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"Kein öffentliches Interesse"
Grünenpolitiker Detlev Schulz-Hendel beschwert sich über queere Listen bei Wikipedia
Wikipedia und andere Seiten erwähnen, wenn Politiker*innen Mitglied der LGBTI-Community sind – dem offen schwulen grünen Fraktionschef von Niedersachsen ist das suspekt.
- 12. April 2023, 12:28h 2 Min.
Detlev Schulz-Hendel, der grüne Fraktionschef im niedersächsischen Landtag, kritisiert in einem Interview mit dem "Weser-Kurier" (Bezahlartikel), dass online Listen mit homosexuellen Politiker*innen existierten. "Mir ist nicht so ganz klar, welchen Sinn und Zwecke diese Listen erfüllen sollen". Der mit einem Mann verheiratete Politiker sei selbst auf einer solchen Liste aufgetaucht.
Er findet jedoch, dass man die sexuelle Orientierung nicht gesondert erwähnen solle und derartige Listen "allenfalls bedingt tauglich" seien, andere zu einem Coming-out zu bewegen. "Ich kann auch nicht das große öffentliche Interesse daran erkennen", so Schulz-Hendel. Selbst wenn diese "irritierenden Listen" gut gemeint seien, "sollte man doch lieber zuerst alle anderen Barrieren abbauen und ein entspanntes Coming-out ermöglichen", forderte der gebürtige Lüneburger. "Statt solche Listen zu veröffentlichen, sollte Wikipedia besser aufzeigen und erklären, was für das Erreichen der Normalität erforderlich ist." Gleichzeitig lobte er, dass LGBTI heutzutage sichtbarer seien: "Ich finde es gut, dass die Medien schwule und queere Menschen in ihrem normalen Leben präsentieren, ohne bestimmte Probleme zu verschweigen."
"Ich bin nicht in die Politik gegangen, weil ich schwul bin"
In dem Interview erzählte Schulz-Hendel auch von seinem "späten" Coming-out 1998. Den Schritt habe er "nicht gemacht, weil ich plötzlich der ganzen Welt mitteilen wollte, dass ich Männer liebe. Ich wollte einfach nur darauf hinweisen, dass ich eine andere Lebensweise habe", so Schulz-Hendel. Ferner stellte er klar: "Ich bin nicht in die Politik gegangen, weil ich schwul bin. Ich bin auch nicht Vorsitzender der Grünen-Landtagsfraktion geworden, weil ich schwul bin."

Detlev Schulz-Hendel (li.) übernahm mit seinem Ehemann Michael Hendel eine Gastrolle in der ARD-Soap "Rote Rosen" – in der im November 2022 ausgestrahlten Folge 3673 spielten die beiden ein schwules Hochzeitspaar (Bild: Nicole Manthey / NDR)
Schulz-Hendel ist seit 2017 Abgeordneter des niedersächsischen Landtags, seit November 2022 ist er einer der beiden Fraktionsvorsitzenden der Grünen-Fraktion im Landtag. (dk)
queer.de hat mehrfach Listen mit LGBTI-Bundestagsabgeordneten veröffentlicht, etwa im Artikel über das erste schwule Paar im Bundestag (hier die aktuelle Liste). Ziel war und ist es, mit diesem Mittel offen queere Politiker*innen sichtbar zu machen und aufzuzeigen, dass sie in allen demokratischen (und sogar in nicht demokratischen) Parteien aktiv sind. Alle erwähnten Abgeordneten haben sich selbst geoutet, bevor sie in der Liste erwähnt wurden.
















Queere Listen werden und sind nur dann eine Gefahr, wenn menschenfeindliche Kräfte mit politischer Wirkmacht ausgestattet werden. Wenn Schulz-Hendel diese Gefahr sieht, soll er sie klipp und klar benennen.
Ich denke dabei zu allererst an die sich abzeichnende Koalition von CDU und AfD auf ostdeutscher Landesebene, die sodann den Weg für den Bund ebnet.