https://queer.de/?45238
Florida
Zu lesbisch: Graphic Novel "Tagebuch der Anne Frank" an Schulen verboten
Die Welle der US-Buchverbote macht vor Anne Frank nicht mehr Halt: In einem Schulbezirk in Florida dürfen Highschools eine Graphic Novel über das von den Nazis ermordete Mädchen nicht behandeln, weil es Interesse am weiblichen Geschlecht geäußert hatte.

Die grafische Novel "Das Tagebuch der Anne Frank" ist auch auf Deutsch erschienen
- 12. April 2023, 11:38h 2 Min.
Ein Schulbezirk in Florida hat letzte Woche das Verbot einer Graphic Novel über die 1945 im Alter von 15 Jahren im KZ Bergen-Belsen ermordete Anne Frank angeordnet. An öffentlichen Schulen im Bezirk Indian River darf "Das Tagebuch der Anne Frank: Graphic Diary" von den israelischen Autoren David Polonsky und Ari Folman nicht mehr behandelt werden, weil es "nicht altersgerecht" für Schüler*innen bis 18 Jahre sei. Zuvor hatte sich die konservative Gruppe "Moms for Liberty" über eine in der Bücherei der Vero Beach High School entdeckte Ausgabe empört und ein Verbot gefordert.
Grund für das Verbot sind offenbar auch lesbische Szenen in der Graphic Novel. Die "Moms for Liberty" hatten sich unter anderem über eine Szene beschwert, in der Anne ganz hingerissen ist von Statuen nackter Frauen. In einer weiteren Szene schlägt sie einer Freundin vor, dass beide sich ihre Brüste zeigen. Die Szenen sind direkt aus dem Original-Tagebuch entnommen, das an Floridas Schulen (bislang) noch nicht verboten wurde.
/ EdKrassenBREAKING: A Vero Beach, Florida High School just banned Anne Franks Diary: The Graphic Adaptation from their library. The Indian River county school claims the reason is that this picture (below) was inappropriate, and that in one portion of the story Anne Frank asked a female pic.twitter.com/91cgTomJnz
Ed Krassenstein (@EdKrassen) April 7, 2023
|
Anlass für das Verbot ist offenbar das letztes Jahr in Florida beschlossene "Don't say gay"-Gesetz, das Unterricht über sexuelle Orientierungen und Geschlechtsidentitäten einschränkt oder verbietet (queer.de berichtete). Das Gesetz soll jetzt noch so verschärft werden, dass praktisch jede Erwähnung von LGBTI bis zur zwölften Klasse automatisch untersagt wird (queer.de berichtete).
Auch Michelangelos David verboten
Das Gesetz führte bereits zu einer breiten Verbotswelle: Letzten Monat musste etwa eine Schulleiterin ihren Hut nehmen, weil im Kunstunterricht Michelangelos David gezeigt wurde – manche Eltern kritisierten die Renaissance-Figur aber als "pornografisch" (queer.de berichtete).
In den gesamten USA gibt es bereits seit Jahren Diskussionen, bestimmte Bücher aus Schulen oder Bibliotheken zu verbannen, weil dort queere Menschen vorkommen. Auch Aufklärung über Nazi-Verbrechen gelten in manchen konservativen Kreisen inzwischen als verpönt – so verbot ein Schulbezirk in Tennessee letztes Jahr die grafische Holocaust-Novel "Maus" von Art Spiegelman, weil dort Nacktheit, Gewalt und Schimpfworte vorkämen. Das amerikanische Holocaust-Museum kritisierte den Schritt scharf. (dk)
/ HolocaustMuseum1/ Maus has played a vital role in educating about the Holocaust through sharing detailed and personal experiences of victims and survivors. On the eve of International #HolocaustRemembranceDay, it is more important than ever for students to learn this history.
US Holocaust Museum (@HolocaustMuseum) January 27, 2022
|
Links zum Thema:
» Mehr Infos und Bestellmöglichkeit für "Das Tagebuch der Anne Frank: Graphic Diary" auf amazon.de
Informationen zu Amazon-Affiliate-Links:
Dieser Artikel enthält Links zu amazon. Mit diesen sogenannten Affiliate-Links kannst du queer.de unterstützen: Kommt über einen Klick auf den Link ein Einkauf zustande, erhalten wir eine Provision. Der Kaufpreis erhöht sich dadurch nicht.















