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Hasskriminalität und Blutspende

Bundes­regierung bringt zwei queerpolitische Vorhaben ins Parlament

Diese Woche berät der Bundestag über zwei queerpolitische Projekte der Ampel: Hasskriminalität gegen queere Menschen soll besser geahndet und die Diskriminierung von Schwulen bei der Blutspende abgeschafft werden.


Der Bundestag will das Land etwas queer­freundlicher machen (Bild: Jon Worth / flickr)

  • 15. März 2023, 10:38h 11 3 Min.

Die Ampel packt diese Woche zwei Versprechen an die LGBTI-Community an: Am frühen Mittwochabend soll im Parlament über den 97-seitigen "Gesetzentwurf zur Überarbeitung des Sanktionenrechts" (PDF) erstmals beraten werden, mit dem unter anderem Hass­kriminalität gegen sexuelle und geschlechtliche Minderheiten entschiedener entgegengetreten werden soll. Zudem sollen homo- und bisexuelle Männer sowie trans Menschen bei der Blutspende nicht mehr nach ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechts­identität beurteilt werden, sondern nach ihrem individuellen Risikoverhalten.

Der Entwurf zur Hass­kriminalität sieht "die ausdrückliche Erwähnung geschlechtsspezifischer und gegen die sexuelle Orientierung gerichteter Beweggründe" im Strafgesetzbuch vor. Das bedeutet, dass eine Tat härter bestraft werden kann, wenn sie aus Hass gegen queere Menschen begangen wurde. Bislang wird das Merkmal "sexuelle Orientierung", anders als etwa rassistische oder antisemitische Beweggründe, nicht ausdrücklich im entsprechenden Paragrafen 46 erwähnt. "Der gerichtliche Aufwand für die Strafzumessung wird damit nicht komplexer, sondern nur stärker auf diesbezügliche Motivlagen fokussiert", heißt es im Entwurf.

"Ein freiheitlicher Rechtsstaat muss die Freiheit seiner Bürger*­innen auch vor den Eingriffen Dritter schützen", erklärte dazu Jürgen Lenders, der Sprecher für LSBTI der FDP-Bundestagsfraktion. "Hassmotivierte Straftaten zielen nicht nur auf die Menschen als Individuen ab, sondern auch darauf, eine ganze Bevölkerungsgruppe einzuschüchtern. Das nehmen wir nicht hin und treten Hassgewalt als Staat entgegen und reformieren das Strafgesetzbuch."

Reform bei Blutspende

Zudem hat am Mittwoch der Gesundheitsausschuss des Bundestages beschlossen, "dass bei einer #Blutspende die sexuelle Orientierung keine Rolle mehr spielen soll!", teilte das Ausschussmitglied Johannes Wagner (Grüne) mit. "Einzig das individuelle Risikoverhalten soll betrachtet werden!"

/ kathabeck
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"Ich freue mich darauf, dass ich als schwuler Mann nun bald Blut spenden darf!", erklärte dazu Lenders. Die Regelung soll im Rahmen der Reform der Unabhängigen Patientenberatung am Donnerstagnachmittag im Bundestag beschlossen werden. Mit der Gesetzesänderung wird die Bundesärztekammer verpflichtet, die Richtlinie zur Bewertung der Risiken, die zu einem Ausschluss oder einer Rückstellung von der Spende führen, entsprechend geändert wird. Hält die Kammer die vorgegebene Frist nicht ein, werde die Richtlinie vom Paul-Ehrlich-Institut im Einvernehmen mit dem Robert-Koch-Institut (RKI) geändert. "Ich begrüße, dass die Ampel sich mit dem Gesetz der Lebenswirklichkeit anpasst. Wer Blut spendet, übernimmt Verantwortung und hilft Leben zu retten", so Lenders. Zudem soll die Altersgrenze, die für Erstspender bei 60 Jahren und für Wiederholungsspender bei 68 Jahren liegt, aufgehoben werden. Jede und jeder solle nach Ansicht der Ampel Blut spenden können, wenn keine medizinischen Gründe dagegen sprechen.


Jürgen Lenders ist seit Dezember 2021 Sprecher für LSBTI der FDP-Fraktion im Deutschen Bundestag (Bild: krisphotography.de)

Homo- und bisexuelle Männer werden bislang bei der Blutspende anders behandelt als heterosexuelle Männer. Auch trans Menschen werden gesondert erwähnt. Die Regelung stammt aus der Zeit der Aids-Krise. LGBTI- und Aids-Organisationen fordern seit Jahren eine Reform, da das Risiko einer HIV-Infektion nicht von der sexuellen Orientierung, sondern vom individuellen Risikoverhalten abhängt. Ähnliche Regelungen gelten bereits in vielen anderen Ländern wie Spanien oder Italien und haben sich dort bewährt. Auch andere Länder, wie zuletzt die USA, wollen den Pauschalverdacht gegen queere Menschen abschaffen. (dk)

-w-

#1 wokixAnonym
  • 15.03.2023, 12:06h
  • So sehr ich den Vorstoß begrüße, die Blutspende kommt für mich nicht mehr in Frage. Zu tief sitzt die Verletzung durch die Diskriminierung der letzten Jahrzehnte, in denen mein Blut nicht gewollt war.
    Und ich bin mir sicher, dass in der Debatte wieder die unseligen Töne der Vergangenheit zu hören sein werden.
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#2 PolitikverdrossenAnonym
  • 15.03.2023, 12:54h
  • Antwort auf #1 von wokix
  • "dass in der Debatte wieder die unseligen Töne der Vergangenheit zu hören sein werden." - leider zutreffend.

    Blutspenden - nun es ist kein Zwang Blut oder auch Organe usw. zu spenden.
    Letzteres war ja kurioserweise bislang auch möglich.

    Ich denke ich werde Blutspenden, auch wenn ich die sehr negativen Erfahrungen (leider) ebenfalls machen musste.
    Ich fürchte jedoch das ua. beim DRK, der alte Maßstab, nach wie vor Verwendung finden wird.
    Leider sind viele doch zu LGBTIQ feindlich gesinnt, als das sie uns, von "heute auf morgen" genauso behandeln werden wie Cis hetero behandeln werden.

    Dennoch werde ich es versuchen, ich halte Blutspenden für wichtig und kenne aus eigener Erfahrung den Bedarf.
    Auch wenn ich unser regionales DRK leider als sehr feindseelig, uninformiert und diskriminierend erleben musste (was sich glaube ich auch nicht ändern wird).

    Hey vlt. werden andere durch mein Blut dann doch trans...die perfekte Rache! /s
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#3 Lucas3898Anonym
  • 15.03.2023, 18:24h
  • Ich hoffe mal, dass der Bundestag da noch Änderungen einbringt.

    Im Entwurf vom 06.03.2023 fehlt leider die von mehreren Verbänden (u.a. VelsPol, LSVD, Verband der Beratungsstellen für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt und Deutscher Juristinnenbund) empfohlene Ergänzung in der StPO und den Richtlinien für das Strafverfahren und das Bußgeldverfahren (RiStBV).

    Aus der Stellungnahme des LSVD:

    "§ 158 StPO: In § 158 StPO ist das Verfahren bei Strafanzeige und Strafantrag geregelt.
    Dort sollte der Hinweis ergänzt werden, dass bei der Aufnahme von Strafanzeige und Strafantrag Umstände nach § 46 Abs. 2 StGB verpflichtend erfragt und dokumentiert werden müssen."

    "§ 163 StPO: In § 163 StPO ist das Ermittlungsverfahren durch die Polizei geregelt.
    Hier sollte ergänzt werden, dass die Erforschung der Straftat insbesondere alle Umstände nach § 46 Abs. 2 StGB umfassen soll."

    Außerdem wird angeraten noch die Straftatbestände §§ 130 und 192a StGB zu ergänzen:

    "Der neu eingeführte Straftatbestand der verhetzenden Beleidigung (§ 192a StGB) ist vermutlich unbeabsichtigt zu eng formuliert. Er muss um geschlechtsspezifische Hassgewalt ergänzt werden. "

    Bei der Volksverhetzung (§130 StGB) wird queerfeindliche Hetze bisher gar nicht ausdrücklich erwähnt.

    "Der Tatbestand der Volksverhetzung hebt als mögliche Ziele von Volksverhetzung nationale, rassische, religiöse oder durch ihre ethnische Herkunft bestimmte Gruppe(n) ausdrücklich hervor. Sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität sind dagegen nicht ausdrücklich benannt, sondern fallen unter das Merkmal Teil der Bevölkerung.
    Das Ergebnis: Entscheidungen zu homo- oder biphober, transfeindlicher oder sexistischer Volksverhetzung sind trotz ihrer weiten Verbreitung äußerst selten. Die von den Gerichten entschiedenen Fälle beziehen sich fast ausschließlich auf rassistische, antisemitische und rechtsextremistische Äußerungen, also auf die im Gesetz ausdrücklich benannten Gruppen.

    Ebenso wie bei § 46 Abs. 2 StGB ist daher in § 130 StGB eine ergänzende Klarstellung erforderlich, dass Gruppen, die durch ihr Geschlecht, ihre geschlechtliche Identität oder ihre sexuelle Orientierung bestimmt sind, Ziele von Volksverhetzung sein können."

    Quelle:

    www.enorm.bund.de/SharedDocs/Gesetzgebungsverfahren/Stellung
    nahmen/2022/Downloads/0823_Stellungsnahme_LSDV_Ueberarbeitun
    g_Sanktionsrecht.pdf;jsessionid=1BE0841C163F374ED53FDEE0B1CE
    3123.1_cid289?__blob=publicationFile&v=2


    Weitere Stellungnahmen:

    www.enorm.bund.de/SharedDocs/Gesetzgebungsverfahren/DE/Sankt
    ionsrecht.html


    Vielleicht braucht es da erst eine Petition oder Schreiben an die Bundestagsabgeordneten, damit diese die Ergänzungen in einem Änderungsantrag einbringen.
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