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SPD ja, CSU nein

Reiter wird weiter Münchner CSD anführen

Trotz seiner viel kritisierten Äußerung zu Dragqueens wird der Münchner OB wohl weiterhin Schirmherr des CSD in München sein – und diesen auch anführen.


Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) versucht, die Wogen zu glätten (Bild: Amrei-Marie / wikipedia)

  • 9. Mai 2023, 14:02h 13 4 Min.
  • Zu Update springen: Reiter spricht von "Missverständnissen rund um mein Statement" und entschuldigt sich (15.25h)

Der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) wird trotz seiner queerfeindlichen Äußerung letzte Woche in der "Bild"-Zeitung den CSD "natürlich" weiter anführen. Das bestätigten Teilnehmende eines Treffens zwischen CSD-Organisator*innen und des OBs am Dienstagmorgen gegenüber der AZ. Der "Friedensgipfel" sei friedlich zu Ende gegangen, schrieb die Zeitung. Reiter sei nach teils heftiger Kritik aus der Szene inzwischen um Schadensbegrenzung bemüht.

Reiter hatte letzte Woche in der "Bild"-Zeitung wie viele Konservative und Rechtspopulist*innen eine für Mitte Juni Draglesung für Kinder kritisiert. Für "diese Art Programm" habe er "kein Verständnis", wütete der OB damals (queer.de berichtete). Inzwischen schränkte er jedoch gegenüber der AZ ein, dass er sich nicht für ein Verbot ausspreche. "Die Teilnahme an der Veranstaltung ist freiwillig und Eltern können selbst entscheiden, ob sie mit ihren Kindern hingehen möchten oder nicht." Er betonte, er habe "kein Problem mit Dragqueens" und stehe "auch weiterhin stabil an der Seite der gesamten queeren Szene". Eine Anfrage von queer.de zum Thema hat Reiter bislang nicht beantwortet.

Twitter / mueller_fe | Von dem Treffen zwischen CSD und OB berichtete Felix Müller, Ressortleiter München bei der Abendzeitung
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Der Lesben- und Schwulenverband hatte Reiter nach seiner ablehnenden Äußerung noch Populismus vorgeworfen. Die SPDqueer verteidigte dagegen ihren Parteifreund pauschal: Der Vorwurf der Queerfeindlichkeit käme von der "politischen Konkurrenz" und sei "absolut falsch", sagte SPDqueer-Pressesprecher Sebastian Kropp (queer.de berichtete). Viele in der SPD versuchten Reiters generell ablehnende Äußerung dahingehend umzudeuten, dass er nur den Namen des teilnehmenden Dragkings Eric Big Clit zu kritisieren gedacht habe.

CSU verbannt

Anders als Reiter verbannt der CSD dagegen die CSU. Die Partei dürfe wegen queerfeindlicher Äußerungen nicht mit einem eigenen Wagen am CSD teilnehmen, teilten die Organisator*innen bereits am Montag mit (queer.de berichtete). Freilich dürften CSU-Mitglieder aber zu Fuß mitlaufen.

Wir bestätigen, dass wir eine Anmeldung der CSU (Christlich-Soziale Union) für unsere PolitParade am 24. Juni erhalten,...

Posted by CSD München – Munich Pride on Monday, May 8, 2023
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Insbesondere queerfeindliche Äußerungen von CSU-Vizefraktionschef Hans Theiss wurden von Seiten des CSD kritisiert. Allerdings, so berichtete die AZ, stehe in dieser Frage nicht die gesamte Stadtratsfraktion hinter ihrem Vizechef.

Der Fraktionsvorsitzende Manuel Pretzl forderte unterdessen den CSD-Verein auf, die – nach Ansicht mancher Aktivist*innen – an russische Verhältnisse erinnernden Verbotsfantasien aus seinen Reihen zu tolerieren: "Sollte es aufgrund einer Debatte um Drag-Lesungen eine Absage für unseren Wagen geben, kann ich nur sagen: Toleranz ist keine Einbahnstraße." Wer Vielfalt feiere, müsse auch "vielfältige Meinungen akzeptieren". (dk)

Update 15.25 Uhr: Reiter spricht von "Missverständnissen rund um mein Statement" und entschuldigt sich

Dieter Reiter hat am Nachmittag in einer Presseerklärung "Vertreterinnen und Vertretern der Community für das offene und freundliche Gespräch" gedankt. "Ich bin sicher, dass heute Missverständnisse rund um mein Statement ausgeräumt werden konnten. Mir ist unsere Münchner Community wichtig, das habe ich nicht nur durch meine Präsenz am CSD, sondern vor allem durch meine Politik in den letzten Jahren immer wieder unter Beweis gestellt." Reiter ging nicht näher darauf ein, wie er jetzt zu der von ihm kritisierten Lesung stehe. Er sagte nur, ihm sei bewusst, dass er mit seiner Aussage "auch Menschen verletzt" habe. "Das war nie meine Absicht und tut mir leid."


Foto vom "Friedensgipfel": Vertreter*innen der CSD-Mitgliedsvereine und Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter am Dienstag im Rathaus (Bild: Michael Nagy)

Weiter erklärte der Sozialdemokrat: "Völlig absurd ist, dass mein Statement von rechten Kreisen als Legitimation für queer-feindliches Auftreten genutzt wird. Deshalb stelle ich eines nochmals unmissverständlich klar: Ich stehe an der Seite der Community, sie ist ein fester Bestandteil und Ausdruck unseres vielfältigen und bunten Münchens."

In der Mitteilung wandten sich auch Miriam Vath von LesCommunity e.V. und Tobias Oliveira Weismantel, von der Münchner Aids-Hilfe gemeinsam gegen Queerfeindlichkeit: "Seit Jahren nehmen die Anfeindungen und Angriffe gegen LGBTIQ* zu und es wird jede Gelegenheit genutzt, um Hetze zu verbreiten. Dabei wird der Begriff 'Frühsexualisierung' als Kampfbegriff der rechten Szene massiv gegen LGBTIQ* in Stellung gebracht. Die gesamte Community wird dadurch diffamiert. Die Gefährdung von jungen Menschen geht nicht von einer harmlosen Drag-Lesung aus, sondern von der Hetze und den Abwertungen, die von den Gegnern der Community verbreitet werden."

Wöchentliche Umfrage

» Nach Treffen mit DeSantis und Forderung nach Drag-Verbot: Bist du für einen Ausschluss der CSU vom CSD München?
    Ergebnis der Umfrage vom 08.05.2023 bis 15.05.2023

#1 _Patrick_Profil
  • 09.05.2023, 14:28hRLP
  • Die Entscheidung wirkt auf mich nicht logisch, ebensowenig wie Reiters Aufschlag bei der BILD. Reiter ist Profi und muss sich unter einem Stein versteckt haben, um die Kampagne gegen die Drag-Lesung nicht mitbekommen zu haben. Wie man von der Lesung losgelöst überhaupt auf die Idee kommt, ausgerechnet mit der BILD über Kindeswohl zu sprechen, die den Chatverlauf von verwaisten, überlebenden Kindern veröffentlicht und deren Gesichter abdruckt, erschließt sich mir auch nicht wirklich.

    Während Friedman, ehemals CDU, seine Einladung nutzt, um gezieltem Hass entschieden entgegen zu treten, die Verlogenheit zu demaskierern und mit dem Finger auf die Hetzer zu zeigen, lässt sich (ich nehme seine Worte jetzt mal ernst) Reiter ohne Not fahrlässig vereinnahmen und verlinkt durch seine Person die queerfeindliche Front mit der Münchner SPD. Ein Bürgermeister hat seine Mittel und Wege, seine Meinung zu bestimmten Themen in die Öffentlichkeit zu tragen. Ich erhoffe mir für alle Beteiligten, dass er sie das nächste Mal nutzt.

    Ich wünsche dem CSD-Team, dass sich ihre Entscheidung nicht (!) rächt und der CSD ein voller Erfolg wird. "Wir" können es brauchen.
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#2 SeraphinaAnonym
  • 09.05.2023, 14:59h
  • Antwort auf #1 von _Patrick_
  • Sehe ich genauso, Reiter gehört genauso verbannt wie die CSU vom CSD München und gewisse Kommentator*innen in nem vorherigen Artikel können sich ihre Betroffenenheit für oft selbst rassistische und TIQA* feindlichen CDU/CSU LGBTIQ* sonst wo hinschieben.
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#3 EnttäuschterAnonym
  • 09.05.2023, 15:05h
  • Leider inkonsequent und damit unglaubwürdig. Schade, denn gerade in diesen Zeiten hätte es eines deutlichen Zeichens seitens der CSDs gegen Queerfeindlichkeit und deren Ermöglicher*innen bedurft. So wird an "Wertkonservative", "Besorgte" und Reaktionäre gesendet: "Mit uns kann man es ja machen".
    Wieder mal selbst beim Minimum an Relevanz und Glaubwürdigkeit zu viel erwartet.
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