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Australien

Kardinal Pell erhält kein Staatsbegräbnis

Der frühere Finanzchef des Vatikans sorgte mit seinen queerfeindlichen Tiraden und vor allem wegen Missbrauchsvorwürfen für Schlagzeilen. Australien verzichtet daher auf eine Ehrung des einst mächtigen Kirchenfunktionärs.


Kardinal George Pell ist am Dienstag gestorben

  • 12. Januar 2023, 08:42h 6 2 Min.

Nach dem Tod des australischen Kardinals George Pell soll es in seiner Heimat kein Staatsbegräbnis für den umstrittenen Kirchenmann geben. Diese Möglichkeit werde "ganz klar" ausgeschlossen, sagte am Mittwoch der sozialdemokratische Premierminister des Bundesstaates Victoria, Daniel Andrews. Er könne sich "nichts Schmerzlicheres" für Menschen vorstellen, die Opfer von sexuellem Missbrauch geworden seien, als ein solches Staatsbegräbnis, betonte Andrews. Gleichzeitig drückte er Pells Familie, Kolleg*­innen und Freund*­innen sein Beileid aus.

Der am Dienstag im Alter von 81 Jahren in Rom gestorbene Geistliche war unter Franziskus jahrelang die Nummer drei im Vatikan und der ranghöchste Geistliche in der Geschichte der katholischen Kirche, der wegen Kindesmissbrauchs verurteilt wurde. Im Jahr 2020 wurde Pell jedoch im Berufungs­verfahren nach rund 13 Monaten Haft freigesprochen und aus dem Gefängnis entlassen (queer.de berichtete).

Der Kardinal war früher Erzbischof von Melbourne, der Hauptstadt von Victoria, sowie von Sydney, der Hauptstadt der Nachbarregion New South Wales. In beiden Bundesstaaten werde ein Staatsbegräbnis ausgeschlossen, berichtete die australische Nachrichtenagentur AAP. Der Leichnam soll in den nächsten Tagen von Rom nach Australien geflogen werden. In der St. Mary's Cathedral in Sydney ist Berichten zufolge eine Totenmesse geplant. Anschließend soll Pell in der Krypta der Kirche beigesetzt werden.

Mangels Beweisen freigelassen

Der Fall, für den Pell in seiner Heimat der Prozess gemacht wurde, reichte in die Jahre 1996/97 zurück, als er gerade Erzbischof von Melbourne geworden war. Nach einem Gottesdienst soll er sich an zwei Chorknaben vergangen haben, die damals 13 Jahre alt waren. Pell hatte die Vorwürfe bestritten. Das höchste australische Gericht gab dem Berufungsantrag im April 2020 mangels Beweisen statt. Nach 13 Monaten kam Pell überraschend frei – und kehrte wenige Monate nach seiner Freilassung mitten in der Corona-Pandemie in den Vatikan zurück.

Von Pell sind seit Jahrzehnten homophobe Äußerungen überliefert. Von ihm stammt etwa der Ausspruch: "Homosexuelle Aktivitäten sind eine größere Gesundheitsgefahr als Rauchen." In einer Messe weigerte er sich im Jahr 2002, schwulen und lesbischen Gläubigen, die mit Regenbogenschleifen zum Gottesdienst erschienen waren, die Kommunion zu erteilen – und sagte zu ihnen: "Gott hat Adam und Eva erschaffen und nicht Adam und Steve." Jahrelang kämpfte er zudem dafür, dass gleichgeschlechtliche Paare auch vom Staat nicht anerkannt werden. Erst letztes Jahr forderte er Konsequenzen für Georg Bätzing, den Chef der deutschen Bischofskonferenz, weil dieser den Synodalen Weg unterstützt (queer.de berichtete). (dpa/dk)

-w-

#1 Ex-KatholikAnonym
  • 12.01.2023, 10:19h
  • Wenn Kirche und Staat offiziell getrennt sind (und die Kirchen sowieso fordern, die Politik möge sich aus ihren Angelegenheiten raushalten und sich gar weigern, staatliche Rechte anzuerkennen), ist das nur eine konsequente Entscheidung.
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#2 LothiAnonym
#3 watdiekannAnonym