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Volksverhetzung
"Transgenderismus gehört ausgerottet": Ermittlungen gegen Adrat
In seinem Podcast macht Julian Adrat regelmäßig Stimmung gegen queere Menschen. In einer Ausgabe verbreitete er sogar Ausrottungsfantasien – jetzt ermittelt die Polizei wegen Volksverhetzung.

"Adrats Podcast" verbreitet auf mehreren Plattformen Hetze gegen queere Menschen (Bild: Screenshot Amazon Music)
- 10. April 2023, 09:45h 3 Min.
Die Berliner Polizei hat Ermittlungen wegen Volksverhetzung gegen den queerfeindlichen Podcaster Julian B. Adrat aufgenommen. Der gläubige Katholik machte die Ermittlungen am Montag selbst öffentlich, in dem er seine "Vorladung als Beschuldigter" auf Twitter postete. Am Donnerstag, den 20. April 2023 um 10 Uhr soll er auf dem Berliner Landeskriminalamt 535 erscheinen.

Screenshot von Adrats Tweet
In "Adrats Podcast" macht der 32-Jährige schon seit Längerem Stimmung gegen queere Menschen. Im März brachte er jedoch das Fass zum Überlaufen: "Transgenderismus gehört ausgerottet. Wie der Kommunismus. Wie der Nationalsozialismus. Mit Haut und Haar", lautete sein Resümee der 187. Folge. Den Satz verbreitete er auch in sozialen Medien (queer.de berichtete).
Sven Lehmann: "Das hier ist Volksverhetzung!"
Auf Twitter erklärten mehrere Personen, sie hätten Anzeige wegen Volksverhetzung gestellt. Auch Sven Lehmann, der Queerbeauftragte der Bundesregierung, schaltete sich ein und kritisierte auf Twitter den Audio-Streamingdienst Spotify: "Das hier ist Volksverhetzung!", schrieb der grüne Bundestagsabgeordnete. "Warum bekommt so jemand eine Plattform bei Euch?!" Der Podcast wird auch von anderen Portalen wie Apple oder Amazon Music verbreitet.
In seiner 187. Folge bezog sich Adrat auf die Forderung des US-Kommentators Michael Knowles, den "Transgenderismus" zum "Wohle der Gesellschaft" auszurotten (queer.de berichtete). Adrat stimmte in seinem Podcast Knowles, den er als "großartig" und "ein Mensch mit Herz" beschrieb, vollständig zu. Er selbst habe erfahren müssen, dass "Transgenderismus" in der Grundschule seiner Töchter "fester Bestandteil jeder Konversation" sei. Es bräuchte "eine Menge Mut", sich dagegen zu stellen.
In seinen Attacken gegen queere Menschen und sogenannte "toxische Weiblichkeit" verwendet Julian Adrat oft eine extrem provokative Sprache. In einem Tweet beklagte er sich etwa darüber, dass die katholische Synodalversammlung gleichgeschlechtliche Paare segnen will – darin setzte er Homosexuelle mit Missbrauchspriestern gleich und bezeichnete sie als pervers ("Perverse waren und sind am Missbrauch schuld. Jetzt wollen sie Perverse segnen. Das ist die Logik derer, die an mehr als zwei Geschlechter glauben und dass Männer schwanger werden").

Adrat auf Twitter: "Jetzt wollen sie Perverse segnen"
In anderen Tweets schimpfte Adrat, dass der "Homo-Kult" die katholische Kirche zerstören werde, oder polemisierte gegen die angeblich um sich greifende "Regenbogenideologie". Er sieht er sich auch in anderen Themen als Kämpfer gegen "säkularen Extremismus" – besonders oft schimpft er bis heute über die Corona-Politik der letzten Jahre oder auch Maßnahmen gegen den Klimawandel. Dabei verbindet er gerne die verschiedenen Themen miteinander ("ein Genderstern macht mehr kaputt als eine Tonne CO2").
Auch ein katholischer Priester erstattete Anzeige
Zu den Personen, die Anzeige gegen Julian Adrat erstatteten, gehört der katholische Priester Wolfgang F. Rothe. In seinem Brief an die Staatsanwaltschaft Berlin, der queer.de vorliegt, ging er u.a. auf die Bezeichnung von homosexuellen Menschen als "Perverse" ein.
"Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs liegt ein Angriff auf die Menschenwürde im Sinn von § 130 Absatz 1 Nrn. 1 und 2 bzw. Absatz 2 Nr. 1 StGB (Volksverhetzung) dann vor, wenn das Recht der betroffenen Personen bestritten wird, als gleichwertige Persönlichkeiten in der staatlichen Gemeinschaft zu leben", schrieb der Münchner Theologe. "Durch die generelle Gleichsetzung von homosexuellen Menschen und Straftätern, in diesem Fall von Missbrauchstätern, wird dieses Recht der zuerst genannten Personengruppe meines Erachtens in unzulässiger Weise bestritten." Mit der Aussage, der "Transgenderismus" gehöre ausgerottet, habe Adrat ebenso das Recht von trans Menschen verletzt.
Mit Anzeigen hatte Wolfgang F. Rothe auch bereits die Strafverfahren gegen Verantwortliche der katholischen Monatsschrift "Theologisches" in Gang gebracht, die Schwule als "Kolonie von Parasiten" bezeichnet hatte (queer.de berichtete). (mize)
















"Homosexualität ist des Todes."
Hinter beiden Begriffen stecken Menschen. Bei beiden geht das Eine nicht ohne das Andere. So sah es zurecht die Amtsrichterin in Bremen zu letzterem Zitat bei Latzel und verurteilte ihn wegen Volksverhetzung mit einer allerdings noch viel zu geringen Strafe. Das erstere Zitat von Adrat in Anlehnung an den Barbarismus der Nazis führt noch einmal deutlich vor Augen, dass es bei beiden Zitaten um Aufrufe zur Tötung von Menschen geht. Dementsprechend sind Latzel und Adrat endlich zu verurteilen.