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Neu Delhi

Indien: Komitee soll Probleme von queeren Paaren untersuchen

Die hindunationalistische Regierung des neben China bevölkerungsreichsten Landes der Welt wehrt sich mit Händen und Füßen gegen die Ehe für alle. Vor dem Höchsten Gericht macht sie nun erste Zugeständnisse.


Schwules Paar in Indien: Beziehung vom Staat nicht erkannt (Bild: unil Gupta & Charan Singh / Delhi - Communities of Belonging)
  • 4. Mai 2023, 00:38h 2 3 Min.

Die indische Regierung möchte mit einem Komitee Probleme untersuchen, denen queere Paare in dem Land gegenüberstehen. Es werde geprüft, ob etwas auf administrativer Ebene getan werden könne, sagte ein Anwalt, der die Regierung bei andauernden Anhörungen vor dem Höchsten Gericht in Neu Delhi zur möglichen Legalisierung gleich­geschlechtlicher Ehen vertritt, laut dem indischen Rechtsportal "Bar & Bench" am Mittwoch.

Der Oberste Gerichtshof Indiens verhandelt seit Mitte April über die Öffnung der Ehe. Dutzende lesbische und schwule Paare und Aktivist*­innen haben gegen das Ehe-Verbot geklagt. Derzeit gibt es in dem Land mit 1,4 Milliarden Menschen keine Möglichkeit, eine gleich­geschlechtliche Beziehung beim Staat zu registrieren.

Regierung nennt Ehe für alle "urbanes, elitäres Konzept"

Die nationalistische Regierung von Premierminister Narendra Modi lehnt die Ehe für alle strikt ab. In einem Schreiben an das Gericht erklärte sie, dass die Ehe "nur zwischen einem biologischen Mann und einer biologischen Frau" gültig sei und allenfalls vom Parlament geöffnet werden könne. In dem Dokument beschreibt die Regierung die Ehe für alle als "urbanes, elitäres Konzept" (queer.de berichtete). In Asien hat bislang nur Taiwan die Ehe geöffnet.

Die Kläger*innen berufen sich hingegen auf die indische Verfassung, die Gleichbehandlung garantiere. Queere Paare würden außerdem bislang ganz praktische Nachteile erleiden: So könnten sie kein Gemeinschaftskonto eröffnen oder würden im Erbfall nicht berücksichtigt werden.

Premierminister Narendra Modi führt das Land seit 2014 an – seine Regierungspartei Bharatiya Janata wird als rechtskonservativ und in Teilen rechtsextrem eingeordnet. Das Land hat sich unter Modis Führung von einer säkularen, multikulturellen Nation zu einem hinduistisch geprägten Staat gewandelt, in dem religiöse Diskriminierung an der Tagesordnung ist. Homosexualität wird abgelehnt und ist gesellschaftlich nach wie vor tabuisiert. Erst im Januar lehnte die Regierung einen erfahrenen indischen Juristen als Richter am Obersten Gerichtshof ab, weil er schwul ist (queer.de berichtete).

Die Höchste Gericht legalisierte 2018 Homosexualität

Trotzdem gab es zuletzt eine Liberalisierung, die von den Höchstrichter*innen vorangetrieben wurde: Seit September 2018 steht Homosexualität in dem 1,4 Milliarden Einwohner*innen zählenden Land nicht mehr unter Strafe (queer.de berichtete). Letztes Jahr entschied das Gericht, dass auch "unverheiratete Paare oder queere Beziehungen" Anspruch auf Sozialleistungen hätten, die heterosexuellen Ehe-Leuten oder Familien zustehen (queer.de berichtete).

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In den großen Städten Indiens werden lesbische und schwule Paare inzwischen vermehrt sichtbar. Laut einer Umfrage des Pew Research Center ist die Akzeptanz von Homosexualität zwischen 2014 und 2020 von 14 auf 37 Prozent gestiegen – sie lag damit höher als in einigen europäischen Ländern wie Bulgarien oder der Ukraine, aber weit unter den Werten westeuropäischer Staaten.

In Demonstrationen und Protestaktionen setzen sich queere Menschen in Indien lautstark für gleiche Rechte ein (queer.de berichtete). (dk/dpa)

-w-

#1 _Patrick_Ehemaliges Profil
  • 04.05.2023, 10:09h
  • >...urbanes, elitäres Konzept...<

    Ich dachte, damit wäre die Trinkwasserversorgung und der Zugang zu Toiletten gemeint, wie sie die indischen Herrenmenschen in den Großstädten besitzen, während 550.000.000 Inder:innen, meist der untersten Kaste zugehörig und damit Abfall gleichgestellt, davon nur träumen können.
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#2 SebiAnonym
  • 04.05.2023, 10:21h
  • Antwort auf #1 von _Patrick_
  • Volle Zustimmung.

    Gerade Indien braucht nichts von "elitären Konzepten" zu faseln, während dort das Kasten-System allgegenwärtig ist.

    Das ist für die OK, aber Gleichheit und demokratische Grundrechte sollen dann "elitär" sein. Sorry, aber das ist lächerlich.
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