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Prossen

Regenbogenmann am Marterpfahl bei Faschingsumzug in Sachsen

Bei der Schifferfastnacht in Prossen wurde auf einem Festwagen mit der Aufschrift "Deutschland dekadent und krank, Winnetou sucht Asyl im Sachsenland" symbolisch ein queerer Mensch gelyncht.


Sächsischer Humor: Ein Regenbogenmann wird am Marterpfahl gefoltert (Bild: Screenshot Youtube)
  • 26. Januar 2023, 04:15h 39 3 Min.

Ein queer­feindlicher und rassistischer Karnevalswagen in Prossen, einem Ortsteil von Bad Schandau in der Sächsischen Schweiz, sorgt bundesweit für Entsetzen. Bei der Schifferfastnacht am vergangenen Samstag fuhr auch ein LKW mit der Aufschrift "Asyl-Ranch" mit, auf dem als amerikanische Ureinwohner*­innen verkleidete Personen um einen Marterpfahl tanzten, an dem ein Mann im bunten Regenbogen-Anzug festgebunden war. "Deutschland dekadent und krank, Winnetou sucht Asyl im Sachsenland", hieß es dazu auf einem Banner.

Der Umzug mit laut Schiffergesellschaft Elbe Prossen e.V. knapp 300 Teilnehmer*­innen und 2.500 Zuschauer*­innen wurde auf mehreren Youtube-Videos dokumentiert.

Direktlink | Die "Asyl-Ranch" ist ab Minute 9.10 zu sehen
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Der wohl als Statement gegen vermeintliche "Cancel Culture" und "Wokeness" gedachte Faschingswagen wurde in sozialen Medien scharf kritisiert. "Leider bestätigen die Narren in Prossen ein Klischee nur zu gern: Die Sachsen sind in Teilen (r)echte Idioten", kommentierte Grünen-Lokalpolitikerin Lydia Engelman auf Twitter. "Karneval ist dazu da, nach oben zu treten und sich über die Mächtigen lustig zu machen", schrieb der Europaabgeordnete Erik Marquardt (Grüne) in einem Tweet. "Wer glaubt, dass man an Karneval Minderheiten symbolisch an Marterpfähle fesseln und gegen Asylsuchende hetzen sollte, ist hingegen einfach ein verwahrlostes Würstchen."

/ ErikMarquardt
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"Das ist kein Spaß, sondern eine Drohung"

"Wieviel Hass kann man haben?", sorgte sich ebenfalls auf Twitter die trans Aktivistin Julia Monro. User Marcellus Schwiegk fragte: "Und der Regenbogenmann wird dann auf dem Dorfplatz geopfert, oder wie machen das solche einfachen Kulturen?!" Zum Marterpfahl schrieb der Journalist Thorsten Mense: "Das ist kein Spaß, sondern eine Drohung."

/ MenseThorsten

Veranstalter: "Das gehört zur Meinungsfreiheit"

Veranstalter Jens George von der Schiffergesellschaft Elbe Prossen kann die Aufregung um den Karnevalswagen dagegen nicht nachvollziehen: "Das gehört zur Meinungsfreiheit", erklärte er gegenüber der "Bild"-Zeitung. "Beim Fasching ist alles erlaubt, da darf jeder machen, was er will". Was man in Prossen unter Humor versteht, war bereits 2020 zu sehen: Beim Faschingsumzug vor drei Jahren baumelte ein abgetrennter Greta-Thunberg-Kopf vom einem der Festwagen.

Die jährlich am dritten Samstag im Januar gefeierte Schifferfastnacht ist laut Wikipedia ein "kultureller Höhepunkt" in dem direkt an der Elbe gelegenen Ort. Der Brauch sollte ursprünglich das Eis vom Fluss vertreiben, das die Elbe-Schifffahrt im Winter lahmlegt.

Erst im letzten Jahr hatte das Abfackeln einer "Diversity"-Figur mit Brüsten, Penis und Regenbogen-Rock bei einer Brauchtumsveranstaltung in der Schweiz Schlagzeilen gemacht (queer.de berichtete). 2020 wurden beim Karneval im kroatischen Imotski zwei Figuren verbrannt, die einem bekannten schwulen Aktivistenpaar nachempfunden waren (queer.de berichtete). Zwei Jahre zuvor hatten kostümierte Erwachsene beim Kinderkarneval in der kroatischen Kleinstadt Kaštela vor den Augen der Kinder eine Plakatwand verbrannt, die ein Bilderbuch zu Regenbogenfamilien darstellen sollte (queer.de berichtete). (mize)

-w-

#1 Schon
  • 26.01.2023, 06:38hFürth
  • Veranstalter: "Beim Fasching ist alles erlaubt, da darf jeder machen, was er will"
    Ist das so? Bisher dachte ich, "Kunst" darf alles (noch so ein sinnfreier Satz). Wann kommen dann die ersten Karnevals Fackelzüge in SS-Uniformen? Der Bezug zum Vertreiben vom Eis in der Elbe ist offensichtlich verloren gegangen. Karnevals-Umzüge waren immmer schon auch politisch und straffreies Ventil gegen "die da oben". Aber seit wann tretet man im Karneval gegen Minderheiten? Das ist keine Tradition. Das ist Schande.
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#2 guhfgjbcfhAnonym
  • 26.01.2023, 07:22h
  • Ich musste spontan an den antisemitischen Karnevalswagen im Kölner Rosenmontagszug 1934 denken. Und was den Juden in Deutschland später widerfahren ist, ist ja bekannt. Da kann einem nur Angst und Bange werden. Bleibt zu hoffen, dass die heutige Gesellschaft in der breiten Masse diesem Gedankengut widerstehen kann und Geschichte sich nicht wiederholt.
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#3 Bin es leidAnonym
  • 26.01.2023, 08:15h
  • All right, rights. Lasst uns doch mal Drehbücher für eine Filmreihe verfassen, die die Folterungen und brutalen Ermordungen von Konservativen und Rechten thematisiert und gegen die "SAW", "Hostel", "The Midnight Meat Train" etc. Kindergartenunterhaltung sind.

    Mal gucken, wie lange es nach Ankündigung und ggf. ersten Bildern dauert, bis das braune Pack anfängt ganz ganz laut zu quieken...

    Aber ernsthaft: Es ist unerträglich, was sich diese "Besorgten" rausnehmen. Absolut nicht verstanden, woher der Brauch kommt (aber permanent auf "deutsche Traditionen" berufen) und alles für tumben Hass und Hetze missbrauchen.

    Wird - natürlich - auch keine Konsequenzen haben. Die kommen erst, wenn die nächste Gewalttat an uns passiert ist. Dafür hat Steinmeier (oder wer auch immer dann dessen Stelle ausfüllt) dann ja seine Standardrede in der Schublade. Die mit "konnte niemand ahnen", "für unmöglich gehalten", "müssen wir als Gesellschaft dafür Sorge tragen, dass Hass nicht zum Alltag wird".

    Währenddessen kann der rechte Mob weiterhin ungestört und unverfolgt sein Gift verbreiten.
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