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Ein queeres Remake von "Die Unzertrennlichen"

Jetzt bei Prime Video: Die von Rachel Weisz persönlich angestoßene und mitentwickelte Serie "Dead Ringers" über eineiige Zwillingsschwestern macht auf abgründige Weise Spaß und ist gleichzeitig hochpolitisch.


Szene aus "Dead Ringers": Die lesbische Beverly (Rachel Weisz, re.) und Geneviève (Britne Olford) kommen sich näher (Bild: Niko Tavernise / Amazon Studios)

Schon als Jugendliche, so gab Rachel Weisz kürzlich gegenüber einem US-Magazin zu Protokoll, habe sie David Cronenbergs Film "Die Unzertrennlichen" (im Original: "Dead Ringers") gesehen. Die Geschichte hat sie ihr Leben lang nicht losgelassen: "Dieses Level von Unzertrennlichkeit, dieser Gedanke, alles zu teilen. Ein Zwillingspaar, das im Job brillant, aber privat letztlich vollkommen dysfunktional ist. Das hat mich enorm fasziniert."

Dass das von ihr persönlich angestoßene und mitentwickelte Remake in Serien-Form (jetzt zu sehen bei Prime Video) nun eine ganze Ecke spannender ist als andere 80s-Updates wie kürzlich "American Gigolo" oder aktuell "Eine verhängnisvolle Affäre" liegt nicht nur, aber auch an einem simplen Kniff. Denn anders als damals bei Cronenberg sind die eineiigen Zwillinge im Zentrum der Geschichte dieses Mal – obwohl immer noch Elliott und Beverly Mantle heißend – nicht männlich, sondern zwei Frauen. Und natürlich hat sich Weisz diese komplexe Doppelrolle nicht entgehen lassen.

Der Traum vom eigenen Geburtszentrum


Poster zur Serie: "Dead Ringers" kann ab 21. April 2023 bei Amazon Prime Video gestreamt werden

Die beiden Schwestern arbeiten gemeinsam in einer Geburtsklinik und teilen sich nicht nur eine Wohnung samt Haushälterin (Poppy Liu), sondern mitunter auch die Aufgaben im Job. Ist die eine mal von einer Patientinnen-Situation überfordert, reicht eine kurze Textnachricht und ein heimliches Treffen auf der Toilette und man tauscht kurzerhand die Rollen. Dabei könnten die Persönlichkeiten der beiden kaum unterschiedlicher sein. Elliott ist impulsiv, treibgesteuert und extrovertiert, während Beverly zurückhaltend, bedacht und fast ein wenig verklemmt ist.

Auf die Probe gestellt wird das eigenwillig-enge Verhältnis der beiden, als sie endlich ihren Traum vom eigenen Geburtszentrum samt embryologischem Labor Wirklichkeit werden lassen wollen, für das sie nicht unbedingt die gleichen Pläne haben, aber gemeinsam eine potentielle Geldgeberin (herrlich knallhart: Jennifer Ehle) um Investitionen anbaggern müssen. Aber vor allem ist es die verführerische und von Beverly angebetete Schauspielerin Geneviève (Britne Olford), die plötzlich zwischen den Zwillingen steht.

Fieser Humor und weibliche Widerspenstigkeit

Immer wieder zollt "Dead Ringers" seiner Vorlage Respekt, und sei es nur durch Kleinigkeiten wie der namentlichen Referenz an Cronenbergs Schauspielerin Geneviève Bujold. Doch Showrunnerin Alice Birch und ihr rein weiblicher Writers' Room verschieben leicht die Gewichtung, ein bisschen weg von Erotik und Thriller, hin zu mehr fiesem Humor und weiblicher Widerspenstigkeit.

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Man könnte auch sagen: eher Body Reality als Body Horror, denn was Körperteile und ihre Funktionen angeht, ist "Dead Ringers" verbal wie visuell reichlich unverblümt. In Zeiten, in denen nicht zuletzt in den USA so stark wie lange nicht männlich dominierte Politik versucht, unter anderen in Abtreibungs- oder Transitionsfragen die Hoheit über weibliche Körper aller Art zu bekommen, verleiht das der sechsteiligen Serie eine ganz besondere Wirkung. Was nicht heißt, dass sie mit ihrer stilbewussten Bildgestaltung und Rachel Weisz in absoluter Bestform nicht auch einfach auf abgründige Weise Spaß macht.

Direktlink | Englischer Originaltrailer zur Serie
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