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Messe Berlin

ITB schickt Daten eines Schwulen an Verfolgerstaat Oman

Die Internationale Tourismusbörse in Berlin macht nächstes Jahr Werbung für ein Land, das Homosexuelle verfolgt – und tut noch viel mehr: Sie outet einen potenziellen deutschen Touristen gegenüber dem Regime als schwul.


Die ITB hat sich für 2024 ausgerechnet den Verfolgerstaat Oman als Partner ausgesucht (Bild: crosseye Marketing / flickr)

Nächstes Jahr ist ausgerechnet der Oman Partnerstaat der Internationalen Tourismusbörse in Berlin – die ITB wirbt also für ein Land, in dem auf Homosexualität drei Jahre Haft stehen (queer.de berichtete).

queer.de-Leser Michael (Name geändert) wollte daraufhin von der weltgrößten Tourismusmesse erfahren, ob er im vorderasiatischen Sultanat sicher sei: "Wir sind übrigens schwul, spricht Ihrer Ansicht nach irgendwas dagegen, dass wir dort Urlaub machen?", schrieb er an die ITB. Die Antwort schockierte ihn: Nicht die Messe mailte ihm zurück, sondern eine dem Tourismusministerium von Oman unterstellte deutsche Agentur. In der Mail fragte eine Sachbearbeiterin sehr direkt: "Würden Sie mir Ihre Mobilfunknummer zusenden?" Michael tat das nicht. "Creepy", erklärte er gegenüber queer.de.

ITB entschuldigt sich

Auf eine queer.de-Anfrage, was es mit dieser bedenkenlosen Weitergabe von Daten an ein homophobes Regime auf sich hat, reagierte die Messe Berlin nicht. Die Anfrage hatte aber offenbar Wirkung: Nun erhielt Michael doch noch eine Entschuldigungsmail von einer PR-Managerin der ITB. Darin erklärte sie, dass man Datenschutz an sich ernst nehme und nachfrage, ob man Mails "namensneutral ohne persönliche Kontaktdaten" weiterleiten dürfe, wenn man die Frage selbst nicht beantworten könne. Hier sei halt etwas schiefgelaufen: "Es handelte sich um ein Versehen eines neuen Mitarbeiters und hätte so in der Tat nicht passieren dürfen", heißt es in der Mail.

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Zu dem geschätzten Gastland schrieb die PR-Managerin: "Der Oman hat sich in unseren Gesprächen als überaus offen gezeigt und bekennt sich zum Code of Conduct der Messe Berlin, der die Achtung sowie den Respekt sämtlicher Gäste unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Religion und sexueller Orientierung umfasst." Drei Jahre Gefängnis sind also laut der ITB ein Zeichen von Respekt…

Update 11.20 Uhr: ITB antwortet auf Fragen von queer.de: "Die Gesetzgebung hinkt da der Realität offenbar hinterher"

Die ITB hat in einer Mail an queer.de am Donnerstag ihr Bedauern über den Vorfall ausgedrückt: "Dass die E-mail Ihres Lesers direkt an die deutsche Kommunikationsagentur des Oman weitergeleitet wurde, bedauern wir sehr. Es handelte sich um ein Versehen eines/einer neuen Mitarbeiter*in und hätte so in der Tat nicht passieren dürfen", heißt es in der Antwort. "Auch die Tatsache, dass die Daten ausschließlich mit der Agentur mit Sitz in Deutschland und nicht mit den Behörden des Landes geteilt wurden, soll dies natürlich nicht relativieren. Wir respektieren die Privatsphäre Ihres Lesers und haben uns bereits in aller Form dafür bei ihm entschuldigt."

Außerdem wurde in der Antwort betont, der queerer Tourismus bereits seit den Neunzigerjahren auf der ITB Berlin präsent sei. "Der LGBTQ+ Tourism Pavillon präsentiert mittlerweile das internationalste Angebot an Urlaubsmöglichkeiten im LGBTQ+ Tourism Segment auf einer Messe weltweit."

Zum Oman teilte die ITB mit: "In Gespräch mit den Partnern aus der LGBTQ-Tourismus-Community wird unseren Kolleg*innen immer wieder von gleichgeschlechtlichen Paaren berichtet, die regelmäßig und sehr gerne in den Oman reisen und das Land und die Menschen als sehr offen erlebt haben. Die Gesetzgebung hinkt da der Realität offenbar hinterher. Wir glauben durchaus, dass der Gastland-Status indirekt zu einer Verbesserung der Menschenrechtslage in dem jeweiligen Land führen kann, denn jeder Dialog, der dazu beiträgt, ist ein wichtiger Baustein hinzu weniger Diskriminierung."

-w-

#1 suave25Anonym
  • 27.04.2023, 10:08h
  • Als queere Person würde ich bei der Gesetzeslage nicht in ein muslimisches Land reisen.

    An der Stelle des betroffenen hätte ich die ITB verklagt. "kotz"
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#2 Konsik WensenAnonym
  • 27.04.2023, 10:57h
  • ITB kooperiert gern mit queerfeindlichen Staaten.
    Jetzt werden ungefragt persönliche Daten an Verfolgerstaaten geschickt (was im übrigen ein Verstoß gegen die DSGVO ist).
    Hat das mal irgendwann Konsequenzen oder läuft das, wie so ziemlich alles in Deutschland derzeit, wieder unter dem Aktenzeichen "Ach, die lästigen LGBDingsbums wieder mit ihrem Drang nach 'wir sind aber was besseres' nerven wieder rum, lass mal liegen, wir haben wichtigere Probleme zu lösen"?
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#3 TimonAnonym
  • 27.04.2023, 11:55h
  • Ein schwerer Rechtsbruch und Datenschutzverstoß der ITB, womit ein Menschenleben gefährdet wird. Das muss Konsequenzen haben.
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