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"To Be Seen. Queer Lives 1900-1950" für Grimme Online Award nominiert
Die interaktive Ausstellung "To Be Seen. Queer Lives 1900-1950" des NS-Dokumentationszentrums München kann sich Hoffnung auf einen Grimme Online Award machen. Das Publikumsvoting läuft noch bis zum 8. Juni.

Eine Fotografie aus der Ausstellung zeigt die trans Pionierin Lili Elbe
- 1. Mai 2023, 10:08h 2 Min.
Die interaktive Ausstellung "To Be Seen. Queer Lives 1900-1950" des NS-Dokumentationszentrums München wurde für einen Grimme Online Award nominiert. Aus etwa 800 Einreichungen wählte die Jury in diesem Jahr 28 Netzangebote aus. Der Schwerpunkt lag dabei auf den Kategorien Information sowie Wissen und Bildung. Der undotierte Preis gilt als wichtigste Auszeichnung für Online-Publizistik in Deutschland.
Die multimediale Ausstellungsdokumentation "To Be Seen. queer Lives 1900-1950" erzählt in fünf Kapiteln Deutschlands queere Geschichte zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Insbesondere in der Weimarer Republik existierte eine erstaunliche Vielfalt queeren Lebens – die zwischen 1933 und 1945 zerstört wurde. "Neben fundierten Textabschnitten vermitteln Originaldokumente, zahlreiche Fotos sowie Film- und Musikausschnitte Hintergründe und die Stimmung der jeweiligen Zeit und schaffen so ein Archiv queerer Geschichte", teilte das Grimme-Institut zur Nominierung mit. Die reale Ausstellung ist noch bis zum 21. Mai 2023 im NS-Dokumentationszentrum München zu sehen (ausführlicher Bericht von Axel Krämer).
Schwerpunkt bei Auseinandersetzung mit der NS-Zeit
Historisch relevante Themen insbesondere zum Nationalsozialismus sind ein deutlicher Schwerpunkt bei den diesjährigen Nominierungen. So hat der Westdeutsche Rundfunk (WDR) eine App und Website zu Stolpersteinen des Künstlers Gunter Demnig erarbeitet. Jeder dieser Messingsteine ist vor dem letzten Wohnort eines von den Nazis verschleppten oder ermordeten Menschen eingelassen und trägt dessen Namen. Das WDR-Angebot informiert ergänzend über die Lebensgeschichten der jeweiligen NS-Opfer.
Ein weiteres Erinnerungsprojekt ist die interaktive Ausstellung "Fritz Bauer: Im Kampf um des Menschen Rechte". Der schwule und jüdische hessische Generalstaatsanwalt Bauer (1903-1968) war die treibende Kraft hinter den Frankfurter Auschwitzprozessen der 1960er Jahre.
Auch kritische Auseinandersetzung mit Alice Schwarzer nominiert
Zu den queer-relevanten Nominierungen in diesem Jahr gilt auch der Podcast "Who the f*** is Alice?", der Alice Schwarzer als Wegbereiterin des Feminismus würdigt, aber auch ihre Transfeindlichkeit thematisiert. Mit den Journalistinnen Susan Djahangard und Gabi Herpell treffen in der Reihe des "Süddeutsche Zeitung Magazins" zwei Generationen aufeinander. "Ihre verschiedenen Perspektiven und diverse O-Töne ermöglichen einen kritischen und differenzierten Blick auf Alice Schwarzer und zeichnen die Geschichte des Feminismus nach", so das Grimme-Institut.
Der Grimme Online Award wird am 15. Juni 2023 verliehen. Eine Jury entscheidet über maximal acht zu vergebende Preise. Bis zum 8. Juni kann zusätzlich online über den Publikumspreis abgestimmt werden. (mize/dpa)
Links zum Thema:
» Liste der Nominierten 2023
Mehr zum Thema:
» Bericht über die Ausstellung "To Be Seen. Queer Lives 1900-1950": Wie hätte ich mich im Nationalsozialismus verhalten? (26.03.2023)
Mehr queere Kultur:
» auf sissymag.de















Ein wichtiges Caveat: Was mir zu kurz kam, ist die Schuldfrage und Verantantwortungsübernahme. Dafür, dass eine Gedenkstunde und Würdigung queerer Opfer erst dieses Jahr erfolgte, scheint mir wenig Aufarbeitung in die Zeit nach der Befreiung, und die andauernde Ächtung queerer Menschen geflossen zu sein. Auch der Zeitstrahl queer-deutscher Geschichte (Eine Installation aufgehängter, transparent-pinker Scheiben) scheint ob der Knappheit und der fehlenden Kontextualisierung der gewählten Meilensteine zumindest unfertig. Die Ausstellung befindet sich auf keinem Fall auf dem "Ihr habt es doch gut"-Level - auf keinen Fall. Um klar zu sein: was ihr fehlt, ist eine Übernahme der Verantwortung oder zumindest moralisierende Positionierung/ Kontextualisierung und Klärung zur nachkriegszeitlich weitertradierten (und andauernden) Queerfeindlichkeit.
Ein persönliches Highlight: Die gravierte Zigarettenbox Marlene Dietrichs.
Vorteil und Caveat Nr. 2 zugleich: Es handelt sich hier nur um eine kleine Ausstellung - ein Stockwerk. Also für den mittelschnellen Besuch sehr schön, für den Anspruch an Vollständigkeit eher nicht so.
LG =)