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Los Angeles
10-jähriger Junge wegen Homosexualität getötet: Prozess hat begonnen
Weil er schwul war, wurde er jahrelang von seiner Mutter und deren Freund gefoltert und schließlich ermordet. Vier Jahre nach der Tat wird nun vor Gericht über den Fall verhandelt.

Anthony musste im Alter von nur zehn Jahren sterben, weil seine Eltern homophob sind
- Von Justus Henker
14. Februar 2023, 09:24h 3 Min.
Mehr als vier Jahre nach dem Mord an dem zehnjährigen Anthony Avalos hat am 25. Januar der Prozess gegen seine Mutter Heather Barron und ihren Freund Kareem Leiva vor einem Einzelrichter des Superior Court Los Angeles Sam Ohta begonnen. Barron und Leiva sitzen seit ihrer Verhaftung 2018 ohne die Möglichkeit einer Kaution in Haft.
Standen unmittelbar nach der Tat im Juni 2018, die zu dem Tod des Jungen führten, homophobe Motive im Raum, so spielen sie im laufenden Verfahren aus prozesstaktischen Gründen nur eine untergeordnete Rolle. Dies liegt an Besonderheiten im kalifornischen Strafrecht. Die Staatsanwaltschaft fokussiert sich vor allem auf die Brutalität und Gleichgültigkeit gegenüber dem Opfer, mit der die beiden Täter*innen gegen den Jungen vorgingen. Hintergrund war aber offensichtlich Homophobie – so war bekannt, dass sich Anthony selbst als schwul beschrieben hat und Leiva Mitglied einer kriminellen Organisation war, die ihre Mitglieder wegen Homosexualität getötet haben soll.
Junge wies Folterspuren auf
Die letzten vier Jahre im Leben des Anthony Avalos waren eine fast ununterbrochene Folter, so die "Los Angeles Times". So musste der Junge oft stundenlang eingesperrt in einem Raum ohne Zugang zu Essen, Wasser oder einem WC zubringen. Auf seinem Körper wurden Striemen und Narben unterschiedlichen Alters gefunden, die von Gürteln und Elektrokabeln stammten. Verschorfte und wieder eröffnete Wunden an den Knien waren Folgen einer Tortur, bei der der Junge auf ungekochten Reiskörnern auf Beton knien musste.
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Zu seinem Tod führte schließlich eine Schädelverletzung, die ihm vom Ziehvater Leiva zugefügt worden waren. Dieser hatte das Kind wiederholt auf den Kopf fallen lassen. Als Sanitäter bei ihm eintrafen, war der Junge hirntot und ohne Puls. Geschwister berichteten, dass er seit zwei Tagen "bewusstlos" gewesen sein soll. Staatsanwalt Saeed Teymouri zeigte zum Prozessauftakt abwechselnd das Bild eines jüngeren und gesunden Anthony und eines mit eingesunkenen, blutigen Augen des Jungen. Ein weiteres Bild, das im Krankenhaus entstanden war, zeigt ihn mit Schnitten und blauen Flecken übersät.
Behördenversagen kritisiert
Der Fall weist Ähnlichkeiten zum Fall des achtjährigen Gabriel Fernandez auf, der von seinem Vater für schwul gehalten worden war und im Mai 2013 ebenfalls an einer monatelangen Folter starb (queer.de berichtete). Auch er stammte aus Antelope Valley. Beide Fälle führten zu einer emotional geführten öffentlichen Diskussion um Kindesmissbrauch und Behördenversagen. Denn, wie schon im Fall Gabriel, sahen auch bei Anthony die kalifornischen Jugendschutzbehörden sehenden Auges weg.
Dem Jugendamt, das Anthony betreute, wurden allein 13 Berichte über Kindesmisshandlungen übermittelt. Auch das Sheriffsdepartment des Bezirks Los Angeles erhielt Hinweise darauf, dass Leiva Kinder misshandelte. Anthony wandte sich außerdem hilfesuchend an seinen Lehrer, der wiederum an den Behörden scheiterte. Nachdem die Staatsanwaltschaft es schon im Fall Fernandez nicht vermochte, Mitarbeiter*innen des Jugendamtes strafrechtlich zu belangen, verzichtete sie im Fall von Anthony gänzlich darauf.
Anders als im Fall von Gabriel Fernandez, dessen Vater entsprechend verurteilt wurde, droht den beiden Peiniger*innen des kleinen Anthony nicht mehr die Todesstrafe. Nachdem die Angeklagten im aktuellen Verfahren auf ihr Recht auf ein Geschworenenverfahren verzichteten, nahm auch die Bezirksstaatsanwaltschaft entsprechende Anträge zurück. Die Staatsanwaltschaft strebt nun wegen Mordes mit dem besonderen Merkmal der vorangegangenen Folter und anderem eine lebenslange Haft der beiden an, ohne Aussicht auf vorzeitige Entlassung oder Bewährung. Der Prozess soll sechs Wochen dauern.















