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Deutscher Kinostart im Herbst
Queeres Filmjuwel mit Belmondo-Enkel
Die schwule Lovestory "Lie with Me" war der Leuchtturm beim LGBTI-Filmfestival BFI Flare in London: Ein erfolgreicher Autor besucht nach Jahren seine Heimat und erinnert sich an seine ganz große Liebe.

Blick zurück in die Vergangenheit: Als 17-Jähriger war Stéphane (Jérémy Gillet, re.) in seinen Mitschüler Thomas (Julien De Saint Jean) verliebt (Bild: TS Productions)
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26. März 2023, 10:30h 3 Min.
Filme mit Wow-Effekt haben Seltenheitswert. Diese Lovestory ist solch eine Rarität, ein Film, an dem so gut wie einfach alles stimmt. So unterhaltsam wie nachdenklich wie bewegend. Spannend erzählt und wunderschön bebildert. Und Victor Belmondo, Enkel der Nouvelle-Vague-Ikone Jean-Paul, ist auch noch dabei. Beim queeren Filmfestival BFI Flare in London erwies sich diese französische Roman-Verfilmung als das ganz große Highlight, Beifall bei der Pressevorstellung inklusive. Unklar, weshalb die Berlinale solch ein queeres Juwel verpennt. Im Herbst kommt das Meisterwerk hierzulande in die Kinos. Bereits Ende April steht der Film bei Pink Apple in Zürich auf dem Programm.
Eher widerwillig nimmt Erfolgsautor Stéphane Belcourt (Guillaume De Tonquédec) die Einladung eines Cognac-Herstellers an, zu dessen 200-jährigem Jubiläum als Redner aufzutreten. Aber ein bisschen Abwechslung tut vielleicht ganz gut. Seine Beziehung ging gerade in die Brüche, der aktuelle Roman gerät ins Stocken und schließlich war er seit Jahrzehnten nicht mehr in seiner Heimatstadt. Kaum angekommen, holen ihn die Erinnerungen ein. Anno 1984 schwärmt er als zierlicher 17-Jähriger (Jérémy Gillet) von seinem coolen Mitschüler Thomas (Julien De Saint Jean). Der Mädchenschwarm mit Motorrad scheint unerreichbar für ihn. Doch dann steckt ihm ausgerechnet Thomas einen Zettel zu, um den verblüfften Stéphane an einem einsamen Ort heimlich zu treffen. Die Begegnung im verlassenen Schwimmbad wird dramatische Folgen für die beiden Jungs haben.
Victor Belmondo spielt Thomas' Sohn Lucas
Zurück in der Gegenwart bemerkt der Autor den jungen, umtriebigen Mitarbeiter des Cognac-Unternehmens. Lucas (Victor Belmondo) fährt nicht nur dasselbe Motorrad wie einst Thomas. Er stellt sich zudem als Sohn von Stéphanes großer Liebe heraus. Von der Beziehung seines Vaters weiß er nichts, so sagt er. Auch die Bücher von Stéphane habe er nie gelesen, beteuert Lucas. Umgekehrt erzählt der Autor, dass Thomas lediglich ein Bekannter aus Schülertagen gewesen wäre.

Lucas (Victor Belmondo) stellt sich als Sohn von Stéphanes großer Liebe heraus (Bild: TS Productions)
Wie sich die Wahrheit tatsächlich darstellt, entwickelt der Film wie ein Puzzlestück. Immer wieder geht der Blick zurück in die Vergangenheit. "Unser Bett ist unser Königreich" schwärmt der schwer verliebte Teenager. "Niemand darf davon etwas erfahren!", entgegnet das Objekt seiner Begierde. In der Gegenwart enthüllen sich immer mehr Geheimnisse um das Leben und die Liebe des prominenten Künstlers. Zugleich ist auch Lucas immer für Überraschungen gut.
Sehnsucht, Schuldgefühle, Sinnlichkeit
Mit souveräner Eleganz schlägt die Story wunderbare Haken. Mit großer Glaubwürdigkeit erlebt man die Figuren auf ihrer emotionalen Achterbahn. Sehnsucht, Schuldgefühle, Sinnlichkeit – nicht selten fühlt man sich an "Call Me by Your Name" erinnert. Hier wie dort setzt die Schönheit der Landschaft den Kontrast zum Chaos der Gefühle. Wie Luca Guadagnino inszeniert Olivier Peyon intime Szenen mit flirrender Leidenschaft und kann sich auf charismatische Darsteller verlassen, zwischen denen die Chemie spürbar stimmt. Vom Coolness-Gen von Belmondo ganz zu schweigen.
Bei aller Dramatik kommt die Komik nicht zu kurz. Sei es, wie der Cognac-Baron sich umständlich für seine Homophobie zu entschuldigen versucht. Wie eine resolute Assistentin einen großen Streit im Auto schlichtet. Oder die anzügliche Anekdote des Autors vor ahnungslosen Gästen im Fiasko endet. Wie bei "Call Me" liegt bei "Lie with Me" ein Roman zugrunde. Für seine autobiografische Lovestory wurde Philippe Besson mehrfach preisgekrönt.
Wenn der nachdenkliche Stéphane nachts im alten Schwimmbad sitzt und plötzlich setzt sich eine große Überraschung neben ihn, geht ein kleines Raunen durch das Kino. Filme mit Wow-Effekte eben.
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Und der Trailer sieht so vielversprechend aus wie die Rezension sich anhört.