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Anselm Urbans Pforzheimer Sekte

Evangelische Kirche stellt Strafanzeige gegen Baptistenkirche Zuverlässiges Wort

Wieder prüft eine Staatsanwaltschaft queerfeindliche Mordaufrufe von Anselm Urban. Und auch aus der Politik kommen erste Reaktionen auf die Neugründung des Sektenablegers in Pforzheim.


Anselm Urban bei einem Aufruf zum "Seelengewinnen" in Pforzheim am 5. und 6. Februar 2022 (Bild: Screenshot / Youtube)

Die queer.de-Berichterstattung über den Görlitzer Fundi Anselm Urban und die Baptistenkirche Zuverlässiges Wort in Pforzheim hat zu Reaktionen aus Medien, Politik und Kirche geführt. Vergangene Woche berichteten wir über den vom Görlitzer Fundi Anselm Urban aus dem US-Exil gestarteten Ableger der Faithful Word Baptist Church.

Die evangelische Dekanin von Pforzheim erstattete Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Katja Mast nannte die Äußerungen von Anselm Urban "entsetzlich". Und auch der Antisemitismusbeauftragte des Landes ist wegen der antisemitischen Ausrichtung der US-Muttersekte informiert worden.

Dekanin stellt Strafanzeige

Anselm Urban hatte in der Vergangenheit immer wieder die Ermordung von queeren Menschen gefordert – erst durch einen im Internet verbreiteten Hetzfilm, dann in einer im Netz übertragenen Hetzpredigt auf einer Fundi-Veranstaltung in Pforzheim (queer.de berichtete).

Beim Eröffnungsgottesdienst der Baptistenkirche am 5. März in Pforzheim erneuerte er via Internet zugeschaltet seine Hetze trotz eines inzwischen rechtskräftig gewordenen Strafbefehls wegen Beleidigung, Volksverhetzung und Aufforderung zu Straftaten: Queere Menschen seien "wandelnder Müll der Gesellschaft", "schmutzige Tiere" und "Hunde", "pädophil" und Vergewaltiger*innen. Sie müssten umgebracht werden – auch zur Bekämpfung von HIV.

Die für Pforzheim zuständige Staatsanwaltschaft in Karlsruhe bestätigte gegenüber queer.de durch ihren Sprecher Henrik Blaßies, dass dort eine Anzeige eingegangen sei. Sie werde derzeit geprüft. Die Anzeige richte sich "der Sache nach gegen die Gemeinde", also die Baptistenkirche Zuverlässiges Wort Pforzheim mit Sitz in der Zerrennerstraße.

Aber: "Die Staatsanwaltschaft ist allerdings generell nicht an Inhalt und Umfang von Strafanzeigen gebunden, sondern kann ihre Prüfung auch auf konkrete bzw. auf andere Personen erstrecken." Ein Hinweis darauf, dass sich die Ermittlungen zukünftig noch gegen Anselm Urban richten könnten – auch, wenn der sich einem ersten im sächsischen Görlitz geführten Strafverfahren durch Flucht in die USA entzogen hat.

Am Donnerstag berichteten die Badischen Neuesten Nachrichten, dass die Anzeige bei der Staatsanwaltschaft von der evangelischen Dekanin Christiane Quincke stamme. Quincke wolle, sagte sie der Zeitung, die "Anschuldigungen und Todeswünsche gegen queere Menschen" nicht hinnehmen.

Außerdem habe sie den Antisemitismusbeauftragten des Landes, Michael Blume, in der Angelegenheit informiert. Hintergrund: Die Muttersekte in Tempe im US-Bundesstaat Arizona wird von Steven Anderson geführt. Der mit einer Deutschen verheiratete Pastor feierte in der Vergangenheit nicht nur öffentlich islamistische Terroranschläge gegen queere und andere Menschen. Mal leugnete er den Holocaust, mal drohte er Jüd*innen einen zweiten Holocaust an, sollten sie nicht zum Christentum konvertieren.

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Katja Mast, die ihren Wahlkreis in Pforzheim hat, teilte der Zeitung zudem mit: "Die Äußerungen dieses selbsternannten Predigers sind entsetzlich. Es sind abstoßende und menschenverachtende Aussagen." Wer so gegen einzelne Gruppen hetze, der bewege sich "schlicht außerhalb unseres demokratischen Diskurses".

Pforzheimer Ableger steht hinter Urban

Auch die Pforzheimer Zeitung (Paywall) nahm sich inzwischen der Geschichte an und berichtete in ihrer Ausgabe von Mittwoch. "Selbstverständlich" stehe die Pforzheimer Gruppe "geschlossen" hinter Urbans Äußerungen, behauptete der Fundi gegenüber dem Lokalblatt. Und: Urban sei "verantwortlich für die Arbeit unserer Ablegergemeinde Baptistenkirche Zuverlässiges Wort in Pforzheim".

Das wird auch auf Social-Media-Accounts der Sekte deutlich, die einen Artikel über die Anzeige gegen sich dort mit folgenden Worten kommentierte: "Was für Heuchler. Gehen als – angebliche – Christen gegen ihre Brüder vor ein weltliches Gericht. Aber die entsprechenden Bibelverse interessieren sie natürlich auch nicht." Zudem veröffentlichte sie ein Bild eines Hundes in Regenbogenfarben, unter dem der Schriftzug "Wir müssen draußen bleiben" steht.

Dass die Sekte mit Räumlichkeiten in der Pforzheimer Innenstadt hinter Urban steht, wird auch klar, wenn man sich weitere im Internet veröffentlichte Abschnitte aus der Eröffnungspredigt ansieht. Die Zuhörer*innen würden, heißt es in einem Clip, schon merken, "dass du hier nicht in einer durchschnittlichen Baptistengemeinde gelandet bist", sondern in einer, "die anecken wird". Andere Baptist*innen hielten daran fest, dass die Jüd*innen Gottes auserwähltes Volk seien. Sie lehrten ein "falsches Evangelium", seien "verdammt" und "fahren zur Hölle".

"Wenn du ein Problem damit hast: Du weißt, wo die Tür ist" macht Urban denn auch klar, wie es um den Spielraum steht, in der Pforzheimer Gruppe unterschiedliche Auffassungen zu haben. Warum? "Denn wenn du ein Problem damit hast, dann hast du ein Problem mit dem Wort Gottes."

Jesus werde auch "Stein des Anstoßes" genannt, weshalb Urban Kritik zurückweist, seine Predigten seien "anstößig". Jesus ecke an und beleidige, "beziehungsweise, andersherum: Menschen lassen sich beleidigen von Jesus." Sie könnten stattdessen ja auch an Gottes Wort glauben. Die Zuhörer*innen seiner Predigt seien demnach "in der Stein-des-Anstoßes-Gemeinde gelandet."

Der Anfang März rechtsgültig gewordene Strafbefehl gegen Urban soll laut Pforzheimer Zeitung inzwischen bezahlt worden sein. Neben der Festsetzung auf 85 Tagessätze – und damit unterhalb der Schwelle, ab der jemand als vorbestraft gilt – musste Urban bloß 1020 Euro bezahlen. Geld, das am Ende vermutlich aus der Gruppenkasse kommt.

Im Frühjahr vergangenen Jahres hatte sich Anselm Urban nach Eröffnung des durch die Berichterstattung von queer.de und Anzeigen von queer.de-User*innen losgetretenen Strafverfahrens in die Vereinigten Staaten abgesetzt (queer.de berichtete). Zuvor hatte am 16. März eine Hausdurchsuchung bei Urban im sächsischen Görlitz stattgefunden, bei denen Datenträger mitgenommen worden waren. Diese Hausdurchsuchung stellte Urban später in einem im Netz veröffentlichten Video nach (queer.de berichtete).

#1 _Patrick_Profil
  • 17.03.2023, 13:05hRLP
  • Frage: Wenn der deutsche Staat seine eigenen Staatsbürger:innen an die USA ausliefern kann, um sie fünf Jahre in Guantanamo foltern zu lassen (Kurnaz), kann er dann nicht von der USA die Überstellung von deutschen Staatsbürger:innen verlangen, um sie in der Heimat vor ein Gericht stellen zu können? Ich verstehe nicht recht, weshalb man diesen Menschen wiederholt volksverhetzend in die Heimat wirken und zum Massenmord aufrufen lässt und schulterzuckend erklärt, er lebe eben im Ausland.
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#2 VestigeAnonym
#3 Sven100Anonym
  • 17.03.2023, 13:33h
  • Baptisten, immer wieder Baptisten!

    Warum distanzieren sich die seriösen Baptistengemeinden nicht öffentlich in den Medien von solchen Auswüchsen?
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#4 PrideProfil
  • 17.03.2023, 13:37h...
  • Antwort auf #1 von _Patrick_
  • Es müssen alle rechtsstaatlichen Mittel ausgeschöpft oder erweitert werden und auch politisch die Auslieferung des Typen konsequent von der Bundesregierung betrieben werden, damit er und die Gemeinde voll die ihnen zuzusprechende Härte irdischer Gesetze erfahren.
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#5 Lucas3898Anonym
  • 17.03.2023, 13:59h
  • Antwort auf #1 von _Patrick_
  • Da er seine aktuellen Hetzreden auf US-Boden hält, könnten da auch die dortigen Behörden selbst tätig werden und ein entsprechendes Strafverfahren wegen Verstoß gegen dortige Gesetze einleiten.
    Dann käme wohl auch mal eine höhere Strafe raus, denn dort werden Einzelstrafen addiert.
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#6 LothiAnonym
  • 17.03.2023, 14:00h
  • Recht so liebe Redaktion. Der gehört gerecht bestraft. Aber doch nicht so niedrig.
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#7 VielliaAnonym
  • 17.03.2023, 14:19h
  • Schade, dass ich nicht an die HÖLLE glaube!

    Viele von diesen menschenverachtenden Jesus-Jüngern und Schwätzern vom Satan würden selber in die Hölle gehören.
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#8 PrideProfil
  • 17.03.2023, 14:39h...
  • Antwort auf #5 von Lucas3898
  • Da ist dann die Frage, welche Gesetze und Zuständigkeiten mehr ziehen. Bezüglich falscher religiöser Freiheiten sehe ich dort mehr schwarz als hier. Nichts desto trotz bleiben Gesetzgeber, Justiz und Regierung hier wie dort gefordert, alle rechtsstaatlichen Mittel gegen übelste Hetze und Weitergehendes einzusetzen.
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#9 RosmullahAnonym
#10 Sven100Anonym
  • 17.03.2023, 16:11h
  • Antwort auf #9 von Rosmullah
  • "Baptisten sind grundsätzlich"bibelfest" in ihrem Hass auf Homos, Andersgläubige und Atheisten."

    Informiere dich bitte, bevor du solche Dinge schreibst!
    Die Baptisten in den USA sind dort die zweitgrößte Kirche nach der Römisch-katholischen Kirche. Dort sind die meisten Gemeinden nicht konservativer als in Deutschland die EKD.
    Die Südlichen Baptisten dagegen sind eine eigenständige Organisation und eher konservativ.
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