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Suizid von trans Frau

Todesursache Britischer Gesundheitsdienst

Im Mai 2022 nahm sich die 20-jährige englische trans Frau Alice Litman das Leben. Ihre Eltern sagen nun: Sie konnte das jahrelange Warten auf den britischen Trans-Gesundheitsdienst nicht mehr ertragen.


Alice Litman wurde nur 20 Jahre alt (Bild: privat)
  • 1. Februar 2023, 10:16h 15 4 Min.

Immer wieder sorgen aktuelle Wasserstandsmeldungen über die horrenden Wartezeiten, die transgeschlechtliche Personen im britischen Gesundheitssystem über sich ergehen lassen müssen, unter LGBTI und ihren Unterstützer*innen für Bestürzung – seien es die OP-Wartezeiten erwachsener Personen, seien es die verstrichenen Jahre der Pubertät, in denen Jugendliche darauf warten, Erstgespräche zur Verschreibung von Pubertätsblockern führen zu können.

Es sind Jahre, in denen die Leben transgeschlechtlicher Menschen nicht selten zum Erliegen kommen, in denen sie ihrem Leiden unter ihrem bisherigen Körper oft voll ausgesetzt sind. Jahre, die für die 20-jährige Alice Litman aus Brighton offenbar zu viel waren.

Knapp 3 Jahre auf Erstgespräch gewartet

Litman hatte im August 2019 eine Überweisung zu einem Erstgespräch im Gender Identity Development Service des National Health Service NHS erhalten. Mit 16 Jahren hatte sie sich als trans geoutet. Wie für Tausende weitere Personen begann damit eine Zeit des Wartens für die junge Frau.

Diese Zeit aber hat Litman allem Anschein nach gebrochen. Am 26. Mai vergangenen Jahres nahm sie sich das Leben – am Tag Nummer 1.023, den sie zu jenem Zeitpunkt wie über 11.000 weitere Personen auf der Warteliste verbrachte. Ihre Eltern erheben nun Vorwürfe gegen das britische Trans-Gesundheitssystem. Der Tod ihrer Tochter sei durch die Wartezeiten des Versorgungssystems verursacht worden. Sie habe es nicht mehr aushalten können, dass ihr Leben auf "Halt" gesetzt war.

Die junge Frau habe verzweifelt mit ihrem Leben fortführen wollen. Die langen Wartelisten aber hätten bedeutet, dass das nicht ging. Es habe, sagt Mutter Caroline, die Familie auseinandergerissen. "Wir haben sie von ganzem Herzen geliebt und wir sind so traurig, dass sie nun fort ist. Ich glaube, dass sie mit der richtigen Versorgung mit der Situation hätte umgehen und weiter wachsen können."

Wann kommen dringend nötige Verbesserungen?

Die Familie hofft, dass die Untersuchung des Falls ihrer Tochter an der Unverfügbarkeit des Trans-Gesundheitssystems in Großbritannien etwas ändert. Alice Litmans Vater jedenfalls will, dass es wenigstens für all die anderen Menschen etwas ändert, die sich gegenwärtig und zukünftig auf den Wartelisten befinden: "Es gibt da draußen viele weitere junge trans Personen und sie brauchen unsere Hilfe."

Doch in Großbritannien herrscht ähnlich wie in den Vereinigten Staaten ein scharfer Kulturkampf um die Rechte und den Status transgeschlechtlicher Personen. Viele Brit*innen blockieren mögliche Verbesserungen für die Lebenssituation ihrer trans Mitbürger*innen. Sie sorgen sich lieber demonstrativ um Jugendliche, die medizinische Maßnahmen bereuen könnten oder darum, dass die Änderung des amtlichen Namens- und Geschlechtseintrags "zu einfach" vonstatten gehen könnte.

Zusätzlich heizen in der britischen Presse herumgereichte, danach aber nie von Journalist*innen aufgearbeitete Märchen wie das um einen angeblichen Vergewaltigungsfall in einem Frauenabteil des NHS die Stimmung an. Wie zerstörerisch die systematische Unterversorgung transgeschlechtlicher Personen im Gesundheitssystem allerdings ist, scheint in der Debatte weniger zu interessieren.

Im Diskurs war immer wieder die zentrale Londoner Tavistock-Klinik für transgeschlechtliche Kinder und Jugendliche unter Beschuss geraten. Die soll bald schließen und einem etwas dezentraleren System Platz machen (queer.de berichtete). Ob das aber auch zu Verbesserungen in der Behandlungssituation führt, ist angesichts der Stimmung im Land und aus dem NHS bekannt gewordenen Plänen für die weitere Behandlung von Jugendlichen jedoch mehr als zweifelhaft. (jk)

Kreisen deine Gedanken darum, dir das Leben zu nehmen?

Sprich mit anderen darüber. Freund*­innen oder Verwandte könnten gute Ansprechpartner*­innen sein.

Die Telefonseelsorge ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr erreichbar. Die Telefonnummern lauten: 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222.

Für trans Personen gibt es in Deutschland ein großes Netzwerk aus Treff-, Unterstützungs- und Beratungsangeboten. So bietet etwa die Deutsche Gesellschaft für Trans­identität und Intersexualität mehrere Beratungsstellen. Weitere lokale Angebote lassen sich oft über Suchmaschinen finden.
-w-

#1 TimonAnonym
  • 01.02.2023, 16:18h
  • Was für eine traurige Nachricht. Dieser Tod wäre absolut vermeidbar gewesen.

    Das zeigt aber auch wieder mal, wie sehr die Zeit drängt. Auch unsere deutsche Regierung sollte das nicht länger aufschieben, sondern endlich umsetzen, bevor es auch hierzulande so einen Fall gibt.

    Und an alle Betroffenen:
    Bitte haltet so lange noch aus. Auch wir Nicht-Trans stehen auf Eurer Seite.
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#2 EchseAnonym
  • 01.02.2023, 16:31h
  • Was in UK und in Teilen der USA passiert, ist ein heimlicher Genozid an uns.

    Rest in power, Alice.
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#3 Ith_Anonym
  • 01.02.2023, 17:00h
  • Das ist es, wofür J.K. Rowling mit ihren vielen Millionen kämpft, dafür investiert sie das Geld, das sie mit Harry Potter-Merch verdient, und deswegen haben Menschen nicht "nichts damit" zu tun, die für ihr Zeug Werbung machen (looking at Gaming-Youtube).

    Ist traurig, aber ich gehe davon aus, dass es bloß ein seltener Fall ist, in dem das Umfeld für einen angemessenen Nachruf sorgt. Da die Bekanntmachung meistens in den Händen der genetischen Verwandtschaft liegen dürfte, können wir davon ausgehen, dass wir normalerweise bloß nichts davon erfahren, denn wenn man schon damit geschlagen ist, "sowas" (wie man es in Teilen meines Herkunftumfelds früher ausgedrückt hätte) in der Familie zu haben, wird man das in den allermeisten Fällen schön unter den Teppich kehren.

    Alle, die sich ein bisschen für das interessieren, was in UK und mit Trans-Rechten auf der Welt abgeht, haben schon vor Jahren vorhergesagt, dass es das ist, was dabei herauskommen wird. Und ehrlich betrachtet wissen wir ja auch alle, dass ex-Kiwi-Farmer auf Telegram und Twitter Party feiern werden, falls sie was davon mitbekommen.
    Und wir alle, die es betrifft und bei denen sie ebenfalls Party feiern würden, müssen damit leben, das zu wissen.
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