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Homophobie-Vorwürfe

Wegen Pupplay: Karnevalsverein setzt schwulen Präsidenten ab

Karnevalist Gabriel Geishüttner soll laut seiner Familie aus Homophobie als Karnevalspräsident abgesetzt worden sein. Sein Verein bestreitet das – gibt aber zu, dass man eine Hundemaske im Instagram-Profil des Ex-Präsidenten nicht akzeptieren könne.


Sujetbild: Mit Cowboys oder Zombies haben Karnevalsvereine selten Probleme, mit Hündchen aber sehr wohl… (Bild: Puppy Pride Cologne)

  • 1. Februar 2023, 14:47h 38 3 Min.

Der Karnevalsverein im oberbergischen Engelskirchen-Ründeroth ist mitten drin in einem Homophobie-Skandal: Der Verein hatte vor gut einer Woche bei einer Mitglieder­versammlung angeblich mit großer Mehrheit seinen erst 19 Jahre alten Präsidenten Gabriel Geishüttner abgewählt. Der offen schwule Teenager berichtete laut "Express" davon, dass er bei einer Vereinssitzung am 12. Januar von anderen erheblich beleidigt worden war – etwa als "abartig".

Als ein Grund für die Abwahl sei angegeben worden, dass sich Geishüttner in seinem privaten Instagram-Profik in einem Pupplay-Outfit, also mit einer Hundemaske, gezeigt habe. Er habe mit dem Bild zum Ausdruck bringen wollen, dass der Karneval tolerant sei, so Geishüttner. Der offen schwule Karnevalist war erst ein halbes Jahr in Präsidentenamt gewesen.

Die Familie Geishüttners erhob nach der Abwahl im "Kölner Stadtanzeiger" (Bezahlartikel) Homophobievorwürfe gegen den Verein: Laut der Mutter des geschassten Präsidenten trennten sich die Närrinnen und Narren nur von ihrem Sohn, weil dieser schwul sei.

Der Verein weist diesen Vorwurf jedoch erbost zurück. Auf Facebook schlug er am Montag mit scharfen Worten auf seinen Ex-Präsidenten ein: Dieser habe sich etwa wiederholt über Absprachen hinweggesetzt. Er sei auch selten zu Veranstaltungen gekommen und habe sich schlecht auf die Moderation vorbereitet. Zudem habe er andere Mitglieder beleidigt. Vorwürfe, er sei unter anderem als "abartig" beleidigt worden, seien aber "falsch und vollkommen aus dem Zusammenhang gerissen".

Verein hat Problem mit Hundekostüm

Der Verein bestätigte in dem Text allerdings auch die Berichte aus Lokalmedien, wonach ein Kostüm aus der schwulen Community mit ausschlaggebend für den Rausschmiss gewesen sei. Die Hundemaske sei "ein kleines Puzzleteil" gewesen, "welches das Fass zum Überlaufen gebracht hat", hieß es. Man sei aber nicht homophob, sondern stoße sich daran, dass auf dem Foto ein Vereinsemblem zu sehen sei. Dazu merkte der Verein an: "Ein User in den sozialen Medien schrieb es ganz treffend: 'Mein Fußballverein will ja auch nicht, dass ich in Vereinsklamotten in die Shisha Bar gehe, obwohl es nicht verboten ist'." Gegenüber der Presse wolle man sich nicht zu der Sache äußern.

Stellungnahme zur Abwahl von RKV Präsident Gabriel Geishüttner Ein Medienbericht über die Abwahl unseres Ex-Präsidenten...

Posted by Ründerother Karnevalsverein 1975 e.V. on Monday, January 30, 2023
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Der Düsseldorfer Grünen-Politiker Niclas Ehrenberg (28) hatte den Verein bereits letzte Woche scharf kritisiert: "In einer Zeit, wo Toleranz eigentlich kein Thema mehr sein sollte, ist dies mehr als verwunderlich. Dass ein Karnevalsverein behauptet tolerant zu sein und dann so handelt, zeigt für mich, dass wir noch nicht am Ziel sind – und wir daher weiterhin CSD und Aufklärung brauchen." (cw)

Zur Seite springt ihm unter anderem Niclas Ehrenberg (28), Grünen-Politiker aus Düsseldorf, der ebenfalls für seine...

Posted by Niclas Ehrenberg on Friday, January 27, 2023
Facebook / Niclas Ehrenberg
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Das sogenannte Pupplay führt immer wieder zu hysterischen Reaktionen: Queerfeindliche Kräfte argumentieren, dass derartige Verkleidungen Kinder gefährden würden (queer.de berichtete). Verbotsfantasien gibt es sogar in der Szene: 2021 untersagte der CSD Bremen etwa kurzzeitig das Tragen von Verkleidungen (queer.de berichtete). (cw)

#1 German VerlogenheitAnonym
  • 01.02.2023, 16:10h
  • Einmal mehr die deutsche Piefigkeit, die im Vereinsleben auch nicht ohne die "gute deutsche Queerfeindlichkeit" auskommt, die mensch täglich in diesem ach so liberalen und offenen Land "genießen" darf.

    "Als ein Grund für die Abwahl sei angegeben worden, dass sich Geishüttner in seinem privaten Instagram-Profik in einem Pupplay-Outfit, also mit einer Hundemaske, gezeigt habe. Er habe mit dem Bild zum Ausdruck bringen wollen, dass der Karneval tolerant sei, so Geishüttner."

    Tja, Toleranz in Deutschland - der Irrglaube schlechthin. Ich hoffe, er zieht die Konsequenz daraus und entscheidet sich für die wohl toleranteren, also die Puppys.

    Das Widerlichste an der Aktion ist obendrein noch DER Teil hier:
    "Die Hundemaske sei "ein kleines Puzzleteil" gewesen, "welches das Fass zum Überlaufen gebracht hat". Man sei aber nicht homophob, sondern stoße sich daran, dass auf dem Foto ein Vereinsemblem zu sehen sei."

    Klar, "wir als Verein haben ja nichts gegen Schwule, ABER..."
    Kennt man ja. Gehört seit Jahrzehnten zum "guten Ton" der bürgerlich-spießigen Brut, die alles, was nicht cis und hetero ist, am liebsten ganz aus der Öffentlichkeit entfernt sähe, aber nicht die Chuzpe hat, dies auch zu kommunizieren. Stattdessen immer dieses verlogene "wir sind aber doch soooo offen und modern und bla bla bla".
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#2 nichtbinärePersonAnonym
  • 01.02.2023, 16:22h
  • Antwort auf #1 von German Verlogenheit
  • Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. (Grandioser Nickname übrigens!)

    Dennoch gehe ich jede Wette ein, dass sich auch hier wieder eine unendliche Diskussion entwickeln wird, ob Pupplay nun auf CSDs (oder in die Öffentlichkeit oder sonstwohin) gehört. Wir hatten das auch hier schon gefühlte 1000x, und es gibt auch hier viele Stimmen, die finden, "das gehöre sich nicht", man müsse immerhin die Kinder schützen und wasweißich noch alles.

    Wollen wir uns eine solche Diskussion diesmal ersparen? Ich wäre äußerst dankbar dafür.
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#3 NachfrageAnonym
  • 01.02.2023, 16:34h
  • 'Mein Fußballverein will ja auch nicht, dass ich in Vereinsklamotten in die Shisha Bar gehe, obwohl es nicht verboten ist'.

    Kann mir jemand erklären, was diese Aussage soll? Ich verstehe das Problem nicht.
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