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Interview

Lesbische Zwillinge und ihre Liebe zur Musik

Die biografische Serie "High School" erzählt von der Jugend des kanadischen Indie-Duos Tegan and Sara. Im Interview verrät Sängerin Sara Quin, wie authentisch das Freevee-Original ist.


Szene aus "High School": Railey und Seazynn Gilliland spielen Tegan und Sara Quin (Bild: Freevee)

Tegan und Sara Quin sind das vielleicht berühmteste lesbische Zwillingspaar der Welt. Seit ihrem ersten Album "Under Feet Like Ours" sind die beiden 1980 geborenen Kanadierinnen eine feste Größe nicht nur in der nordamerikanischen Indie-Pop-Szene. Sie standen im Vorprogramm von The Killers, Katy Perry oder Lady Gaga auf der Bühne, wurden 2013 für den Grammy nominiert und mehrfach mit dem GLAAD Media Award ausgezeichnet. Im vergangenen Jahr erschien mit "Crybaby" bereits ihr zehntes Album.

Gemeinsam mit ihrer guten Freundin Clea DuVall ("Happiest Season") haben die Schwestern nun ihre 2019 erschienene Autobiografie "High School" in eine wunderbare Serie verwandelt, die beim kostenlosen Streamingdienst Amazon Freevee zu sehen ist. Wir hatten die Gelegenheit, aus diesem Anlass Sara Quin, die mit ihrer Ehefrau in Vancouver lebt und 2022 erstmals Mutter wurde, ein paar Fragen zu stellen.


Sara Quin bei der Premiere von "High School" (Bild: IMAGO / NurPhoto)

Ms. Quin, Sie und Ihre Schwester Tegan brachten Ihre Jugenderinnerungen zunächst als Buch heraus. Wie angenehm war Ihnen der Gedanke, aus "High School" auch eine Serie zu machen?

Schon als wir noch am Manuskript zum Buch saßen, besprachen wir mit unseren Managern und Literaturagenten, was man später vielleicht aus dem Buch noch machen könne. Ein Film war eine Idee, besonders gut gefiel uns auch der Gedanke, vielleicht ein Broadway-Musical daraus zu machen. Liegt beim Thema Musik ja fast nahe. Aber dann schickte Tegan das Buch noch vor der Veröffentlichung an unsere gute Freundin Clea DuVall, die Schauspielerin und Regisseurin. Und die fand, man müsse eine Serie daraus machen – und fragte, ob sie das machen dürfe. Als am Anfang der Pandemie alle plötzlich unerwartet viel Zeit hatten, nahm die Sache dann richtig Gestalt an und wir arbeiteten gemeinsam mit ihr daran, diese Idee wirklich in die Tat umzusetzen.

Ein klassisches Popstar-Biopic ist "High School" nun nicht geworden...

Nur deswegen hat uns das natürlich interessiert. Hier geht's nicht um Celebrity und Glamour, sondern um zwei ganz normale Kids, denen in ihrer Schulzeit etwas Einschneidendes passiert ist: Sie lernten Musik zu machen. Und vor allem lernten sie, wer sie selbst eigentlich sind, und fanden ihren Weg. Nicht mehr und nicht weniger. Damit kann wahrscheinlich jeder etwas anfangen, und man muss auch unsere Musik nicht kennen, um sich in dieser Geschichte wiederzufinden.

Erzählt hatten Sie diese sehr persönliche Geschichte ja bereits. War es trotzdem seltsam, sie nun noch einmal in dieser ganz anderen Form mit der Welt zu teilen?

Das vielleicht nicht. Aber es war für uns sehr ungewohnt, dass wir anders als beim Buch oder unserer Musik so viel Kontrolle abgeben mussten. Regie, Autor*innen, Produzent*innen, Senderverantwortliche, das Marketing-Team – zwischen all den Beteiligten konnte man schon mal die Orientierung verlieren und vergessen, dass es hier eigentlich um uns geht. Gleichzeitig wussten wir natürlich, dass das der Deal ist, und hatten zum Glück auch in alle genug Vertrauen. Dass wir eng eingebunden waren in alle Entscheidungsprozesse und auch Einspruch erheben durften, wenn uns etwas nicht gefiel, war ein sehr beruhigendes Gefühl.

Direktlink | Die neueste Single von Tegan and Sara: "Smoking Weed Alone"
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Wurden denn für die Serie noch einmal größere Veränderungen vorgenommen?

Ein paar Fiktionalisierungen gibt es schon, einfach aus dramaturgischen Gründen. Der Streit zwischen mir und unserem Stiefvater über Kurt Cobain und einen "gay slur" hat in Wirklichkeit zwischen Tegan und ihm stattgefunden. Aber das passte für Clea und ihre Mitautorin Laura Kittrell eben anders besser. Und allgemein könnte man vielleicht sagen, dass Tegan und ich in Wirklichkeit ein wenig alberner und extrovertierter waren, nicht so cool, gefasst und ruhig wie unsere Alter Egos in der Serie. Ansonsten haben wir uns aber immer sehr an der Realität orientiert und vor allem darauf geachtet, dass unsere Eltern und Freunde zwar nun Figuren in einer fiktionalen Serie sind, aber trotzdem so wahrhaftig und respektvoll wie möglich dargestellt werden.

Apropos Freunde: Man staunt fast ein bisschen, wie queer, offen und fluide Ihre Clique war, dafür dass es hier um eine Schulzeit in den 1990er Jahren in einem kanadischen Vorort geht!

Es war einfach ein großes Glück, dass – ein wenig anders als in der Serie dargestellt – während der Junior High das Französisch-Intensiv-Programm des Bezirks an unsere Schule verlegt wurde und plötzlich ein paar Mädchen durch unsere Gänge liefen, wie es sie vorher in unserem Umfeld nicht gab. Die waren cool, alternativ und kreativ, und wir freundeten uns zum Glück schnell an. So lernte ich auch meine erste heimliche Freundin kennen, auf der nun die Figur der Phoebe in "High School" basiert. Manchmal scherzen Tegan und ich, dass wir alle um uns herum gay machen. Aber in Wirklichkeit war es einfach eine Fügung des Schicksals, dass wir so früh auf Gleichgesinnte stießen und sich Freundschaften ergaben, die so unkompliziert und offen waren, dass es Raum für Queerness, Androgynität und solche Dinge gab. Wobei die meisten von ihnen heute heterosexuelle Beziehungen führen und sich nie wirklich als queer identifiziert haben. So oder so sind wir alle immer noch befreundet, denn diese besondere Zeit hat uns für immer zusammengeschweißt.

Kurz noch eine letzte Frage zu den Zwillingen Railey und Seazynn Gilliland, die nun in "High School" als Tegan und Sara zu sehen sind. Waren Sie da in die Besetzungsentscheidung auch eingebunden?

Nicht nur das, Tegan hat die beiden sogar entdeckt. Noch bevor das Casting eigentlich anfing, fand sie die beiden auf TikTok und fand die beiden hinreißend. Die beiden erinnerten uns ein bisschen als uns in unserer Jugend. Wir schickten deswegen den Clip auch an unsere alten Schulfreundinnen und fragten: Könnten diese Mädels uns spielen? Die Meinung war einhellig, zum Glück dann später auch bei Clea und dem Team. Wir mussten sie dann nur noch überzeugen, was gar nicht so einfach war, denn die beiden hatten noch nie vor einer Kamera gestanden oder Musik gemacht. Aber wir waren uns sicher: Als Tegan und Sara können wir uns niemand anderen vorstellen.

Direktlink | Englischer Originaltrailer zur Serie
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