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Berlin

Bärbel Bas erinnert mit Blumen an queere NS-Opfer

Für die Bundestagspräsidentin ist das Gedenken an wegen ihres Queerseins verfolgte Menschen im Hitler-Regime ein "persönliches Anliegen".


Bundestagspräsidentin Bas (2.v.l.) und Bezirksbürgermeister Oltmann (2.v.r.) beim Gedenken am Nollendorfplatz (Bild: Twitter / Jörn Oltmann)

Vor der Gedenkstunde des Bundestags für die Opfer des Nationalsozialismus, die am Freitag erstmals queeren Menschen gewidmet ist, legte Bundestagspräsidentin Bärbel Bas am Mittwoch in Berlin zwei Kränze nieder. Zunächst erinnerte die SPD-Politikerin an der Gedenktafel "Rosa Winkel" am Nollendorfplatz mit Blumen an die queeren Opfer. Dort wurde sie unter anderem von Bezirksbürgermeister Jörn Oltmann (Grüne) begleitet. Anschließend besuchte die Bundestagspräsidentin zusammen mit der Regierenden Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen im Tiergarten.

Die erste Gedenkstunde für Menschen, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität vom NS-Regime verfolgt wurden, solle ein Zeichen gegen Diskriminierung setzen, sagte Bas in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP. "Es ist wichtig zu zeigen: Im Nationalsozialismus hat es diese Opfer gegeben – und auch nach dem Krieg hat es noch Verfolgung gegeben", so die Bundestagspräsidentin. Die Gedenkstunde sei für sie auch ein "persönliches Anliegen". "Mir ist diese Gruppe wichtig, auch weil sie heute immer noch von Diskriminierung und Anfeindung betroffen ist."

Bas wird die Gedenkstunde am Freitag mit einer Ansprache eröffnen. Bei der Veranstaltung wird auch die Holocaust-Überlebende Rozette Kats sprechen. Danach stellen die Schauspieler*innen Jannik Schümann und Maren Kroymann zwei wegen ihrer Homosexualität von den Nazis verfolgte Menschen vor. Anschließend wird Klaus Schirdewahn als Vertreter der queeren Community das Wort ergreifen. Die Sängerin Georgette Dee und der Pianist Tobias Bartholmeß werden die Gedenkstunde musikalisch begleiten (queer.de berichtete). Das ZDF und Phoenix werden die Veranstaltung ab 10 Uhr live übertragen.

"Die Forderung 'Nie wieder!' gilt auch für die Homosexuellen"

Jürgen Lenders, der LSBTI-politische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, wies darauf hin, dass Queerfeindlichkeit bis heute ein Problem sei: "Hass und Diskriminierung hatten nicht nur im Nationalsozialismus schlimme Folgen, sie sind eine Bedrohung für unsere liberale freiheitliche Gesellschaft. Die Geschichte mahnt uns und zeigt, wozu Hass und Hetze führen." Auch heute würden Mitglieder der queeren Community in Deutschland und weltweit diskriminiert und angefeindet. "Jeden Tag gibt es drei Fälle von LSBTI-feindlicher Hasskriminalität in Deutschland, über 1.000 Fälle im letzten Jahr. In 69 Staaten wird Homosexualität noch strafrechtlich verfolgt, in elf Ländern droht sogar die Todesstrafe für Lesben und Schwule", so Lenders. "Die Forderung 'Nie wieder!' gilt auch für die Homosexuellen."

LesbenRing-Fachbeiratsmitglied Stephanie Kuhnen wies allerdings darauf hin, dass dies noch ein weiter Weg sei: "Wir sind noch lange nicht bei einem 'Nie Wieder!' angekommen. Viele der Zeitzeug*innen, die über ihre Geschichte hätten Auskunft geben können, leben nicht mehr. Sie haben geschwiegen oder wurden nicht befragt, weil Homosexuellen- und Transfeindlichkeit fortbestehen konnten". Für diese Menschen komme die Anerkennung im Bundestag zu spät. "Als LesbenRing besorgt uns die prekäre Situation der Archive, Wissensproduktion und -vermittlung besonders. Dass im Bundestag nun auch gleichwohl sichtbar mit anderen queeren Verfolgten und Ermordeten den Lesben* gedacht wird, darf nur ein Anfang sein. Denn es geht in der Vergangenheitsaufarbeitung um nichts Geringeres als die Zukunft einer gesamten Gesellschaft und die Frage: 'Wer wollen wir heute sein?'"

Bereits am Donnerstag wird der Bundestag über einen Antrag der Linksfraktion mit dem Titel "Die 'vergessenen' queeren Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung" debattieren (queer.de berichtete). (mize/dk)

#1 Ith_Anonym
  • 25.01.2023, 14:11h
  • Bin ja mal gespannt, ob das mit dem persönlichen Anliegen weit genug reicht, um Wissen über weniger bekannte Geschichten durchblicken zu lassen, wie z.B. die von transweiblichen und, ohohoh, transmännlichen Menschen, die für ihr So-Sein genauso verfolgt und ins KZ gesteckt wurden.

    Ist allerdings eine Aufarbeitungsarbeit, die fast ausschließlich von einzelnen trans-Personen in deren Freizeit betrieben wird. Wird entsprechend üblicherweise noch mehr totgeschwiegen als die Verfolgung von Lesben. Und entsprechend, weil nicht superleicht auf Silbertablett verfügbar, entsprechend von Dritten gern als angeblich nicht passiert geleugnet.
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#2 ZahlenAnonym