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Wegen Todesforderungen für queere Menschen
Schüler*innen protestieren gegen Pforzheimer Fundi-Kirche
Die Hetze der Baptistenkirche Zuverlässiges Wort hat die Schüler*innen eines nahen Gymnasiums auf den Plan gerufen. Die posierten in der großen Pause für ein regenbogenfarbenes Foto.

Schüler*innen und Lehrende des Theodor-Heuss-Gymnasiums Pforzheim am Mittwoch (Bild: Theodor-Heuss-Gymnasium / Instagram)
- 5. April 2023, 15:24h 4 Min.
Schüler*innen des Theodor-Heuss-Gymnasiums in Pforzheim haben sich am Mittwoch mit einer Fotoaktion mit queeren Menschen solidarisiert. Kern des Motivs: Die Regenbogenfarben.
Der Grund für die Aktion liegt in den durch queer.de bekannt gewordenen Hetzpredigten in der Baptistenkirche Zuverlässiges Wort, die in der Pforzheimer Zerrennerstraße Räumlichkeiten bezogen hat. Unter anderem war die Ermordung aller queeren Menschen gefordert worden. Das Theodor-Heuss-Gymnasium liegt ebenfalls in der Zerrennerstraße.
Kacheln und Fotos mit Schüler*innen
Die Instagram-Seite tauchte das Gymnasium am Mittwoch in regenbogenfarbene Kacheln. Auf diesen zu sehen: Das bekannte Martin-Niemöller-Gedicht über die schrittweise Verfolgung von Menschengruppen im Nationalsozialismus, Zitate von der US-amerikanischen Bürgerrechtlerin Coretta Scott King, der Holocaust-Überlebenden Margot Friedländer oder der Schwarzen lesbischen Feministin Audre Lorde.
Zwischen den Zitaten finden sich zudem zwei Auszüge aus dem Grundgesetz: Einmal die Unantastbarkeit der Würde nach Artikel 1, einmal die Abschaffung der Todesstrafe nach Artikel 102. Als letztes Foto zu sehen: Eine große Gruppe von Schüler*innen und Lehrer*innen, die einen riesigen Regenbogen über sich in die Luft halten.
Instagram / thg_pf | Eine der auf Instagram gezeigten Kacheln
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Auf der Instagram-Seite heißt es zur Erklärung der Aktion: "Die zentrale Botschaft: Egal wen du liebst, woher du kommst, woran du glaubst oder wer du bist – am THG bist du sicher und gehörst dazu!"
Gründe, warum derlei Botschaften auch heute noch so wichtig sind, finden sich in den Kommentaren zum Foto. Ein User etwa schreibt, sein Neffe habe ihm mal "diesen Pseudo Quatsch erklärt". Die Jugend von heute habe "nun mal sehr viel lange Weile". Es würden "Dinge erfunden, die es gar nicht gibt". Wütend macht ihn, dass eine solche Botschaft "in einer Bildungsstätte" verbreitet werde. Er werde den Stadtrat hierzu um eine Stellungnahme bitten.
Ein anderer User schreibt, er habe vorgehabt, auf das Theodor-Heuss-Gymnasium zu wechseln. Nach diesem Post wolle er aber auf das Hebel-Gymnasium Pforzheim.
Rekrutierungsaktion beschäftigt Schulleitung
Grund für die heutige Aktion war eine ebenfalls für den Mittwoch angekündigte Rekrutierungsaktion der Fundi-Baptist*innen unter dem Motto "Seelengewinnen". Bei der Straßenrekrutierung sprechen die queerfeindlichen Sektierer*innen Passant*innen an. Der "Marathon" soll insgesamt über fünf Tage andauern.
Weil sich das Theodor-Heuss-Gymnasium in unmittelbarer Nähe zu den Räumlichkeiten der Baptist*innenkirche befindet, hatte sich auch Schulleiter Stefan Mielitz Gedanken um die Sicherheit der Schüler*innen gemacht, wie er gegenüber der "Pforzheimer Zeitung" gesagt hatte. Die Schule habe vorab die Eltern der Schüler*innen informiert und sie gebeten, mit ihren Kindern darüber zu sprechen. Zudem seien zusätzliche Pausenaufsichten eingeteilt worden.
Instagram / thg_pf | Eine weitere der Regenbogen-Kacheln vom Instagram-Account der Schule
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Eine erhöhte Polizeipräsenz, wie die Schule sie zudem von der Polizei gefordert hatte, sollte es jedoch nicht geben. Polizeisprecher Michael Wenz hatte darauf hingewiesen, dass es keine konkreten Hinweise auf Straftaten oder Ordnungswidrigkeiten gäbe. Die Beamten hätten sich zudem neutral zu verhalten.
Anfang März hatte der die Sekte aus dem US-Exil anführende Prediger Anselm Urban in einer online übertragenen Hetzrede anlässlich der Neugründung der Gemeinde aufs Neue die Todesstrafe für queere Menschen gefordert (queer.de berichtete). Bei der zuständigen Staatsanwaltschaft liegt deswegen eine Anzeige wegen Volksverhetzung vor. Thema ist die Gruppierung auch sowohl im Innenministerium als auch beim Verfassungsschutz. Zwei Landtagsabgeordnete der Grünen hatten den Landesinnenminister in einem Brief zu einem Verbot der Vereinigung aufgefordert (queer.de berichtete).
queer.de hatte Ende 2021 damit begonnen, über die Aktivitäten der Gruppierung rund um den Hetzprediger Urban aus dem sächsischen Görlitz zu berichten. Aufgrund einer durch die Berichterstattung ausgelösten Strafanzeige floh Urban ins US-amerikanische Exil zu seinen Glaubensgeschwistern der Faithful Word Baptist Church. Den Pforzheimer Ableger dieser antisemitischen und queerfeindlichen Sekte steuert er inzwischen auch trotz eines rechtsgültigen Strafbefehls wegen Volksverhetzung, Aufforderung zu Straftaten und Beleidigung von dort. (jk)












www.lto.de/recht/hintergruende/h/digitaler-gewaltschutz-gese
tz-entwurf-eckpunkte-hass-im-netz-bmj-dsa/
Für sich selbst steht die im Artikel erwähnte Aussage der AfD dazu.