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SZ-Interview
Bret Easton Ellis: Bücher schützten mich vor Homophobie
Im Interview mit der "Süddeutschen" spricht der schwule Autor über Fremdheitsgefühle in seiner Jugend. Popsongs, die von heterosexueller Sehnsucht handelten, habe er sich immer erst übersetzen müssen.

Bret Easton Ellis bei der Premiere des Kinofilms "Motherless Brooklyn" 2019 auf dem Internationalen Filmfestival von Rom
- 15. Januar 2023, 06:42h 2 Min.
Schon in seiner Schulzeit hätten ihn Bücher beschützt, erklärte Schriftsteller Bret Easton Ellis (58). Er, der sich als Einzelgänger sieht, konnte darin verschwinden, sagte er in einem Interview der "Süddeutschen Zeitung" vom Samstag.
Mit Romanen und mit Filmen sei er nicht allein gewesen. "Meinen Klassenkameraden gegenüber fühlte ich mich fremd, was hauptsächlich damit zu tun hatte, dass ich schwul war und es nicht sagen konnte", so Ellis über seine Schulzeit. "Fast alle Popsongs handelten von heterosexueller Sehnsucht, also musste ich das immer erst übersetzen."
Das habe ihn in Distanz zu allem gebracht, "aber genau das machte mich auch zum Schriftsteller", so der Autor weiter. "Am Ende bin ich dankbar, dass mir genau das zugestoßen ist, denn es half mir, Künstler zu werden."
"Schreiben wirkt viel besser als alle echten Drogen"

Ellis' neuer Roman "The Shards" erscheint am 17. Januar auf Deutsch
Ellis hat seine Bücher nach eigenen Worten nicht unter Drogeneinfluss geschrieben. Nur ein einziges Mal habe er es versucht, als er 1983 an der ersten Version von "Unter Null" gearbeitet habe, sagte er im SZ-Interview. "Danach nie, nie wieder. Ich habe in meinem ganzen Leben nie betrunken und nie auf Drogen geschrieben."
Allerdings belohnte sich der Autor von "American Psycho" für das Schreiben früher mit Drogen – kontrolliert und zur Entspannung. Mit 44 oder 45 Jahren habe er aufgehört. Heute trinke er nur noch Cocktails. Ihm mache das Schreiben eines Buchs mehr Spaß als jede Droge. "Die Droge Schreiben wirkt viel besser als alle echten Drogen."
Coming-out im Jahr 2012
Bret Easton Ellis äußerte sich in Interviews lange zurückhaltend und widersprüchlich zu seiner sexuellen Orientierung, seit 2012 lebt er offen schwul. Sein Lebensgefährte ist der Musiker Todd Michael Schultz. In seinem 2019 erschienenen Buch "Weiß" schrieb er sich seinen Frust über politische Korrektheit, Identitätspolitik und Opferrolle vom Leib (queer.de berichtete).
Ellis' neuer Roman "The Shards" (Amazon-Affiliate-Link ) erscheint am 17. Januar 2023 auf Deutsch. (cw/dpa)
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