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Suizid von trans Frau

Todesursache Britischer Gesundheitsdienst

Im Mai 2022 nahm sich die 20-jährige englische trans Frau Alice Litman das Leben. Ihre Eltern sagen nun: Sie konnte das jahrelange Warten auf den britischen Trans-Gesundheitsdienst nicht mehr ertragen.


Alice Litman wurde nur 20 Jahre alt (Bild: privat)

Immer wieder sorgen aktuelle Wasserstandsmeldungen über die horrenden Wartezeiten, die transgeschlechtliche Personen im britischen Gesundheitssystem über sich ergehen lassen müssen, unter LGBTI und ihren Unterstützer*innen für Bestürzung – seien es die OP-Wartezeiten erwachsener Personen, seien es die verstrichenen Jahre der Pubertät, in denen Jugendliche darauf warten, Erstgespräche zur Verschreibung von Pubertätsblockern führen zu können.

Es sind Jahre, in denen die Leben transgeschlechtlicher Menschen nicht selten zum Erliegen kommen, in denen sie ihrem Leiden unter ihrem bisherigen Körper oft voll ausgesetzt sind. Jahre, die für die 20-jährige Alice Litman aus Brighton offenbar zu viel waren.

Knapp 3 Jahre auf Erstgespräch gewartet

Litman hatte im August 2019 eine Überweisung zu einem Erstgespräch im Gender Identity Development Service des National Health Service NHS erhalten. Mit 16 Jahren hatte sie sich als trans geoutet. Wie für Tausende weitere Personen begann damit eine Zeit des Wartens für die junge Frau.

Diese Zeit aber hat Litman allem Anschein nach gebrochen. Am 26. Mai vergangenen Jahres nahm sie sich das Leben – am Tag Nummer 1.023, den sie zu jenem Zeitpunkt wie über 11.000 weitere Personen auf der Warteliste verbrachte. Ihre Eltern erheben nun Vorwürfe gegen das britische Trans-Gesundheitssystem. Der Tod ihrer Tochter sei durch die Wartezeiten des Versorgungssystems verursacht worden. Sie habe es nicht mehr aushalten können, dass ihr Leben auf "Halt" gesetzt war.

Die junge Frau habe verzweifelt mit ihrem Leben fortführen wollen. Die langen Wartelisten aber hätten bedeutet, dass das nicht ging. Es habe, sagt Mutter Caroline, die Familie auseinandergerissen. "Wir haben sie von ganzem Herzen geliebt und wir sind so traurig, dass sie nun fort ist. Ich glaube, dass sie mit der richtigen Versorgung mit der Situation hätte umgehen und weiter wachsen können."

Wann kommen dringend nötige Verbesserungen?

Die Familie hofft, dass die Untersuchung des Falls ihrer Tochter an der Unverfügbarkeit des Trans-Gesundheitssystems in Großbritannien etwas ändert. Alice Litmans Vater jedenfalls will, dass es wenigstens für all die anderen Menschen etwas ändert, die sich gegenwärtig und zukünftig auf den Wartelisten befinden: "Es gibt da draußen viele weitere junge trans Personen und sie brauchen unsere Hilfe."

Doch in Großbritannien herrscht ähnlich wie in den Vereinigten Staaten ein scharfer Kulturkampf um die Rechte und den Status transgeschlechtlicher Personen. Viele Brit*innen blockieren mögliche Verbesserungen für die Lebenssituation ihrer trans Mitbürger*innen. Sie sorgen sich lieber demonstrativ um Jugendliche, die medizinische Maßnahmen bereuen könnten oder darum, dass die Änderung des amtlichen Namens- und Geschlechtseintrags "zu einfach" vonstatten gehen könnte.

Zusätzlich heizen in der britischen Presse herumgereichte, danach aber nie von Journalist*innen aufgearbeitete Märchen wie das um einen angeblichen Vergewaltigungsfall in einem Frauenabteil des NHS die Stimmung an. Wie zerstörerisch die systematische Unterversorgung transgeschlechtlicher Personen im Gesundheitssystem allerdings ist, scheint in der Debatte weniger zu interessieren.

Im Diskurs war immer wieder die zentrale Londoner Tavistock-Klinik für transgeschlechtliche Kinder und Jugendliche unter Beschuss geraten. Die soll bald schließen und einem etwas dezentraleren System Platz machen (queer.de berichtete). Ob das aber auch zu Verbesserungen in der Behandlungssituation führt, ist angesichts der Stimmung im Land und aus dem NHS bekannt gewordenen Plänen für die weitere Behandlung von Jugendlichen jedoch mehr als zweifelhaft. (jk)

Kreisen deine Gedanken darum, dir das Leben zu nehmen?

Sprich mit anderen darüber. Freund*innen oder Verwandte könnten gute Ansprechpartner*innen sein.

Die Telefonseelsorge ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr erreichbar. Die Telefonnummern lauten: 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222.

Für trans Personen gibt es in Deutschland ein großes Netzwerk aus Treff-, Unterstützungs- und Beratungsangeboten. So bietet etwa die Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität mehrere Beratungsstellen. Weitere lokale Angebote lassen sich oft über Suchmaschinen finden.
#1 TimonAnonym
  • 01.02.2023, 16:18h
  • Was für eine traurige Nachricht. Dieser Tod wäre absolut vermeidbar gewesen.

    Das zeigt aber auch wieder mal, wie sehr die Zeit drängt. Auch unsere deutsche Regierung sollte das nicht länger aufschieben, sondern endlich umsetzen, bevor es auch hierzulande so einen Fall gibt.

    Und an alle Betroffenen:
    Bitte haltet so lange noch aus. Auch wir Nicht-Trans stehen auf Eurer Seite.
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#2 EchseAnonym
  • 01.02.2023, 16:31h
  • Was in UK und in Teilen der USA passiert, ist ein heimlicher Genozid an uns.

    Rest in power, Alice.
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#3 Ith_Anonym
  • 01.02.2023, 17:00h
  • Das ist es, wofür J.K. Rowling mit ihren vielen Millionen kämpft, dafür investiert sie das Geld, das sie mit Harry Potter-Merch verdient, und deswegen haben Menschen nicht "nichts damit" zu tun, die für ihr Zeug Werbung machen (looking at Gaming-Youtube).

    Ist traurig, aber ich gehe davon aus, dass es bloß ein seltener Fall ist, in dem das Umfeld für einen angemessenen Nachruf sorgt. Da die Bekanntmachung meistens in den Händen der genetischen Verwandtschaft liegen dürfte, können wir davon ausgehen, dass wir normalerweise bloß nichts davon erfahren, denn wenn man schon damit geschlagen ist, "sowas" (wie man es in Teilen meines Herkunftumfelds früher ausgedrückt hätte) in der Familie zu haben, wird man das in den allermeisten Fällen schön unter den Teppich kehren.

    Alle, die sich ein bisschen für das interessieren, was in UK und mit Trans-Rechten auf der Welt abgeht, haben schon vor Jahren vorhergesagt, dass es das ist, was dabei herauskommen wird. Und ehrlich betrachtet wissen wir ja auch alle, dass ex-Kiwi-Farmer auf Telegram und Twitter Party feiern werden, falls sie was davon mitbekommen.
    Und wir alle, die es betrifft und bei denen sie ebenfalls Party feiern würden, müssen damit leben, das zu wissen.
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#4 transmelAnonym
  • 01.02.2023, 17:04h
  • Antwort auf #1 von Timon
  • Nun, schön zu lesen, dass es cis-Personen gibt, die trans-Personen nicht pauschal verurteilen. Immerhin scheint das Verurteilen - gänzlich ohne jemals überhaupt Transmenschen kennengelernt zu haben - bei nicht wenigen Mitbürger*innen in Mode zu sein. Schließlich ist es auch leicht, pauschaler Hetze zu erliegen, wenn man/frau nicht selbst betroffen ist.

    Für viele Mitläufer*innen der Anti-Trans-Aktivist*innen wäre es sicher angeraten, sich einmal ins Bewusstsein zu rufen, wie es ihnen ergehen würde, wenn sie selbst Teil einer diskriminierten Minderheit wären. Ein schwerer Unfall, der jemanden erblinden lässt oder in einen Rollstuhl zwingt, sind sicher die einfachsten Beispiele, derer es aber zahlreiche gibt.

    Und für viele könnte es auch empfehlenswert sein, Transmenschen einmal wirklich kennenzulernen - und mit ihnen statt über sie zu reden. Die Kriminalisierungsdebatte ist gerade in Deutschland geradezu skandalös, aber bei intensivem Miteinander mit Transmenschen auch als vollkommen abwegig zu entlarven.
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#5 Ith_Anonym
  • 01.02.2023, 17:33h
  • Antwort auf #4 von transmel
  • Hm, liest sich ein bisschen hämisch, mEn hat #1 das nicht verdient, ich fand das Statement okay.

    Und hey, beim Kennenlernen solltest du schon näher eingrenzen, wen sie dann bitte nicht kennenlernen sollen :p
    Mir sagt man jedenfalls regelmäßig, ich (und Leute wie ich) mit großer Klappe und Aggressivität seien Gründe dafür, dass ich in Deutschland keine Rechte bekomme, denn wenn jemand Rechte fordere, sei ja schließlich logisch, dass man diese Rechte nicht bekomme, weil Leute gar nicht anders können, als darauf ablehnend reagieren (irgendwie scheint es wohl anspruchsvoll und damit unangemessen zu wirken, sowas wie Menschenwürde und -rechte zu fordern, wenn man sie gratis nicht bekommt).
    Als hätte ich es nicht mit nett bitten, nett hinweisen, freundlichem Abwarten und Optimismus versucht. Sobald du dann die Nase voll hast und den devoten Tonfall und die devote Haltung nicht mehr einsiehst, weil du ja gelernt hast, dass dir beides nichts bringt außer selbstzerstörerische Gedanken und Schuldzuweisungen an dich selbst, bist du angeblich ein zentraler Teil des Problems. Die Phase davor, die es bei den allermeisten Leuten gibt, die mit Leiden assoziiert ist und bei einigen dann halt auch fatal endet, weil sie dauerhaft die Aggression auf sich selbst und nach innen richten statt auf das Außen, das ihnen die psychischen Schmerzen zufügt, wird gepflegt ignoriert.

    Sorry, wenn das jetzt alles etwas pietätlos rüberkommt, und ich kann und will nicht darüber mutmaßen, was hier die konkreten Mechanismen und Auslöser gewesen sind. Aber ich schlage mich einfach schon zu lange selbst mit Suizidgedanken herum, als dass ich es meiner Psyche zumuten wollte, hier sentimental zu reagieren. Wenn man eine unschöne reale Zukunftsperspektive vor sich hat, mit der man klarkommen muss, muss man mit den eigenen Ressourcen haushalten. Verdrängung und bewusstes Steuern davon, wann man sich potenziell selbstschädigende Gefühle und Gedanken erlaubt, sind nicht immer nur schlecht. Gibt aktuell einfach zu viele negative Nachrichten auf der Welt.
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#6 JhhhAnonym
  • 01.02.2023, 18:30h
  • NHS Probleme sind doch nicht trans spezifisch.

    Das NHS ist kaputt gespart und unterfinanziert.

    Daraus einen LGBTQ Mythos zu definieren ist unlauter und zeigt von Unwissen.
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#7 SeraphinaAnonym
#8 transmelAnonym
  • 01.02.2023, 19:31h
  • Antwort auf #5 von Ith_
  • Da muss wohl etwas missverständlich angekommen sein. Denn meine Antwort auf #1 war in keinster Weise hämisch gemeint. Immerhin denke ich, dass ich durchaus "in der Diskussion" bin. Und in diesem Zusammenhang weise ich regelmäßig darauf hin, dass Vorurteile und Offenheit für Hetze (nicht nur gegen Transmenschen) auf gänzlicher Unkenntnis der Materie aufbauen.

    So sind auch die Hetzkampagnen der geistigen Brandstifter*innen nachzuvollziehen, die letztlich stur ihre Leier herunterspielen, bis ihre Thesen - nicht Argumente - verfangen.

    Ganz nach dem Motto: "Steter Tropfen höhlt den Stein!"

    Und um diesem Mechanismus entgegenzuwirken, hatte ich darauf hingewiesen, dass das selbstverständliche Miteinander, ggf. auch mit potentiellen Transgegner*innen, unabdingbar ist. Zum Zweck eines Kennenlernens.

    In diesem Sinne bin ich auch zeitweise mit Feministinnen in Kontakt getreten. Vielleicht nicht TERF, aber zumindest potentiell transkritisch orientierten cis-Frauen.

    Da muss nicht zwangsläufig immer nur Transidentität das beherrschende Thema sein. Ich betone immer und überall, dass trans-Personen Menschen sind wie "Du und ich".

    Der Kommentar von #1 findet in diesem Sinne meine volle Zustimmung.
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#9 VitelliaAnonym
  • 01.02.2023, 22:12h
  • Antwort auf #4 von transmel
  • "Und für viele könnte es auch empfehlenswert sein, Transmenschen einmal wirklich kennenzulernen .."
    ---------
    @transmel
    Das ist mit ein Grund, warum ich (als Hetero-Frau) hier schreibe.
    1.) Prinzipiell mag ich es nicht, wenn man über andere Menschen herfällt, die einem nicht passen. Ob Schwule, Lesben, Transmenschen ...
    Mensch ist Mensch!
    2.) Vor Jahren habe ich im Radio (Deutschlandfunk) einen Bericht über eine Marion Holl, früher Manfred Holl, gehört.
    Deshalb habe ich ihr Buch gekauft: "Seele im Spagat".
    Dann wusste ich (auch mit dem Beitrag im Radio) welch ein Leidensweg es für Marion war, bis sie endlich Frau sein durfte - SO hat sie sich gefühlt!! Dann war auch ihre Entscheidung für ihre OP richtig, dass sie jetzt Frau ist und NICHT mehr Manfred Holl.
    Ich weiß nicht, was andere Leute davon haben, Transmenschen zu kritisieren, ablehnen, diskriminieren?
    Schäbig und schlecht - genau wie die doofe AfD-Storch im Bundestag gegen Tessa Ganserer.
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#10 Pu244Anonym
  • 02.02.2023, 02:00h
  • Wie schon gesagt wurde, betreffen diese Problem die Leute in GB ganz allgemein. Alles, was dort nicht als Kritisch angesehen wird, im Sinne dass es sich aufschieben läßt, ist dort strikt rationiert.

    Die OPs für Hüftgelenke hat man dort z.B. nur für Leute unterhalb des Rentenalters vorgesehen, wer älter ist, darf selbst bezahlen, egal, ob diejenigen noch erwerbstätig sind oder nicht. Wer älter ist, darf gänzlich selbst zahlen (etwa 25.000 Pfund). Paradoxerweise kostet diese Maßnahme, da die Leute dann Pflegebedürftig werden. Jenseits des Rentenalters sind auch Operationen, die bei uns völlig verständlich sind, wie etwa der Erhalt der Sehfähigkeit unnötiger Luxus. Im Gegensatz zu den Hüftgelenken zahlt da dann doch irgendeine Sozialkasse, nachdem sie einem die Bude von sämtlichen Dingen befreit haben, die sich verkaufen lassen (man kann zwar weiterhin sehen, hat aber keinen Fernseher mehr).

    Das war vor weit über 20 Jahren. Danach haben die Konservativen über 10 Jahre gespart, wo es ging und dann ist ihnen durch den Brexit massenhaft Personal abhanden gekommen.

    Momentan wird alles, was nicht direkt tödlich, nicht aufschiebbar (etwa ein Knochenbruch), die Arbeitsfähigkeit dauerhaft massiv einschränkt (nur für Leute unterhalb des Rentenalters) oder absolut notwendig ist, auf Jahrelange Wartelisten gesetzt. Seinen Zahnarztbesuch sollte man z.B. Jahre im Voraus planen.

    Es ist einfach absolut traurig, was da geschieht, das ist leider "nur" eine weitere traurige Meldung, die sich da einreiht.
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