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HBO-Serie

"The Last of Us": Das Schöne und das Gute

Die Zombie-Serie verfolgt, wie sich die lesbische Ellie durch die USA schlägt. Sie fragt aber auch nach den Bedingungen von Gesellschaft – und nach dem Verhältnis vom Schönen zum Guten.


Schön, schrecklich oder schrecklich-schön? Boston nach der Zombie-Apokalypse (Bild: HBO)

Pilze der Gattung Cordyceps haben etwas faszinierendes an sich. Und etwas unheimliches. Unterarten der Gattung befallen verschiedene Insekten. Der Pilz gelangt etwa durch den Blutkreislauf einer Ameise in ihr Gehirn und scheidet dort Haluzinogene aus. Auf diese Weise erlangt er die Kontrolle über das Verhalten des Wirtes. In der echten Welt manövriert der Pilz sein Opfer so an einen Ort, der für sein Wachstum ideal ist. Das Tier verendet. Die Fruchtkörper des Pilzes brechen durch seinen Kopf und bilden über dem Kadaver einen schaurig-schönen Anblick.

Noch gruseliger aber ist der Cordyceps-Pilz, der das Geschehen in "The Last of Us" (HBO, streambar via Sky, WOW) bestimmt. Menschen, sagen Wissenschafler*innen, kann der Pilz zum Glück nicht befallen. Denn oberhalb einer Körpertemperatur eines Wirtes von 34 Grad Celsius kann er nicht existieren. Und gegenwärtig gibt es keinen Grund für einen Evolutionsschub, der diesen Grenzwert des Cordyceps hochsetzen würde. Außer, ja, außer die Temperaturen auf dem Planeten insgesamt steigen ein wenig an…
(Artikel enthält kleinere Spoiler)

Vom Videospiel zur Zombie-Serie

Und damit "Herzlich willkommen!" in der Zombie-Apokalypse, die am Montag knapp zehn Jahre nach Erscheinen des ersten "The Last of Us"-Videospiels ins Serienuniversum übergesetzt ist. Darin: Ein etwas begriffsstutziger Dad mit Schuldgefühlen (Joel, Pedro Pascal), eine Menschheit, die sich im Angesicht eines drohenden, grausamen Todes gegenseitig die Köpfe einschlägt und ein lesbisches Mädchen (Ellie, Bella Ramsey, outete sich gerade als Enbie), das in diesem Chaos noch eine größere Rolle spielen könnte.

Als Videospielreihe mit zwei Haupttiteln und einer Spielerweiterung hat "The Last of Us" bereits in mehrfacher Hinsicht für Aufsehen gesorgt. Denn zwischen den teilweise ultrabrutal inszenierten Tuchfühlungen mit Gewebe aus Leibern reißenden Zombies, langen Schleichepisoden, Reisen durch die Trümmer der postapokalyptischen USA und einem ausgeklügelten System chronologisch springender, ineinander verwobener Erzählstränge brachte das Spiel lesbische Liebe und Zärtlichkeiten sowie Emotionalität zwischen den Figuren wie kein anderes auf die von Playstations angesteuerten TV-Bildschirme. Dabei handelt es sich bei "The Last of Us" nach wie vor um einen Shooter!

Ganz ähnlich geht es nun auch in der Serie zu. Und wie! Im Jahr 2003 schlägt sich der Texaner Joel lange nach seinem Dienst in der US-Armee in der freien Wirtschaft durch. Zuhause sitzt seine 14-jährige Tochter Sarah und übernimmt in diesem Vater-Tochter-Haushalt Sorgetätigkeiten, die eigentlich die Aufgabe des eher stumpf geratenen Vaters wären. Inklusive der Sorge um Joel selbst.

Schauspielerin Nico Parker gelingt es dabei schnell, Beschützer*inneninstinkte für das Mädchen zu wecken. Dumm nur, dass in diesem Moment im Süden der USA die Cordyceps-Apokalypse ausbricht. So werden unsere frisch entfachten Gefühle für das Mädchen schon gleich auf eine harte Probe gestellt.

Das macht Sinn, bietet die Episode mit Sarah doch den Einstieg in die Gefühlswelt von Joel. Der hat zwanzig Jahre später zwar noch immer nicht so richtig gelernt, sich verbal auszudrücken, bekommt mit der Aufsicht über Ellie aber unverhofft eine zweite Chance darin, ein pubertierendes Mädchen durch eine gefährliche Welt zu geleiten. Und die Chance, die schönen Gefühle von Lieben und Beschützen, aber auch die Schrecken zu durchleben, die damit einhergehen.


Ellie (Bella Ramsey) hat ein Problem, Autoritäten anzuerkennen (Bild: HBO)

Gesellschaft muss produziert werden

Das wirft auch bereits den Spannungsbogen der Erzählung auf, die sich trotz des Zombiemotivs nicht auf Horror und Gewalt konzentriert. Stattdessen nimmt sie die unendlich prekären Beziehungen von Menschen in den Blick, die gerade nicht das Glück haben, in einer Umgebung zu leben, in der wiederum andere eine einigermaßen stabile und sichere Gesellschaft produzieren.

"The Last of Us" zeigt so, wie krachend die Letzten der Menschheit moralisch und auch sonst daran scheitern, menschliches Miteinander von Individuen und Gruppen zu kultivieren, wenn im Außen ständig der Tod durch blutrünstige Pilz-Zombies droht. Wenn es doch nur das wäre: Auch die politischen und ökonomischen Bedingungen werden inzwischen von bis an die Zähne bewaffneten Banden gestaltet, nicht mehr vom Kapitalismus und seinen Staaten, Kommunen und Unternehmen. Was das heißt, bekommen Joel und Ellie jeweils unterschiedlich, aber stets brutal zu spüren.

Wie steht das Schöne zum Guten?

Die Pilotfolge fängt die Kulisse der zusammengebrochenen USA dabei bildgewaltig ein. Ein Grund dürfte die immer wieder im Zwielicht und in irritierend warmen Farben fallende Beleuchtung sein, die durch die Ritzen der Ruinen hindurch abblätternde Tapeten, schmutzige Gesichter, pflanzenüberwachsene Infrastruktur und verschwitzte Kleider beleuchtet.

Das Licht macht auch den in der Luft tänzelnden Staub genau so sichtbar, wie es in späteren Folgen die umherfliegenden Pilzsporen und die von ihnen ausgehende Gefahr zeigen dürfte. So zumindest ein wiederkehrendes Motiv der Videospiele. Und auch bei den unter den wuchernden Organen des Pilzes zugrunde gehenden Leichen der Infizierten mischen sich fast schon schöne Anblicke üppiger oranger, roter oder gelber Fruchtkörper in den Horror der durch sie überwucherten menschlichen Überreste – samt verfaulten Gewebes und entstellter Knochenfratzen.

Direktlink | Deutscher Trailer zu "The Last of Us" (mehr Spoiler!)
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Es wird schließlich dieses Ineinandergehen des Grausamen und des Schönen sein, des Tötens, des Liebens und ihres ganzen menschlichen Zwielichts, das sich in der Erzählung von "The Last of Us" als Kernanliegen entfaltet. Und auch die Verliebtheiten von Ellie, zunächst in die in Folge 1 nur per Erwähnung auftauchende Riley, zu Zeiten einer späteren Episode dann in den neuen Hauptcharakter Dina, dürften unter einem von der Erzählung geschickt arrangierten, schrecklichen Fragezeichen stehen: Verweist das Schöne im Menschen wirklich automatisch auf das Gute? Und ist Liebe wirklich, wie Rosenstolz singen, "alles"?

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Queere TV-Tipps
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#1 Ich sag mal soAnonym
  • 18.01.2023, 17:42h
  • Ich habe beide Spiele (inklusive Left Behind) gespielt und schon lange auf die Serienadaption hingefiebert. Nun ist sie endlich da - und was soll ich sagen, ich finde sie ganz, ganz toll.

    Wie bei einer HBO-Serie mit Mega-Budget zu erwarten war, ist sie sehr hochwertig (und liebevoll!) gemacht und auch die Schauspieler sind durch die Bank absolut überzeugend..bei Bella Ramsey hatten viele Fans ja ein kleines Fragezeichen, aber sie wirkt sehr glaubwürdig als Ellie, wie ich finde. Die erste Folge war der perfekte Einstieg und ich freue mich schon auf die weiteren Folgen. Die diversen Trailer und Teaser haben ja schon einige Szenen der Staffel gezeigt, auch diese sahen sehr gelungen aus...wer das Spiel gespielt hat, weiß, dass es noch viel Dramatik in der ersten Staffel geben wird. Aus queerer Sicht wird natürlich auch die Storyline um Frank und Bill spannend :-)
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#2 TamiAnonym
#3 RrismoAnonym
  • 19.01.2023, 12:13h
  • Antwort auf #2 von Tami
  • Joel und Ellie suchen Bill auf ihrer Reise auf um ein Auto von ihm aufgemöbelt zu kriegen. Während sie mit Bill umherziehen, finden sie die Leiche von Frank, der allen Hinweisen nach Bills Geliebter war.

    Die Beziehung der beiden wird wie gesagt nur angedeutet, genau wie Bills Sexualität, auf die nur mit einem schwulen Pornomagazin hingewiesen wird, das Ellie in einem Stapel Comics findet, die sie von ihm geklaut hat.

    Ein schwuler Charakter in einem AAA Game war damals immer noch ziemlich krass und eine willkommene Abwechslung, selbst wenn es nur Andeutungen waren und alles an der Darstellung dem Hays Code entspricht. Seit dem hat sich aber einiges getan und mir wär's lieb, dass eine Serie, die 2023 startet, uns etwas mehr gibt. Da Frank als aktive Rolle auf den Serienpostern aufgeführt wird und somit anscheinend mehr ist als nur ein toter Körper, über den die Protagonisten stolpern, kann man nur hoffen!
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