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  • 17. März 2006 23 2 Min.

Der erfolgreiche Einsatz des tschechischen Premierministers zeigt, dass Osteuropa nicht nur aus Schwulenhassern besteht.

Von Dennis Klein

Die Verfassung Lettland verbietet die Homo-Ehe. In Moskau rufen Politiker und Religionsvertreter zur Ächtung von Schwulen auf - manche sogar zum Mord. Polens neuer Präsident ist davon überzeugt, dass die ungezügelte, gleichgeschlechtliche Liebe zum Aussterben der Menschheit führen wird. Fazit: Ganz Osteuropa ist von homophoben Horden besetzt. Ganz Osteuropa? Nein. Ein von unbeugsamen Tschechen bevölkertes Land hört nicht auf, den Intoleranten Widerstand zu leisten. Und das nicht dank eines Zaubertranks, sondern dank eines Politikers: Jiri Paroubek, Premierminister der Tschechischen Republik.

Der 1952 geborene Sozialdemokrat hat gegen den erbitterten Widerstand des konservativen Präsidenten Vaclav Klaus die Einführung der Homo-Ehe durchgesetzt. Dabei hätte das Ganze auch in die Hose gehen können: Selbst in seiner eigenen Partei wollten ihm nicht alle Abgeordneten folgen - sie missbrauchten ihren katholischen Glauben als Entschuldigung, eine ganze Bevölkerungsgruppe zu diskriminieren. Bis zuletzt war nicht sicher, ob Paroubek das Gesetz durchbringen würde. Dann die Entscheidung: 101 von 200 Abgeordneten unterstützten den Premierminister. Dabei setzte der in Tschechien als "politischer Bulldozer" bezeichnete Politiker seine politische Zukunft aufs Spiel. Hätte er den Machtkampf gegen Präsident Klaus verloren, hätte dessen demokratische Bürgerpartei den nach Reformen geschwächten Paroubek in Bedrängnis gebracht.

Jetzt aber ist Tschechien das erste ehemalige Ostblockland, das Schwulen und Lesben mit Eingetragenen Partnerschaften weitgehend die gleichen Rechte gibt wie heterosexuellen Paaren. Auch für nicht heiratswillige Homosexuelle ist diese Entscheidung wichtig, da sie gleichgeschlechtliche Liebe sichtbarer macht - und damit weniger bedrohlich erscheinen lässt. Der Anfang ist gemacht. Bleibt zu hoffen, dass der Funke auf die Nachbarländer überspringt. Für seine Durchsetzungskraft hat der "Bulldozer" einen ganz großen Homo-Orden verdient.

17. März 2006

-w-

#1 rudolfAnonym
  • 17.03.2006, 19:05h
  • Eine sehr gute Entscheidung! Hoffentlich laßt Ihr dem tschechischen Premier seinen Orden auch irgendwie zukommen, damit er auch etwas von seinem Glück erfährt.

    Nach dem (v.a. kirchlichen) Gegenwind der letzten Monate könnte dieser mutige Politiker ein wenig offene Unterstützung gut gebrauchen.
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#2 AnsakAnonym
#3 MichaAnonym
  • 18.03.2006, 00:05h
  • Ähem.... und was ist mit Ungarn, welches seit 1996 gesetzlich gleichgeschlechtlichen Paaren mehr Rechte zugesteht?

    Nicht sauber recherchiert, dieser Artikel!

    Ungarn gesteht zusammenlebenden Paaren (egal welchen Geschlechts) seit 1996 einige wenige Rechte zu (z.B. im Renten- und Erbschaftsrecht). Eingetragene Partnerschaften gibt es jedoch nicht. Red.
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