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Beim Visaantrag der Eltern
Teheran: Österreichische Botschaft outet schwulen Iraner
Im Iran droht Lesben und Schwulen die Todesstrafe. Dennoch ließ es die Botschaft der Republik Österreich in Teheran zu, dass die Homosexualität eines iranischen Staatsbürgers bekannt wurde.

Rucksack mit Botschaft bei einer Demo in Berlin: "Queer Iranian Lives Matter" (Bild: IMAGO / A. Friedrichs)
- 8. April 2023, 03:33h 3 Min.
Ein schwuler Arzt aus dem Iran, der in Österreich mit einem Unternehmer verheiratet ist, kann nach einem unfreiwilligen Outing durch das österreichische Außenministerium wohl nie wieder gefahrlos in sein Herkunftsland reisen. Auch befürchtet er, dass sein in wenigen Monaten auslaufender iranischer Reisepass bei der iranischen Botschaft in Wien nicht mehr verlängert wird. Ohne gültigen Pass droht ihm jedoch die Ausweisung.
Das skandalöse Verhalten der österreichischen Botschaft in Teheran und ihres privaten Servicepartners VFS Global machte der Neos-Abgeordnete Yannick Shetty kurz vor Ostern in sozialen Medien öffentlich. Demnach lud der Arzt 2021 seine im Iran lebenden Eltern zu seiner Hochzeit nach Österreich ein. Da ihn die zur Visabeantragung notwendigen Papiere als schwul geoutet hätten, bat er darum, dass die Eltern direkt in der Botschaft vorsprechen und nicht bei VFS Global, wo iranische Angestellte tätig sein. Die Botschaft lehnte jedoch ab: "Wir sehen nichts, worüber Sie besorgt sein brauchen. Wir werden das Visaverfahren wie jedes andere abhandeln".
Fragen zur Homosexualität des Sohnes
Doch dann trat laut Yannick Shetty genau das ein, was der schwule Iraner befürchtet hatte. Seine Eltern "mussten sich zur Homosexualität ihres Sohnes befragen lassen", kritisierte der Abgeordnete in einer Serie von Posts. Zudem hätten auch die iranischen Behörden von der sexuellen Orientierung des Mannes erfahren. "Für ihn selbst ist es nicht mehr möglich, in den Iran einzureisen. Es droht ihm dort die Todesstrafe."
Shetty, der auch queerpolitischer Sprecher der Neos ist, kündigte eine "umfassende parlamentarische Anfrage zu dieser verbeamteten Homophobie mit fatalen Konsequenzen" an. Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) müsse sich öffentlich erklären. Das schwule Paar will die Republik Österreich wiederum auf Schadenersatz verklagen.
Volksanwaltschaft fordert Entschuldigung
Gegenüber der Wiener Tageszeitung "Standard" wies das österreichische Außenministerium den Vorwurf zurück, den Arzt mit seinem Vorgehen mutwillig geoutet zu haben. Das habe eine interne Überprüfung nach Bekanntwerden der Vorwürfe ergeben. "Es wurden keine Unrechtmäßigkeiten bzw. keine Verletzung der Verschwiegenheitspflicht seitens unserer Mitarbeiter:innen oder des externen Dienstleisters Visa Facilitation Service (VFS) Global festgestellt", so das Ministerium.
Die österreichische Volksanwaltschaft, ein parlamentarischer Ombudsrat zur Kontrolle der öffentlichen Verwaltung, äußerte dagegen deutliche Kritik an der österreichischen Botschaft in Teheran. Die Verweigerung der direkten Antragstellung bezeichnete Volksanwältin Gaby Schwarz (OVP) in einem Schreiben vom vergangenen September als "Missstand". Das Verhalten der Botschaft lasse "nicht auf die im vorliegenden Fall gewünschte und angebrachte Sensibilität bzw. Landeskunde schließen, zumal die Ausübung von Homosexualität im Iran immer noch mit der Todesstrafe geahndet wird." Eine Entschuldigung sei "angebracht". (mize)















