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Eva Kreienkamp

Nach Entlassung von lesbischer BVG-Chefin: Der Kampf um Deutungshoheit

Die erste lesbische Chefin der Berliner Verkehrsbetriebe ist gefeuert worden. War ihr Engagement gegen Queerfeindlichkeit Schuld an dem Schritt?


Ein Bild vom Januar: Die inzwischen geschasste BVG-Chefin Eva Kreienkamp auf einem Pressetermin mit Bundesverkehrsminister Volker Wissing (Bild: IMAGO / Chris Emil Janßen)
  • 28. April 2023, 11:03h - 2 Min.

Am Mittwoch hatten die Berliner Verkehrsbetriebe mitgeteilt, dass der Aufsichtsrat einstimmig für die sofortige Entlassung der offen lesbischen Vorstandsvorsitzenden Eva Kreienkamp gestimmt hatte (queer.de berichtete). Eigentlich hatte Kreienkamp noch einen Vertrag bis Ende September. Der Schritt erfolgte nur wenige Wochen, nachdem die Managerin nach Recherchen der "Süddeutschen Zeitung" zu Queerfeindlichkeit in ihrem Unternehmen Stellung genommen und ihr Unternehmen kritisiert hatte (queer.de berichtete).

Kreienkamp, die 2020 die Liste von "Germany's Top 100 Out Executives" angeführt hatte, nahm inzwischen im Netzwerk Linkedin zu ihrem Rausschmiss Stellung: "Ich bedaure diese Entscheidung zutiefst", erklärte die 60-Jährige dort. Sie habe das Unternehmen mit anderen durch turbulente Zeiten geführt: "Angefangen mit der Pandemie, weiter durch multiple Energie-, Personal- und Lieferketten-Krisen bis hin zu einem komplett neuen Preis- und Tarifsystem, das am nächsten Montag in Kraft tritt."

Es gebe aber noch viel zu tun: So schrieb sie, dass "die begonnene, überfällige Modernisierung der Unternehmens- und Führungskultur sowie der Aufbau eines authentischen #diversity Management nicht abgeschlossen" seien. "Da ist noch allerhand zu tun. Öffentliche frauen- und queerfeindliche Diffamierungen dürfen nicht folgenlos bleiben." An ihren Kolleg*innen in der Chefetage übte sie Kritik: "Die Auffassungen zu Unternehmensführung, Loyalität und Vertrauen konnten kaum unterschiedlicher sein."

In der Berichterstattung über die Entlassung gibt es erhebliche Unterschiede: Während die "Süddeutsche Zeitung", die die Homophobie-Affäre ins Rollen gebracht hatte, am Donnerstag in einem Kommentar die "unterirdische" Unternehmenskultur der BVG zum Schwerpunkt machte, zitierte der Berliner "Tagesspiegel" insbesondere anonyme (und offenbar nur männliche) Mitarbeiter, die Kreienkamp Inkompetenz und sogar Paranoia vorwarfen.

Dass es ein Klima der Intoleranz gebe, sei "völliger Quatsch", so etwa ein "leitender Angestellter" im "Tagesspiegel". Zudem behauptete "ein Beschäftigter", dass Kreienkamp bei wichtigen Treffen sich oft lieber mit ihrem Smartphone beschäftigt und "erkennbar desinteressiert" gewirkt habe. Ein "BVG-Insider" kritisierte Kreienkamp auch für ihre angebliche "Kommunikationsunfähigkeit", "Führungsschwäche" und "Unfähigkeit, das Unternehmen zu leiten". Ferner erklärte die Zeitung, dass laut eigenen Recherchen die Queerfeindlichkeit in der BVG von der SZ "übertrieben dargestellt" worden sei.

Hingegen attestierte die SZ: "Für die gewissenhafte Aufarbeitung der Vorwürfe ist der Rauswurf ein schlechtes Signal." Und weiter: "Während der Rauswurf also besiegelt ist, sind die Vorwürfe noch lange nicht aufgearbeitet." (dk)

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