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Deutscher Bundestag

Unions-Politiker*­innen gegen Selbst­bestimmungs­gesetz

Die Pläne der Ampel zur Abschaffung des Transsexuellengesetzes "in ihrem extremen und pauschalen Ansatz" gehen vier "Fachpolitiker*innen" von CDU/CSU zu weit. Sie pochen auf zwei Beratungstermine vor Änderung des Geschlechtseintrags.


CDU und CSU wollen ein deutsches Selbstbestimmungsgesetz offenbar verhindern (Bild: Twitter / ChangeGER)
  • 21. April 2023, 04:18h 25 3 Min.

Sogenannte Fachpolitiker*innen der Union wollen sich einer Änderung des Transsexuellengesetzes nicht in den Weg stellen. Das von der Ampel-Koalition geplante Selbstbestimmungsgesetz lehnen sie jedoch ab, heißt es in einem Brief, der diese Woche an die Mitglieder der CDU/CSU-Bundestagsfraktion ging. Unterschrieben wurde er vom rechtspolitischen Sprecher Günter Krings, der familienpolitischen Sprecherin Silvia Breher, Fraktionsvize Andrea Lindholz sowie der CSU-Politikerin Dorothee Bär.

"Wir sind offen für eine pragmatische Anpassung des Verfahrens zur Änderung des Namens beziehungsweise des Personenstands von transgeschlechtlichen Menschen, um dem Eindruck diskriminierender Regeln entgegenzutreten", führen die Unterzeichner*innen aus. Die Pläne der Ampel gingen "in ihrem extremen und pauschalen Ansatz" aber zu weit.

Union: Keine Erleichterungen für Minderjährige

Bereits der Name "Selbstbestimmungsgesetz" suggeriere, dass geschlechtliche Identität für alle jederzeit frei wählbar sein müsse, behaupten die Unions-Politiker*innen. In der Realität stehe für die große Mehrheit der Bevölkerung ihr Geschlecht jedoch nicht in Frage. "Eine voraussetzungslose, jährliche Änderungsmöglichkeit des Geschlechtseintrages und des Vornamens lehnen wir daher ab." Die vier Abgeordneten schlagen in ihrem Brief vor, dass Erwachsene vor einer Änderung des Geschlechtseintrags zwei Beratungstermine wahrnehmen müssen. Für Minderjährige solle weiter die bisherige Rechtslage gelten.

Um den Geschlechtseintrag und den Vornamen zu ändern, ist nach dem geltenden Transsexuellengesetz von 1981 ein entwürdigendes und teures Verfahren mit zwei psychologischen Gutachten erforderlich, am Ende entscheidet das Amtsgericht des Wohnorts. Nach den bereits im Juni 2022 von Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) und Familienministerin Lisa Paus (Grüne) vorgestellten Eckpunkten für ein Selbstbestimmungsgesetz sollen trans, inter und nicht binäre Menschen künftig nur noch eine einfache Selbstauskunft beim Standesamt abgeben müssen. Für Kinder sollen die Sorgeberechtigten die Änderungserklärung abgeben. Jugendliche ab 14 Jahren sollen das mit Zustimmung der Eltern selbst tun können, in Streitfällen entscheide das Familiengericht (queer.de berichtete).

Dies laufe dem Kinder- und Jugendschutz zuwider und stelle einen erheblichen Eingriff in das Erziehungsrecht der Eltern dar, kritisierte der CDU-Bundestagsabgeordnete Christoph de Vries gegenüber dpa. Mit Verweis auf Frauenräume warf er der Regierung zudem vor, die "berechtigten Sorgen von Lesben- und Schwulenverbänden sowie feministischen Gruppen" nicht ernst zu nehmen – obwohl der LSVD, der Lesbenring und alle bedeutenden lesbisch-schwulen Verbände das Selbstbestimmungsgesetz unterstützen.

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Kein Referentenentwurf in Sicht

Der vor Ostern versprochene Referentenentwurf für das Selbstbestimmungsgesetz liegt unterdessen noch immer nicht vor. Der Abstimmungsprozess mit dem Justizministerium sei "noch nicht abgeschlossen", erklärte das Familienministerium in der vergangenen Woche (queer.de berichtete). "Wir geben alles dafür, dass wir das schnell durchbringen", sagte Familienministerin Lisa Paus der "taz". "Für die Betroffenen ist es wichtig, dass dieses Gesetz zügig kommt." (mize/dpa)

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#1 canSarahAnonym
  • 21.04.2023, 06:31h
  • Ich will nicht mehr in diesem Land leben, wo ich nicht mal den Namen und Personenstand ohne viel Tamtam haben darf. Warum soll ich mich jetzt zweimal "beraten" lassen? Wozu das ganze? Soll dies cis beruhigen? Ich will endlich leben. Ich will endlich, dass trans Leute offen leben duerfen und endlich proud sein duerfen.
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#2 SolanaceaeAnonym
  • 21.04.2023, 08:02h
  • Welche heuchlerische Scheiße !

    Ja, ich bin Trans*. Und der allergrößte, einschneidenste, mein Leben komplett verändernde Einschnitt in mein Leben war: Die Entscheidung, Kinder zu bekommen.

    Da hatte ich auch keine "Pflichtgespräche" vorher, oder "Beratungstermine". Meine Ex und ich haben das einfach gemacht.

    Liebe CDU/CSU, Ich bin selbst für mein eigenes Leben verantwortlich. Das nennt man Selbstbestimmung. Meine Transition war das beste, was mir in meinem ganzen Leben passiert ist.

    Wie viele Menschen Bereuen ihre Kinde, oder eine Partner*innenschaft eingegangen zu sein?

    Und selbst wenn ich meine Transition irgendwann bereue. Dann detransitioniere ich eben. So What? Eure Einstellung kann so nur sein, weil ihr Trans* zu sein als defizit anseht. Wir sind minderwertig in euren Augen Nur so kann diese Einstellung entstehen.
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#3 keksAnonym
  • 21.04.2023, 08:25h
  • Antwort auf #1 von canSarah
  • Mir geht es ähnlich, ich habe fertig. Mir ist allerdings klar, dass die Union und alle anderen konservativ denkenden Menschen in allen anderen Parteien (es ist ja nicht nur Minister Buschmann, der so denkt) so ein Selbstbestimmungsgesetz par tout nicht wollen. Denn wo kämen wir denn hin, wenn Gesetze plötzlich FÜR Menschen gemacht würden, statt gegen Menschen? Wenn da einige Menschen plötzlich ihr Leben selbst in die Hand nehmen würden, frei entscheiden würden, wer sie sind und wie sie leben wollen - etwas, was du in konservativen Haushalten vergessen kannst. Die dürfen nicht, und daher sollen wir auch nicht dürfen. Und dabei ist es egal, ob es um ein Kopftuch, Hautfarbe, Rollstuhl, Down-Syndrom, Queerness oder auch nur darum geht, ob du *schock* beim Discounter einkaufst.
    Persönlich sehe ich da viel Schuld in der protestantischen Theorie, dass man sich der Gnade Gottes nicht sicher sein kann, und man daher auf Erden "beweisen" muss, dass Gott einen bereits für den Himmel bestimmt hat indem alles was irgendwie anders sein könnte, irgendwie auffällig ist, als "schlecht" verdammt und daher versteckt wird. Also lieber hungern, als bei ALDI einkaufen, denn arm = schlecht = falsch.

    Und wenn jetzt Menschen, die sich selbst und ihre Nächsten jahrelang unterdrückt haben, weil was sollen denn die Nachbarn denken, jetzt anderen Menschen Freiheit geben sollen - das funktioniert nicht. Die wissen gar nicht, was Freiheit ist.

    Was vielleicht funktioniert, ist eine große Welle der Solidarität aller von diesem Unterdrückungssystem benachteiligten Menschen - alle LGBTQIA, aber auch alle Frauen, alle PoC, alle Menschen mit Behinderung, alle die wegen ihrer Religion, ihrer Sprache, ihrer ethnischen Herkunft an den Rand geschoben werden.

    Wie wär's damit? Und dann demonstrieren wir alle zusammen in Berlin =)
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