte Positionen hatte, muss man sich ja auch nach dessen Tod noch daran erinnern dürfen.
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#10 LothiAnonym
  • 09.01.2023, 12:18h
  • Antwort auf #4 von Reinifeini
  • Nun lass mal bitte die Füße unterm Tisch. Die Polizei macht nur ihre Arbeit und die queer.de Redaktion weiß sich zu helfen.
    Ich selbst hatte erst vor kurzem Bekanntschaft mit der Polizei gehabt, aufgrund einer vollkommen an den Haaren herbeigezogenen Anzeige meiner ach so lieben Nachbarin die unter mir wohnt. 3 Polizisten, darunter eine Polizistin, die auch die Wortführerin war, fragte mich zu guter letzt doch tatsächlich, ob ich ein sexuelles Verhältnis mit der besagten Nachbarin gehabt hätte? Ich antwortete spontan: kann nicht sein, denn ich bin schwul. Damit zogen alle drei schnell wieder ab. Das Verfahren gegen mich wurde eingestellt.
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