Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?44404

Wahl 2023

Berlin: CDU wirbt im Regenbogenkiez um queere Stimmen

In Tempelhof-Schöneberg möchte die CDU erstmals seit 2001 den Bürgermeister stellen – mit Matthias Steuckardt wäre dort erstmals ein schwuler Bezirkschef an der Macht.


Bürgermeisterkandidat Matthias Steuckardt und LSU-Kreischef Marcus Schneider zeigen stolz ihre Plakate (Bild: LSU Tempelhof-Schöneberg)

Im Berliner Bezirk Tempelhof-Schöneberg hat die CDU einen Wahlkampf um queere Stimmen gestartet: Im Regenbogenkiez wirbt die Oppositionspartei mit zwei regenbogenfarbenen Plakaten und dem Slogan "Diesmal CDU" sowie den Sprüchen: "Unser Kiez verdient einen schwulen Bürgermeister" und "Für deine Sicherheit".

Der 43-jährige CDU-Bezirksstadtrat Matthias Steuckardt, der von 2010 bis 2013 Landeschef der Lesben und Schwulen in der Union (LSU) war, will dabei erster offen schwuler Bezirksbürgermeister werden und den Grünenpolitiker Jörn Oltmann ablösen. Tempelhof-Schöneberg ist einer von zwölf Bezirken in der Landeshauptstadt. Bei der letzten Wahl im Herbst 2021 landete die CDU allerdings mit 20,8 Prozent nur auf dem dritten Platz hinter den Grünen (23,6 Prozent) und der SPD (23,5 Prozent). Laut Umfragen können die Christdemokrat*innen dieses Mal aber mit Stimmenzuwächsen in Berlin rechnen.

CDU setzt auf Thema Sicherheit

Die Bezirks-CDU konzentriert sich in ihrem queeren Wahlkampf auf das Thema Sicherheit: So sei es erschreckend, dass im Regenbogenkiez "Kriminalität, Gewalt und leider auch queerfeindliche Übergriffe kontinuierlich zunehmen", erklärte der Tempelhof-Schöneberger LSU-Kreisvorsitzende Marcus Schneider am Dienstag. "Aus dem Bezirksamt kamen immer wieder abstrakte Verbesserungsvorschläge, doch alle wohlgemeinten Pilotprojekte – wie die Nachtbürgermeister und Nachtlichter – haben nicht den erhofften Erfolg bei der Kriminalitätsbekämpfung gebracht." Steuckardt trete "für einen echten Wechsel in der Sicherheitspolitik im Kiez ein". Darüber hinaus fordere die CDU "schon lange ein 'Regenbogenhaus' als Anlaufstelle für die Regenbogen-Community und zur Vernetzung von Initiativen, Beratungsstellen oder Anti-Gewalt-Projekten".

Steuckardt hatte sich bereits 2021 um den Bürgermeisterposten beworben – damals mit dem Slogan #TSgestalten (queer.de berichtete). Auf seiner Homepage erklärt der Kommunalpolitiker über seinen Bezirk: "Ich lebe gern hier, bin hier verwurzelt und seit vielen Jahren politisch engagiert. Deswegen weiß ich, dass vieles wesentlich besser funktionieren könnte."

In Berlin findet die Wahl am 12. Februar statt – neben den zwölf Bezirksverordnetenversammlungen wird auch ein neues Abgeordnetenhaus gewählt. Dabei handelt es sich um eine Wiederholungswahl, weil es beim letzten Urnengang am 26. September 2021 zu erheblichen Pannen gekommen war.

CDU laut Umfrage vorn

Die Berliner CDU setzt sich in ihrem Wahlprogramm unter anderem dafür ein, Hasskriminalität gegen queere Menschen "konsequent zu verfolgen". Laut einer "Spiegel"-Umfrage von letzter Woche kann die CDU berlinweit erstmals seit 1999 wieder auf den ersten Platz kommen: Derzeit liegen die Christdemokrat*innen bei 22 Prozent (+4 Prozent gegenüber 2021), SPD und Grüne kämen auf je 18 Prozent (-3 bzw. -1 Prozent). AfD und Linke erhielten je 12 Prozent (+4 bzw. -2 Prozent), die FDP käme auf 7 Prozent (unverändert). Rot-Grün-Rot könnte damit trotz der Verluste die eigene Mehrheit verteidigen – möglicherweise als Grün-Rot-Rot. Dann würde wohl die grüne Bürgermeisterkandidatin Bettina Jarasch die seit 13 Monaten regierende SPD-Frau Franziska Giffey ablösen.

Trotz des queeren Wahlkampfs im Regenbogenkiez fremdelt die Berliner CDU-Basis mit LGBTI-Rechten: Mitte 2015 sprach sie sich bei einer Mitgliederbefragung noch mehrheitlich für eine Beibehaltung des Ehe-Verbots für gleichgeschlechtliche Paare aus (queer.de berichtete). Zwei Jahre später beschloss dann der Bundestag – gegen die Mehrheit der Union – trotzdem die Öffnung der Ehe (queer.de berichtete). (dk)

-w-

#1 LothiAnonym
  • 18.01.2023, 10:56h
  • So,so. Ein CDU geführter Bezirksbürgermeister wirbt um mehr Sicherheit im Kiez. Wenns mal so einfach wäre. Zudem bin ich der festen Überzeugung, das mehrheitlich Schwule u.Lesben NICHT die CDU wählen tun. Und das aus gutem Grund. Prompt muß ich an den ehemaligen Innensenator Lummer CDU denken, wie er auf den Balkon eines gerade geräumten besetzten Hauses in der Bülow Straße stand. Wie ein Napoleon. Und dabei starb ein Mensch Jürgen Ratthay. In der darauffolgenden Nacht war die Gegend wie ein Schauplatz in Belfast Irland zu IRA Zeiten. Die Polizei schlug wahllos zu und kam sogar mit Panzerfahrzeugen.
    Nee, solch Bezirksbürgermeister wollen wir nicht haben.
  • Direktlink »
#2 stephan
  • 18.01.2023, 11:04h
  • Oje, wie viele LGBTIQs sind denn wohl wieder einmal so dumm, den Versprechungen der Union zu glauben und wie viele sehen nicht die tatsächliche Haltung der Union (früher und heute) zu den Themen, die für uns wichtig sind? Schon aus vielerlei geschichtlichen Gründen könnte ich nie die Union wählen, auch wenn sie allen LGBTIQs pures Gold versprechen!
  • Direktlink »
#3 keinTäterschutzAnonym
  • 18.01.2023, 11:35h
  • Antwort auf #2 von stephan
  • "Oje, wie viele LGBTIQs sind denn wohl wieder einmal so dumm, den Versprechungen der Union zu glauben"

    Oje, wie viele LGBTIQs sind denn wohl wieder einmal so dumm, den üblichen Versprechungen der Grünen und SPD zu glauben. Ich wohne nicht in Berlin und es ist mir relativ egal, aber Sicherheit ist schon ein wichtiges Thema. Ich bin schon oft genug wegen meines Schwulseins geschlagen, bepöbelt oder angemacht worden. Wäre schön, wenn da mal ein Politiker etwas gegen tun würde.
    Wahltag ist Zahltag in die Gewalttaten steigen immer weiter ohne das das irgendjemanden groß interessiert.
  • Direktlink »