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Deutschlands aktuelle Schlager-Diven veröffentlichen neue CDs – wer macht das Rennen? Und zeigen sich alle "splitternackt"?

Von Jan Gebauer

So heiß umkämpft war die Krone der amtierenden Schlager-Queen noch nie wie in diesen Wochen. Die Crème de la Crème der deutschen Sangeszunft hat neue Platten am Start und schon ahnt man den nächsten Zicken- und Diven-Krieg auf sich zu kommen. Ob Andrea Berg, Michelle, Nicole oder Angelika Milster – jede hat ihre ganz eigene Art, um sich Gehör zu verschaffen.

Andrea Berg (40), die derzeit wohl erfolgreichste Schlagersängerin Deutschlands, veröffentlicht ihr neues Album am 7. April und es könnte nicht provokanter betitelt sein: "Splitternackt". Da würde sicher auch eine schöne Foto-Strecke im aktuellen Playboy zu passen, aber diese hat ja schon Michelle inne. Mit dem neuen Album wird die Messlatte für Berg wieder hoch angelegt werden, denn die mit dem Echo (2003-05), der "Goldenen Stimmgabel und dem Amadeus ausgezeichnete Sängerin, war zuletzt unglaublich erfolgreich. Mit ihrem "Best-Of" Album ist Berg seit rund 230 Wochen (weit über vier Jahre) und über 1,3 Millionen Verkäufen ununterbrochen in den Top-100 der Album-Charts. "Schuld" daran dürfte wohl auch Produzent Eugen Römer sein, der seit 1992 mit der Künstlerin zusammenarbeitet. Erstaunlich: Andrea Berg ist nur selten im Fernsehen zu sehen, bedient die Klatschspalten der Republik kaum und macht sich auch auf den Live-Bühnen rar. Trotzdem verkauft sich jedes Album exzellent.

Splitternackt geht es mit Michelle alias Tanja Thomas weiter, die nicht nur ihr erstes englischsprachiges Album "My Passion" (bei Amazon bestellen) veröffentlicht hat, sondern derzeit auch hüllenlos im Playboy zu bewundern ist. Mit ihrem neuen Pseudonym startet sie eine neue Karriere als Disco-Diva (queer.de berichtete), denn auf "My Passion" befinden sich 14 Klassiker der späten 70er und frühen 80er Jahre. Und wer jetzt voreilig die Nase rümpft, sollte unbedingt mal reinhören. Die Disco-Granate zündet von der ersten Sekunde an, dank der lupenreinen Produktion von Florian Richter und Chris Zippel. Zwar fehlen an manchen Ecken die charakteristischen 70s-Disco-Streicher, aber die sind spätestens vergessen, wenn Frau Thomas mit vollem Einsatz zu Klassikern wie "Gloria" oder "Ony Way Ticket" abgeht. Sicher, sie ist keine Donna Summer ("On The Radio") und den spanischen Akzent bei "Yes Sir I Can Boogie" von Baccara vermisst man auch schmerzlich, aber selten klang die Schlager-Prinzessin so lebendig und vital wie bei diesen Songs. Man merkt, dass Michelle, die im Herbst auch ein neues Schlager-Album veröffentlichen will, mit Spaß bei der Sache ist und jede Minute der Aufnahmen genossen hat.

Das hört man bei Nicole und ihrer CD "Begleite mich" leider nur manchmal, zumal sie musikalisch weitaus weniger "Sprengstoff" anbietet als Michelle. Hier geht es nachdenklich zur Sache, in der Regel im (immer gleichen) Midtempo. Nicole hat bei allen Songs lobenswerter Weise mitgeschrieben und –produziert. Irgendwie wirken die Nummern jedoch genauso wie das Cover mit den Wolken im Hintergrund. Luftig-leicht, gleichförmig und allzu oft beliebig. Trotz anspruchsvoller Themen will keine Nummer so richtig herausragen und das obwohl Nicole über eine der einfühlsamsten Stimmen im Schlagergeschäft verfügt. Von dieser hört man diesmal aber kaum etwas. Dünn und atemlos versucht die einstige Eurovisionssiegerin über die mangelhaften Musik-Ideen hinwegzutäuschen, bevor sie beim Bonustrack "Der letzte Tag am Meer" gar einen peinlichen Exkurs in Richtung Lyrik macht. Schon auf dem letzten Album "Alles fließt" klang Nicole wie auf einem Esoterik-Trip, was noch erfrischend rüber kam. Diesmal scheint sich die Idee ein ums andere Mal zu wiederholen und Nicole wechselt vom Schlagerfach in ermüdende New-Age-Gefilde. Schade!

Da ist Angelika Milster das richtige musikalische Mittel, um sich wieder aus dem sanften Entschlummern zu reißen. Die auch als Biggi in "Las Piranhas" bekannte Schauspielerin und Musical-Diseuse ("Cats") weiß wie man den richtigen Ton trifft. Auf dem neuen Album "Mit den Augen der Liebe" schmettert die Milster eine bunte Mischung aus Schlager, Pop und Musical. "Der Weg ist das Ziel", "Der Stoff aus dem Gefühle sind" sind gefällige neue Nummern, "Boote in der Nacht" ist bekannt aus "Elisabeth" und wer hat nicht schon einmal ein Tränchen vergossen bei Dalidas "Er war gerade 18 Jahr". Ganz toll auch "Du kommst mir viel zu nah", wo die Milster stark an Mireille Mathieu erinnert, deren Melodramatik sie wie im Schlaf beherrscht. Wer ihr allerdings geraten hat, Bonnie Tylers "Holding Out For a Hero" im deutschen Pop-Outfit aufzunehmen, bleibt offen. Hier gilt: Stimme Top, Musik eher Flop. Auch das "Nessun Dorma" am Ende ist reichlich pathetisch, aber solche Ausrutscher seien einer Künstlerin wie Milster durchaus zugestanden. Schließlich will man ja mal irgendwann sagen können: "Ich habe alles einmal probiert". Immerhin erspart uns Frau Milster irgendetwas Nacktes. Das ist ja schon mal etwas wert.

Offizielle Seiten: Andrea Berg, Tanja Thomas, Nicole, Angelika Milster

27. März 2006



#1 OlliAnonym
  • 28.03.2006, 15:52h
  • Also bei mir gewinnt eindeutig Angelika Milster, die hat es nun wirklich nich nötig sich nackig zu machen, die hat stil und humor!! :)
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#2 FrankAnonym
  • 04.04.2006, 20:26h
  • Schade, dass die neue CD von Juliane Werding in dem Zusammenhang gar nicht erwähnt wird...
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#3 OlliAnonym
  • 20.04.2006, 21:43h
  • Ich finde Juliane Werding sollte auch besser nicht unter dem titel "schlagerdiva" erscheinen, ihr neues album ist abundzu an der grenze zu belanglosem schlager, aber nur manchmal.
    Ich finde das lied "...St Kilda" schafft es das niveau des ganzen albums anzuheben :)
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