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Interview

"Wenn die Hauptrolle für einen trans Mann geschrieben ist, dann spielt sie auch ein trans Mann"

Das Karlsruher Staatstheater zeigt das queere Stück "Hir" von Taylor Mac als deutsche Erstaufführung. Für Regisseur Jakob Weiss steht die absurde Komödie "in bester Drag-Tradition des 'Roastings'".


Eine schrecklich nette Familie: Lisa Schlegel (Paige Connor), Gunnar Schmidt (Arnold Connor), Rumo Wehrli (Max Connor), Jannik Görger (Isaac Connor) in "Hir" (Bild: Felix Grünschloß)

Jakob, du kehrst als Regisseur und Bühnenbildner mit der deutschsprachigen Erstaufführung der absurden Komödie "Hir" von dem*der queeren Autor*in Taylor Mac ans Badische Staatstheater Karlsruhe zurück. Im Stück kommen viele brisante Themen unserer Zeit zusammen. Was hat dich am Stoff interessiert?

Am meisten interessiert hat mich, glaube ich, beim ersten Lesen vor allem die dysfunktionale Familienstruktur, gepaart mit den Mitteln der Komödie und darüber hinaus, wie du schon sagst, die Tatsache, dass da inhaltlich einiges zusammenkommt. So haben wir es mit einem sehr reichen Stück zu tun, das es schafft, uns etwas von der Welt zu erzählen, in der wir leben. Und das uns zum Lachen bringen kann, vielleicht sogar zum Weinen und ganz sicher zum Reflektieren.


Regisseur Jakob Weiss (Bild: Timo Frank)

Einige Themen des Stückes, wie häusliche Gewalt beziehungsweise patriarchale Unterdrückung und Kriegstraumata, sind nicht unbedingt besonders lustige Themen. Trotzdem hat Taylor Mac sie also in eine absurde Komödie reingepackt. Warum ist eine Komödie das richtige Genre für diese Themen?

Für mich ist das Stilmittel der absurden Komödie eng verknüpft mit der künstlerischen Arbeit Taylor Macs als Drag-Performer*in und ist in bester Drag-Tradition des "Roastings" zu verstehen, also als ironisches Parodieren harter oder unangenehmer Themen. Gleichzeitig bietet eine Komödie die Möglichkeit, mit schwierigen Verhältnissen so umzugehen, dass sie bestenfalls weniger schmerzvoll werden, weil wir gemeinsam darüber lachen können. Die schönste utopische Möglichkeit der Selbstermächtigung im Stück liegt für mich allerdings in der vollkommenen Selbstverständlichkeit der Tatsache, dass Max nun der Bruder von Isaac ist.

Als das Stück beginnt, kehrt der älteste Sohn der Familie, Isaac, aus dem Afghanistan-Einsatz zurück und wird genau damit konfrontiert, dass die Person, die er bislang als seine Schwester kannte, sich nun als Max identifiziert. In der Fassung stellt Taylor Mac die Forderung, dass diese Rolle von einem transmännlichen Schauspieler gespielt wird. Warum ist das wichtig?

Meine ganz persönliche Überzeugung ist, dass wir als Theatermacher*innen das uns gegebene, grundsätzliche Privileg, "eine Bühne zu geben" nutzen müssen. Das meine ich ganz generell in Bezug auf bestimmte Themen – und ganz speziell in Bezug auf Menschen und Gesellschaft. Das bedeutet in diesem Fall: Wenn es schonmal ein Stück gibt, dessen Hauptrolle für einen trans Mann geschrieben ist, dann besetzen wir diese Rolle auch mit einem trans Mann. Es bedeutet nicht, dass ich grundsätzlich daran zweifle, dass theoretisch alle alles auf der Bühne (und im Film) spielen können sollten. Aber ich zweifle daran, dass wir schon an dem Punkt sind, dass dieses "alle" auch wirklich alle einschließt. Auch wenn sich momentan auf und hinter den Bühnen gerade in dieser Hinsicht vieles zum Guten verändert, sollten wir unbedingt weiter daran arbeiten, diesen Weg gemeinsam zu beschreiten. Und dafür ist ein Stück wie Hir, mit einer expliziten Besetzungsanforderung wie der von Taylor Mac, eine gute Voraussetzung.


Lisa Schlegel (Paige Connor), Jannik Görger (Isaac Connor) in "Hir" (Bild: Felix Grünschloß)

Das Stück lehnt sich an die Tradition der amerikanischen realistischen Familiendramen an. Was können wir bei deiner Umsetzung erwarten? Gerüchte sagen, dass du eine bekannte Sitcom aus den 1990ern zitierst und es auch viel Musik geben wird – warum?

Ich schätze die künstlerische Arbeit von Taylor Mac sehr und habe versucht, mit eigenen Mitteln dieser – und allen queeren Traditionen, die dahinterstehen – Tribut zu zollen. Will heißen, nicht nur ich, sondern das ganze künstlerische Team mit mir. Unsere Musikalische Leitung Ari Merten und die Kostümbildnerin Elena Gaus – wir haben gemeinsam versucht ein Spektakel voller popkultureller Zitate zu konzipieren.

Ohne zu viel verraten zu wollen – tatsächlich zitieren wir die Serie "Eine schrecklich nette Familie". Diese Sitcom stellt für mich tatsächlich das beste Klischee der amerikanischen Mittelschichtsfamilie dar. Vor diesem Hintergrund lassen sich sowohl familiäre Strukturen, als auch die Geschlechterrollen innerhalb dieser Strukturen fantastisch sezieren und parodieren. Und um das Spektakel komplett zu machen, definieren wir in unserer Inszenierung "häusliche Salonmusik" definitiv vollkommen neu.

"Hir" feierte am 14. Januar 2023 im Studio des Badischen Staatstheaters Karlsruhe Premiere. Weitere Aufführungen gibt es am 22. Januar und 19. Februar.

#1 VitelliaAnonym
  • 22.01.2023, 14:37h
  • Ja selbstverständlich mit einem ECHTEN
    trans Mann das Schauspiel aufführen.
    Ganz toll, dass es diese Aufführung gibt.

    Leider wohne ich zu weit weg von Karlsruhe.
    Das hätte ich gerne und interessiert angeschaut.
    Hoffentlich sind die Aufführungen gut besucht.
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#2 GrixisAnonym
  • 22.01.2023, 15:19h
  • Als Statement verstehe ich die Besetzung, er hat aber auch Recht damut zu sagen dass sonst alles erlaubt ist. Sollte sich kein passender Transmann finden sollte halt ein biologischer Mann die Rolle spielen. Wichtiger als die Besetzung ist in meinen Augen dass das Thema dem Publikum näher gebracht wird und das am besten mit einem guten Schauspieler. Damit das Publikum mit der Rolle fühlt.
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#3 VitelliaAnonym
  • 22.01.2023, 15:38h
  • Antwort auf #2 von Grixis
  • @Grixis
    Sie schreiben:
    "... sollte halt ein biologischer Mann die Rolle spielen."
    --------
    Was ist denn ein biologischer Mann?
    Sind Transmänner keine biologischen Männer?
    Im Biologie-Unterricht haben wir gelernt, dass
    Bio = Leben heißt.
    Also, sind wir alle biologisch.
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#4 audeasAnonym
#5 VitelliaAnonym
  • 23.01.2023, 12:13h
  • Antwort auf #4 von audeas
  • @audeas,
    Richtig!
    Die Rechten quatschen von "Bio-Deutschen".
    Nur diese wollen sie hier haben, "reinrassig" wie beim Adolf.
    Und doof im Kopf! Bio heißt Leben. Dann sind es Lebensdeutsche?
    Ihrer Logik nach ist dann ein Deutscher, der stirbt, ein Todesdeutscher?
    Rechtslastige haben nicht viel im Hirn, sie hetzen lieber - gegen Ausländer genauso wie gegen queere Menschen.
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#6 audeasAnonym
  • 24.01.2023, 08:22h
  • Antwort auf #5 von Vitellia
  • Nur den Begriff "Ausländer" zu benutzen ist fatal. Es sind nämlich NICHT ALLE Ausländer*innen und nicht NUR Ausländer*innen betroffen von rechter Hetze. Wenn du nicht weiß bist, sprich BIPoC, dann bist du automatisch Ziel der Rechtsextremen.
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